Drei Jahre Krise und nichts gelernt. Die Kakophonie der Experten treibt
weiter seine Blüten. Wie hyperaktive Kinder hetzen sie von Mikrofon zu
Mikrofon, füllen die Kommentarspalten von Printerzeugnissen und
besetzen die Stühle in den Talkshowrunden, nur gelernt haben sie immer
noch nichts. Deshalb zum Mitschreiben: Die Ursache der Schuldenkrise
liegt in der Verteilung des Geldes.
Wäre das Geld gleichmässig verteilt, dann gäbe es keine Schulden. Wer
also glaubt, man könne Schulden reduzieren, ohne die Vermögen
anzutasten, muss verrückt sein.
Dieser Wahnsinn hat ihren
Ursprung in der Idee, dass Menschen glauben, ihr Wert messe sich an
ihrem Vermögen. Man nennt es Kapitalismus; Ich habe, also bin ich.
Jeder
Verlust führt bei den Kapitalismusgläubigen zu einer gefühlten
Selbstzerstörung, da sie ihr Selbst über das Vermögen definieren. Das
macht Angst und wer Angst hat, ist für vernünftige Diskussionen nicht
mehr zugänglich.
John Steinbeck sagte einmal: "Freiheit liegt
in jenen Dingen, auf die man getrost verzichten kann." Wie unfrei
Vermögende sind, lehrt sie die Schuldenkrise. Tag für Tag bangen sie um
ihr Liebstes, ohne zu erkennen, dass sie den Teufel umarmen. Dabei
ist nicht das Geld teuflisch, sondern der Glaube, Geld sei der Himmel
auf Erden macht es zum Teufel. Es ist wie mit dem Alkohol. Man sollte
nicht sein Herz daran hängen, sonst geht die Leber drauf.
Was wir brauchen ist nicht ein Systemwechsel. Was wir brauchen ist ein Wertewandel.
Laut
einer in der City of London durchgeführten Studie unter Bankern gaben
64 Prozent an, dass Geld ihr wichtigstes Motiv für die Berufswahl
gewesen war. 75 Prozent der Banker gaben an, dass die Kluft zwischen
Arm und Reich im Land zu gross sei.
Würde man die gleiche
Umfrage beim Reinigungspersonal machen, kämen sicher ähnliche
Ergebnisse zustande. Auch dort entscheiden sich die meisten wegen des
Geldes für den Job. Nicht weil sie sich dazu berufen fühlten, sondern
weil sie keine andere Wahl hatten.
Man stelle sich nun vor,
man würde die Lohntabelle auf den Kopf stellen. Zwei Drittel der Banker
würden dann mit dem Schrubber durch die Gänge wirbeln, nicht aus Spass
sondern des Geldes wegen. Eine absurde Vorstellung. Ein Leben ist nicht
viel wert, wenn man die meiste Zeit mit einer Arbeit verbringt, zu der
man sich nicht berufen fühlt. Man könnte die Banker - und nicht nur sie
- aus diesem Dilemma befreien. Je kleiner die Lohnschere ist, desto
mehr entscheidet wieder die innere Motivation über die Berufswahl. Das
macht die Menschen zufriedener, ausgeglichener und letztlich auch
gesünder. Dem im Wege steht nur der Glaube, Geld mache glücklich. Dabei
brennt der Mensch aus, wenn er nicht seinem Herzen folgt. Burnout,
Depression, wir kennen das mittlerweile zur Genüge.
Der erste
Schritt zu einer Veränderung wäre ein existenzsichernder Mindestlohn für
alle Arbeitnehmer. Das entlastet den Sozialstaat Das entlastet die
Bürokratie. Das entlastet sogar das Gesundheitswesen. Der gesamte
Staatsapparat liesse sich mit einer solchen Massnahme reduzieren.
Eigentlich müssten damit die Linken (Mindestlohn) wie die Rechten
(weniger Staat) glücklich sein.
Zweitens müssten die
Steuerschlupflöcher geschlossen werden. Kaum ein Grossunternehmen
versteuert tatsächlich jenen Gewinn, der jeweils veröffentlicht wird.
Auch hier gilt: weniger Regeln, aber klare und für alle gültige Regeln.
(Wo ist die FDP, wenn man sie mal braucht?)
Das sind nur zwei
Möglichkeiten, um die Kluft zwischen Arm und Reich wieder etwas zu
verkleinern. Das müssen wir tun, denn dort liegt die Ursache der
Schuldenproblematik. Verpasst Europa diese zeitlich befristete Chance,
dann schliesst sich der Graben trotzdem - durch Chaos und
Zusammenbruch. Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 2783
Geschrieben von: bct, am 10-11-2011 17:05 du beklagst zurecht die vermögensverteilung und bleibst dann bei mindestlohn und steuerschlupflöchern hängen. das bedeutet, dass selbst nach einem reset diese vermögensverteilung erneut entsteht, nur ein paar sekunden langsamer. ich würde gerne auf deine beiden vorschläge verzichten (wobei der mindestlohn eine absolut berechtigte forderung ist!!!), wenn im gegenzug die vermögensbildung gebremst würde. devise: sand ins getriebe. polemisch-plakativ: einführung einer erbschaftssteuer, welche oberhalb 1 mio. 90% rasiert. vermeidungsstrategien für ausblutungsaktionen wie grohe u.ä., indem unternehmen mit schulden vollgepackt werden und das dann als gewinn ausgeschüttet wird, also pro reale/erwirtschaftete gewinne! um so höhere besteuerung, um so spekulativer die anlage. ist jetzt nur aus dem bauch heraus, aber wenn wir nicht die vermögensbildung regelmässig resetten, grossvermögen sich per zuwachs selbst strangulieren und investitionen in die realwirtschaft mit renditen im einstelligen bereich reinen finanz"produkten" überlegen sind, drehen wir uns immer wieder nur im kreis... Geschrieben von: HRR, am 10-11-2011 17:17 @bct Ich habe nur Vorschläge gemacht, die ich aktuell auch für einigermassen mainstreamfähig erachte. Im Grundsatz gebe ich dir recht. Ist ja auch nicht neu. Moses hats erfunden ;-) Geschrieben von: J.S., am 11-11-2011 13:24 ein kleiner verweis, vllt hilfts beim nächsten blog eintrag keinen unsinn zu verzapfen http://www.amazon.com/Principles-Economics-N-Gregory-Mankiw/ dp/0324589972 niemand der sich ernsthaft mit volkswirtschaftslehre beschäftigt und freie und rechtsstaatliche grundsätze pfelgt würde zu solchen schlüssen wie sie kommen. Geschrieben von: HRR, am 11-11-2011 14:25 @J.S. Unsinn? Wo bleiben die Argumente? Ein Verweis auf ein Buch des Wirtschaftsberaters von George W. Bush ist etwas dünn, um hier überzeugen zu können. Geschrieben von: Sven, am 11-11-2011 15:38 @J.S. - Rechtsstaat bezeichnet Staaten, in denen das Handeln der staatlichen Organe gesetztem Recht untergeordnet ist, um dem Individuum Grundrechte zu garantieren und staatlichem Handeln Grenzen zu setzen. Wo ist das jetzt verletzt? Man kann ja unterschiedlicher Meinung sein, aber dein Vorwurf passt noch nicht mal zum Thema. Geschrieben von: Maja , am 16-11-2011 13:03 Wirklich sehr guter Artikel. Das Problem ist, dass viele Menschen immer reicher werden und dafür viele auch wieder Ärmer. Meiner Meinung nach muss vor allem das Export Geschäft wieder deutlicher angekurbelt sind. Auch wenn wir immer noch ganz gut dabei sind, ist es so eine Mögilichkeit, Geld von "außen" rein zu bringen. Geschrieben von: stevoxx, am 18-11-2011 09:35 Sehr guter Artikel! Schlussendlich läuft es darauf hinaus, dass sich der Kapitalismus in der derzeitigen Form selbst zerstören wird, er implodiert. Wenn es nichts mehr von unten nach oben zu verteilen gibt, ist das die logische Folge, ein Rest des Systems die Konsequenz. Über das Wie und Wenn kann man streiten, aber es läuft darauf hinaus. In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen Artikel verweisen, den ich vor ca. 2 Jahren gelesen habe und der in diesem Zusammenhang sehr lesenswert ist! http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/zukunft-des-kapitalismus-12-ohne-aufstiegswille-kein-kapitalismus-1829180.html Artikel kommentieren
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