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Ich habe, also bin ich PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 10. November 2011
Drei Jahre Krise und nichts gelernt. Die Kakophonie der Experten treibt weiter seine Blüten. Wie hyperaktive Kinder hetzen sie von Mikrofon zu Mikrofon, füllen die Kommentarspalten von Printerzeugnissen und besetzen die Stühle in den Talkshowrunden, nur gelernt haben sie immer noch nichts. Deshalb zum Mitschreiben: Die Ursache der Schuldenkrise liegt in der Verteilung des Geldes.

Wäre das Geld gleichmässig verteilt, dann gäbe es keine Schulden. Wer also glaubt, man könne Schulden reduzieren, ohne die Vermögen anzutasten, muss verrückt sein.

Dieser Wahnsinn hat ihren Ursprung in der Idee, dass Menschen glauben, ihr Wert messe sich an ihrem Vermögen. Man nennt es Kapitalismus; Ich habe, also bin ich.

Jeder Verlust führt bei den Kapitalismusgläubigen zu einer gefühlten Selbstzerstörung, da sie ihr Selbst über das Vermögen definieren. Das macht Angst und wer Angst hat, ist für vernünftige Diskussionen nicht mehr zugänglich.

John Steinbeck sagte einmal: "Freiheit liegt in jenen Dingen, auf die man getrost verzichten kann." Wie unfrei Vermögende sind, lehrt sie die Schuldenkrise. Tag für Tag bangen sie um ihr Liebstes, ohne zu erkennen, dass sie den Teufel umarmen.
Dabei ist nicht das Geld teuflisch, sondern der Glaube, Geld sei der Himmel auf Erden macht es zum Teufel. Es ist wie mit dem Alkohol. Man sollte nicht sein Herz daran hängen, sonst geht die Leber drauf.

Was wir brauchen ist nicht ein Systemwechsel. Was wir brauchen ist ein Wertewandel.

Laut einer in der City of London durchgeführten Studie unter Bankern gaben 64 Prozent an, dass Geld ihr wichtigstes Motiv für die Berufswahl gewesen war. 75 Prozent der Banker gaben an, dass die Kluft zwischen Arm und Reich im Land zu gross sei.

Würde man die gleiche Umfrage beim Reinigungspersonal machen, kämen sicher ähnliche Ergebnisse zustande. Auch dort entscheiden sich die meisten wegen des Geldes für den Job. Nicht weil sie sich dazu berufen fühlten, sondern weil sie keine andere Wahl hatten.

Man stelle sich nun vor, man würde die Lohntabelle auf den Kopf stellen. Zwei Drittel der Banker würden dann mit dem Schrubber durch die Gänge wirbeln, nicht aus Spass sondern des Geldes wegen. Eine absurde Vorstellung. Ein Leben ist nicht viel wert, wenn man die meiste Zeit mit einer Arbeit verbringt, zu der man sich nicht berufen fühlt. Man könnte die Banker - und nicht nur sie - aus diesem Dilemma befreien. Je kleiner die Lohnschere ist, desto mehr entscheidet wieder die innere Motivation über die Berufswahl. Das macht die Menschen zufriedener, ausgeglichener und letztlich auch gesünder. Dem im Wege steht nur der Glaube, Geld mache glücklich. Dabei brennt der Mensch aus, wenn er nicht seinem Herzen folgt. Burnout, Depression, wir kennen das mittlerweile zur Genüge.

Der erste Schritt zu einer Veränderung wäre ein existenzsichernder Mindestlohn für alle Arbeitnehmer. Das entlastet den Sozialstaat Das entlastet die Bürokratie. Das entlastet sogar das Gesundheitswesen. Der gesamte Staatsapparat liesse sich mit einer solchen Massnahme reduzieren. Eigentlich müssten damit die Linken (Mindestlohn) wie die Rechten (weniger Staat) glücklich sein.

Zweitens müssten die Steuerschlupflöcher geschlossen werden. Kaum ein Grossunternehmen versteuert tatsächlich jenen Gewinn, der jeweils veröffentlicht wird. Auch hier gilt: weniger Regeln, aber klare und für alle gültige Regeln. (Wo ist die FDP, wenn man sie mal braucht?)

Das sind nur zwei Möglichkeiten, um die Kluft zwischen Arm und Reich wieder etwas zu verkleinern. Das müssen wir tun, denn dort liegt die Ursache der Schuldenproblematik. Verpasst Europa diese zeitlich befristete Chance, dann schliesst sich der Graben trotzdem - durch Chaos und Zusammenbruch.
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RSS Kommentare Kommentare (7)

Geschrieben von: bct, am 10-11-2011 17:05
du beklagst zurecht die vermögensverteilung und bleibst dann bei mindestlohn und steuerschlupflöchern hängen. das bedeutet, dass selbst nach einem reset diese vermögensverteilung erneut entsteht, nur ein paar sekunden langsamer.

ich würde gerne auf deine beiden vorschläge verzichten (wobei der mindestlohn eine absolut berechtigte forderung ist!!!), wenn im gegenzug die vermögensbildung gebremst würde. devise: sand ins getriebe. polemisch-plakativ: einführung einer erbschaftssteuer, welche oberhalb 1 mio. 90% rasiert. vermeidungsstrategien für ausblutungsaktionen wie grohe u.ä., indem unternehmen mit schulden vollgepackt werden und das dann als gewinn ausgeschüttet wird, also pro reale/erwirtschaftete gewinne! um so höhere besteuerung, um so spekulativer die anlage.

ist jetzt nur aus dem bauch heraus, aber wenn wir nicht die vermögensbildung regelmässig resetten, grossvermögen sich per zuwachs selbst strangulieren und investitionen in die realwirtschaft mit renditen im einstelligen bereich reinen finanz"produkten" überlegen sind, drehen wir uns immer wieder nur im kreis...

Geschrieben von: HRR, am 10-11-2011 17:17
@bct

Ich habe nur Vorschläge gemacht, die ich aktuell auch für einigermassen mainstreamfähig erachte. Im Grundsatz gebe ich dir recht. Ist ja auch nicht neu. Moses hats erfunden ;-)

Geschrieben von: J.S., am 11-11-2011 13:24
ein kleiner verweis, vllt hilfts beim nächsten blog eintrag keinen unsinn zu verzapfen
http://www.amazon.com/Principles-Economics-N-Gregory-Mankiw/ dp/0324589972

niemand der sich ernsthaft mit volkswirtschaftslehre beschäftigt und freie und rechtsstaatliche grundsätze pfelgt würde zu solchen schlüssen wie sie kommen.

Geschrieben von: HRR, am 11-11-2011 14:25
@J.S.

Unsinn? Wo bleiben die Argumente? Ein Verweis auf ein Buch des Wirtschaftsberaters von George W. Bush ist etwas dünn, um hier überzeugen zu können.

Geschrieben von: Sven, am 11-11-2011 15:38
@J.S. - Rechtsstaat bezeichnet Staaten, in denen das Handeln der staatlichen Organe gesetztem Recht untergeordnet ist, um dem Individuum Grundrechte zu garantieren und staatlichem Handeln Grenzen zu setzen. Wo ist das jetzt verletzt? Man kann ja unterschiedlicher Meinung sein, aber dein Vorwurf passt noch nicht mal zum Thema.

Geschrieben von: Maja website, am 16-11-2011 13:03
Wirklich sehr guter Artikel. Das Problem ist, dass viele Menschen immer reicher werden und dafür viele auch wieder Ärmer. Meiner Meinung nach muss vor allem das Export Geschäft wieder deutlicher angekurbelt sind. Auch wenn wir immer noch ganz gut dabei sind, ist es so eine Mögilichkeit, Geld von "außen" rein zu bringen.

Geschrieben von: stevoxx, am 18-11-2011 09:35
Sehr guter Artikel! Schlussendlich läuft es darauf hinaus, dass sich der Kapitalismus in der derzeitigen Form selbst zerstören wird, er implodiert. Wenn es nichts mehr von unten nach oben zu verteilen gibt, ist das die logische Folge, ein Rest des Systems die Konsequenz. Über das Wie und Wenn kann man streiten, aber es läuft darauf hinaus.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen Artikel verweisen, den ich vor ca. 2 Jahren gelesen habe und der in diesem Zusammenhang sehr lesenswert ist!

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/zukunft-des-kapitalismus-12-ohne-aufstiegswille-kein-kapitalismus-1829180.html


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