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Irgendwie ist alles Wurst PDF Drucken E-Mail
Montag, 30. November 2009
Bei einer verbrieften Hypothek herauszufinden zu welchem Haus sie gehört, ist in etwa so schwierig wie bei einer Wurst herauszufinden, vom welchem Schwein sie stammt. Das zeigt die folgende Geschichte.

Im Januar machten sich die meisten noch über Marcy Kaptur lustig. Zu abwegig klang ihre Rede, in der die Abgeordnete aus Ohio ihre Landsleute aufforderte, im Fall einer Zwangsräumung die Häuser nicht zu verlassen. "Bleibt in euren Häusern", rief sie im Kongress. "Denn sie müssen euch erst einmal beweisen, dass ihnen tatsächlich eure Hypothek gehört. Und bis sie nicht mit dem Finger auf das entsprechende Papier zeigen können, ist das nicht der Fall." Einer Sache war sich Marcy Kaptur damals schon sicher. "Die finden eure Hypothek an der Wall Street überhaupt nicht mehr wieder."

Inzwischen lachen die Hausbesitzer...

Vor ein paar Wochen erzielte der New Yorker Anwalt David Shaev einen aufsehenerregenden Erfolg. Seine Mandantin hatte sich hoch verschuldet und stand kurz davor, ihr Haus zu verlieren. Dieses war mit einer Hypothek von fast einer halben Million Dollar belastet. Doch die Hypothek war durch so viele Kanäle geschickt worden, dass für den Richter nicht mehr feststand, wem sie nun tatsächlich gehörte. Für die Beklagte war das ein Glücksfall. Denn das Gericht beseitigte ihre Schulden von 461 263 Dollar per Gerichtsbeschluss. Einfach so.

Wenn das Schule macht, dann dürften die Gerichte ordentlich was auf den Schreibtisch bekommen ...

Doch die WELT findet Verbriefung immer noch toll:

An sich ist die Verbriefung von Krediten keine schlechte Sache. Banken sortieren Darlehen nach Ausfallwahrscheinlichkeiten und mixen sie zu einem Wertpapier zusammen. Dies verkaufen sie an Investoren weiter. Auf diese Weise haben sie mehr Eigenkapital zur Verfügung und verteilen das Verlustrisiko auf mehrere Schultern.

Theoretisch ist das richtig, praktisch haben die Banken die Kredite, die sie gebündelt haben auch gleich gekauft. Zweckgesellschaften hiess die Lösung und vorallem die Deutschen Landesbanken waren dicke im Geschäft. Weshalb allerdings Zweckgesellschaften nicht in der Bilanz erscheinen und dennoch im Verlustfall bilanzwirksam werden, ist im übrigen immer noch eine der Fragen, die mich beschäftigen und lange hatte ich das Gefühl, dass ich der einzige bin.

Stimmt nicht, wie ich gestern feststellen durfte. Auch Mark Pittman beschäftigte sich damit. Von ihm gehört habe ich leider erst jetzt - nach seinem Tod. Der Bloomberg-Journalist, der nachfragte, wo seine Kollegen nur noch Bahnhof verstanden, ist vor ein paar Tagen überraschend verstorben. Eines seiner letzten Interviews gab er der Columbia Journalism Review. Es ist das Beste, das ich seit langem gelesen habe: Bitte schön

Mit seinen Aussagen beweist Mark Pittman, dass er mehr von den Finanzmärkten versteht als Bernanke, der glaubt, die FED müsse noch mehr Macht bekommen: Bernanke Says Limiting Fed Independence Would ‘Impair’ Economy

Bernanke sieht die Fed als Lösung, Pittman sieht die Fed als Ursache der Finanzkrise, wenn auch nicht die einzige und machte sich Sorgen:

The thing that people don’t realize is that the Fed is now the “bad bank.”

Tja, so isses. Und wenn man sieht, was Bernanke in der Vergangenheit so alles gesagt hat, dann frage ich mich immer wieder: Wieso hört überhaupt noch jemand diesem Mann zu?


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RSS Kommentare Kommentare (7)

Geschrieben von: physiker, am 30-11-2009 18:47
Das hört sich aber für Deflationisten gar nicht gut an, wenn der Gläubiger kein Druckmittel mehr hat. Und Überkapazitäten und Lohndumping lassen keine Inflation zu. :x

Geschrieben von: Amethyst, am 30-11-2009 22:19
Köstlich dieser Artikel. Im Prinzip werden mit den Verbriefungen Schulden anonymisiert. :-) Da lacht der Schuldner. :-) Da bärmelt der Gläubiger. :cry Genauso ist es auch. Man sollte dringend darauf achten, Verbriefungen im Potfolio zu vermeiden. Was ich besonders Frau Kanzlerin ans Herz legen würde, bevor sie wieder mal "Banken" äh (Zockerbuden) "rettet". Wir haben die Faxen dicke mit "Bankenrettung"....

Geschrieben von: die Simpsons, am 01-12-2009 06:30
Da kannte sich einer, Mark Pitmann verdammt gut aus, noch besser als Bernanke und plötzlich ohne ersichtlichen Grund verstirbt er. Gibt es Informationen wie er gestorben ist?

Geschrieben von: HRR, am 01-12-2009 09:02
Er litt unter einer Herzkrankheit, allerdings seien die Todesumstände unklar. Pittman war der Mann, der Bloomberg dazu brachte die FED zu verklagen, um Informationen über die Rettungspakete offen zu legen.

Geschrieben von: die Simpsons, am 01-12-2009 09:51
Vielen Dank für die Antwort. Wer gegen die FED kämpft lebt gefährlich könnte man meinen. Die Todesumstände unklar bedeutet nichts weis man oder will man wissen und doch kann man vieles vermuten oder auch vieles vertuschen. Ich werde mal ein wenig googeln über Mark Pittmann.

Geschrieben von: Ben, am 01-12-2009 21:06
Vor einem halben Jahr wollte man noch "ganz neu anfangen" und jetzt soll alles wieder von vorne losgehen Da kann einem echt der Kragen platzen!

Ganz interessant zu Verbriefungen:
http://blog.bankhaus-rott.de/#post49

Geschrieben von: Marktzyniker website, am 16-12-2009 21:22
Leider kommen in Deutschland dem Schuldner die Zweifel über die Person des Gläubigers nicht zu Gute. Sehr wahrscheinlich wird ihm in einem solchen Fall nur die Hinterlegung des Betrages bei einer öffentlichen Stelle bleiben, dann können sich die Gläubiger untereinander streiten. Echt lustig, dass Urteil in den USA


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