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In den Fängen der Pharmalobby PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 8. November 2011
Basieren die Marketingstrategien der Pharmaindustrie auf reiner Gier nach Profit? Dieser Frage geht heute abend der Fernsehsender Arte nach. Die Antwort kennt man natürlich schon. Profit ist das Ziel jedes börsenkotierten Unternehmens, dass die Gesundheit mancher Patienten dabei auf der Strecke bleibt gehört zu den unerwünschten Nebenwirkungen. Erzählt wird die Geschichte rund um das Medikament "Mediator", die zwischen 500-2000 Menschen das Leben gekostet haben soll.

Das überflüssige und gefährliche Medikament "Mediator" war in Frankreich über drei Jahrzehnte auf dem Markt, obwohl es seit Beginn äusserst umstritten war. Dennoch blieb das Prestigeprodukt des französischen Pharmaunternehmens Servier bis November 2009 auf dem Markt. Und die Kosten wurden bis zum Schluss von der Krankenkasse erstattet. Die Wende im Umgang mit "Mediator" bewirkte Irène Frachon, Pneumologin am Universitätskrankenhaus Brest. Nachdem sie über Jahre eine beunruhigend hohe Anzahl von "Mediator"-Opfern festgestellt hatte, gelang es ihr, die französische Kontrollbehörde für Gesundheitsprodukte Afssaps ("Agence française de sécurité sanitaire des produits de santé") auf dieses Medikament mit vermutlich tödlichen Nebenwirkungen aufmerksam zu machen. Drei Jahre kämpfte Frachon hartnäckig gegen die hundertprozentig von der Pharmaindustrie finanzierte Afssaps, damit diese sich für ein Verbot von "Mediator" einsetzt. Doch das war nicht leicht, denn einige der für die Medikamentenüberwachung zuständigen Fachleute der Behörde wurden sogar von der Firma Servier bezahlt.

Die Dokumentation beleuchtet heute Dienstag um 20.15 Uhr das weit verzweigte Netz an Kontakten zu Medizin, Forschung und Politik, das der Unternehmensgründer Jacques Servier im Laufe der Zeit aufgebaut hatte und das ihn und sein Labor 32 Jahre lang vor Angriffen schützte.

Im zweiten Teil des Themenabends um 21.20 Uhr geht ARTE dem Verdacht nach, dass die Pharmaindustrie Krankheiten erfindet, um dazu passende Medikamente zu liefern. Ein Thema, über das bereits der Spiegeljournalist Jörg Blech ein eindrücliches Buch geschrieben hat. Schenkt man den Aussagen Glauben, scheint die bewusste Förderung von Krankheiten im Begriff zu sein, die moderne Medizin in ein riesiges Marketingunternehmen zu verwandeln, in dem die Wissenschaft in den Dienst der Industrie und nicht mehr in den der Patienten gestellt wird.

Das mag verstörend wirkend, ist aber nur logisch, da die Produkte auch dann bezahlt werden müssen, wenn keine Heilung stattfindet. Das Geschäftsmodell dient den Unternehmen, für die Patienten kann es aber tödlich enden. In den letzten 18 Monaten habe ich selbst intensiv zu diesem Thema recherchiert und kein einziges Medikament gefunden, das garantiert heilt, dabei heisst Medikament auf deutsch übersetzt Heilmittel. Dennoch gibt es Hoffnung für die Kranken. Zu verdanken haben wir sie einem Nebeneffekt der pharmakologischen Forschung. Um ihre Produkte zu testen, verabreichen sie jeweils einer Gruppe von Probanden das Medikament und der anderen Gruppe ein Scheinarzneimittel. Sehr oft haben diese medizinisch gesehen wirkungslosen Präparate einen positiven Heilungsverlauf zur Folge. In der Fachsprache spricht man vom Plazeboeffekt. Das heisst, der Glaube an Heilung führt zur Heilung. Dazu später mehr.


Tödliche Pillen: Mediator-Skanda
Krankheiten nach Maß, Dienstag


Die Krankheitserfinder: Wie wir zu Patienten gemacht werden

Ein Blick hinter die Kulissen des wichtigsten Krebskongresses der Welt. (NZZ)
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RSS Kommentare Kommentare (7)

Geschrieben von: O.T., am 08-11-2011 16:00
„[...] für die Patienten kann es aber tödlich enden.“

Solange sich Pharmaunternehmen nicht massiv an Beerdigungsinstitute in großem Stil beteiligen, sehe ich in diesen Filmen nichts anderes als Panikmache.

Fehlt grad noch, das sie Schauspieler engagieren die Vorstandssitzungen nachspielen – so wie es bei historischen Dokumentationen leider üblich geworden ist. Ich kann mir keine dieser Spieldokumentationen ohne Kotzkübel anschauen. Nicht zu vergessen wenn dann der heldenhafte investigative Journalist im Profil in die Kamera greint, oder auf dem Weg zum wichtigen Interview mit Kamera begleitet wird.
Ich würde mir eine Dokumentation wünschen, die beschreibt wie sich dieser billige Journalismus so breit machen konnte.

Ursache des ganzen Dilemmas ist, das die Universitäten voll von Luftblasen-Fächern sind, wie Medien, Politik und andere Laberfächern.
Diese Leute brauchen Beschäftigung – und suchen sich daher immer neue Opfer, immer neue Sauen werden durch die Dörfer getrieben.
Solange man mit dieser billigen Laberrei mehr als den Harz IV Satz verdient, wird die Menschheit mit diesem Schrott zugelabert.

Zumindest weiß ich, welchen Sender ich heute keinesfalls schaue.

Geschrieben von: Ina website, am 08-11-2011 17:14
Es gibt keine schlimmere Mafia auf der Welt als die Pharmaindustrie..

Geschrieben von: Tim, am 10-11-2011 06:47
Was für ein Unsinn von "O.T."...

Es ist jedoch auch gut belegt, dass die Wirtschaftsmafia Pro Propaganda im Internet betreibt.

Wie wäre es das nächste Mal mit Argumenten und Fakten "O.T."?

Geschrieben von: O.T., am 10-11-2011 10:42
@Tim
"Was für ein Unsinn von "O.T."... "

Das ist natürlich "das Argument", gegen das niemand ankommt!

Wenn die Pharmaindustrie so böse sein würde, wie sie in derartigen Pseudospieldokumentation dargestellt wird, warum verbünden sie sich nicht mit der "richtigen" Mafia und beseitigen diese "Journalistenschauspieler"?

Derzeit sind in unserem Dorf auch die Banken ein ganz großes Feindbild. Die Pharmaindustrie sorgt nur mal eben für Abwechslung - weil immer Bankmafia - ist auch langweilig und bringt kaum noch Quote.

Morgen wird die Sau Datenkrakenmafia Google durchs Dorf getrieben.

"Es ist jedoch auch gut belegt, dass die Wirtschaftsmafia Pro Propaganda im Internet betreibt. "

Wieso darf die Wirtschaft ihre Interessen nicht vertreten? Warum ist sie dann eine Mafia?
Mir tut es immer leid, das die Bildungsmafia bei Leuten wie Dir nichts ausgerichtet hat.
Du hast Dich viel zu sehr von der HarztIVMafia beeindrucken lassen.

"Wie wäre es das nächste Mal mit Argumenten und Fakten "O.T."?"

Welche Fakten? Kann ich was dafür wenn die Volksmafia der Beamtenmafia alles glaubt, was sie sagen? Sie sollten viel mehr auf die Denkmafia hören ... oder besser: SELBST DENKEN!

Geschrieben von: HRR, am 10-11-2011 11:35
@O.T.

Ich nehme dich beim Wort. Was "DENKST DU SELBST", was Pharmaunternehmen tun, um Gewinn zu machen? Werden sie das Produkt möglichst teuer verkaufen (Eigeninteresse) oder werden sie es möglichst billig verkaufen (im Interesse des Patienten). Oder noch etwas drastischer. Werden sie schädliche Medikamente vom Markt zurück ziehen (im Interesse des Patienten) oder sie möglichst lange weiter verkaufen (Eigeninteresse)?

Das höchste Ziel eines börsenkotierten Pharma-Unternehmens ist der Gewinn und nicht die Gesundheit des Patienten. Das hat nichts mit gut oder böse zu tun, das sind einfach die Fakten. Ein Pharmaunternehmen wird nun mal nicht nach der Wirkung der Medikamente beurteilt, sondern nach dem finanziellen Erfolg.

Geschrieben von: O.T., am 10-11-2011 17:08
@HRR
[...] um Gewinn zu machen? Werden sie das Produkt möglichst teuer verkaufen (Eigeninteresse) oder werden sie es möglichst billig verkaufen (im Interesse des Patienten). Oder noch etwas drastischer. Werden sie schädliche Medikamente vom Markt zurück ziehen (im Interesse des Patienten) oder sie möglichst lange weiter verkaufen (Eigeninteresse)?

Pharmaunternehmen verkaufen möglichst teuer, aus Eigeninteresse. Sie dürfen nicht zu teuer verkaufen, da der Patient nicht bereit ist jeden Preis zu bezahlen. Die Pharmaindustrie ist viel weniger ein monolithischer Block, als z. B. die Computerindustrie. Da der Konkurrenzdruck sehr groß ist werden sich die Preise im Interesse des Patienten immer weiter zu seinen Gunsten entwickeln. Anzusetzen wäre z. B. beim Einkaufsmonopol der Krankenkassen, oder auch beim Apothekermonopol.
Sie entwickeln im Interesse des Patienten Medikamente, das ist die Geschäftsidee eines Pharmaunternehmens.
Sie werden schädliche Medikamente schnellstmöglichst im Interesse des Patienten zurückziehen um Gesundheitsschäden zu vermeiden, aus Eigeninteresse um Milliardenklagen zu vermeiden. Viele Pharmaunternehmen sind an gesundheitsschädlichen Medikamenten pleite gegangen.

@HRR
Das höchste Ziel eines börsenkotierten Pharma-Unternehmens ist der Gewinn und nicht die Gesundheit des Patienten. Das hat nichts mit gut oder böse zu tun, das sind einfach die Fakten. Ein Pharmaunternehmen wird nun mal nicht nach der Wirkung der Medikamente beurteilt, sondern nach dem finanziellen Erfolg.

Gewinne kann ein Unternehmen nur machen, wenn sie Produkte „für“ den Kunden entwickelt, und nicht „gegen“ den Kunden.
Da ein Pharmaunternehmen, egal ob börsennotiert oder nicht, nur Produkte verkaufen kann, die dem Kunden einen Nutzen bringen, werden in erster Linie die Kunden die Macht über den finanziellen Erfolg eines Unternehmens entscheiden, und nicht die Aktionäre.

Geschrieben von: HRR, am 10-11-2011 17:15
@O.T.

Was du schreibst ist nur richtig unter der Bedingung, dass Patienten ihre Medikamente selbst bezahlen. Das ist aber mitnichten so. Die Preise werden von den Pharmakonzernen bestimmt und nicht in einem freien Markt. Die Behörden sind den Pharmafirmen entweder nicht gewachsen oder von ihnen abhängig - wie auch in der Finanzbranche.

Du hast den Film auf ARTE ja nicht gesehen. So manches was du beschreibst, wird vom Film widerlegt. Der Skandal wurde übrigens von einer Aerztin aufgedeckt und nicht von einem Journalisten.


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