Jetzt ist auch Marc Faber auf den Hyperinflationszug gestiegen. Die
Preise könnten in einem Tempo zulegen, das nahe an die Entwicklung in
Zimbabwe herankommt, sagte er in einem Bloomberg-Interview.
Gleichzeitig vermeldet Deutschland nach Schätzungen des statistischen
Bundesamts eine Inflation von 0.0 % - der tiefste Stand seit Mai 1987.
Zur Begründung verweist Faber auf den rasch wachsenden Schuldenberg der
Vereinigten Staaten. Wenn der Zeitpunkt gekommen sei, wo die Notenbank
Fed eigentlich die Zinsen anheben müsste, werde sie sich dagegen
sträuben. Dann werde sich die Inflation beschleunigen.
Die Frage
ist nur, wann dieser Zeitpunkt kommen wird. Ich sehe ihn noch lange
nicht. In eine ganz andere Richtung geht ein Oekonom der Fed von San
Francisco:
Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat Glenn
Rudebusch, ein Ökonom der Fed-Filiale in San Francisco, gefordert, dass
der Zinssatz «nicht bloss für die kommenden sechs bis neun Monate,
sondern für mehrere Jahre» nahe bei null belassen werde. Er begründete
seine Aussage mit der Taylor-Regel, an der sich das Fed in normalen
Zeiten bei der Bestimmung des Leitzinses orientiert. Gemäss dieser
hätte der Leitzins Ende 2008 eigentlich bei minus 5 Prozent liegen
müssen.
Der Leitzins ist somit um 5 Prozent zu hoch. Bereits
wollten Experten diesen künstlich nach unten setzen, doch das
funktioniert nicht. Ich habe bereits in Professorale Sumpfblüten
darüber berichtet.
Tja, die Widersprüche könnten kaum grösser
sein. Auf der einen Seite stehen die Inflationisten und werfen als
Begründung die explodierenden Schuldenberge der Staaten und die
Ausweitungen der Bilanzen der Notenbanken in die Waagschale. Die
Deflationisten hingegen schauen auf die Bankbilanzen, die aus
Risikogründen eingedampft werden müssen. Dazu kommen noch die
Konsumenten, die kaum mehr an günstige Kredite kommen, weiterhin
fallende Immobilien, die früher als Cash Cow gedient hatten, steigende
Arbeitslosigkeit und die einbrechende Weltwirtschaft.
Ich gehöre
nachwievor zum Lager der Deflationisten und die Begründung ist dafür
einfach und simpel. Fast alle Konjunkturprogramme der Regierungen
wurden für die Rettung der Finanzinstitute gebraucht. Bei den
Konsumenten kam bislang kaum etwas an. Wir haben es hier mit einer
Umlagerung von Schulden von den Banken zu den Staaten zu tun.
Doch
zurück zu den Kapitalmärkten: Es schien als hätten die USA das
Perpetuum Mobile erfunden. Die Treasury warf Anlehen in unglaublicher
Höhe auf den Markt, während die Fed einen Teil davon wieder aufkaufte,
um die Zinsen am langen Ende tief zu halten. Doch trotz guter Absichten
wollen die Investoren das Spiel aber nicht mitmachen.
Die
Renditedifferenz zwischen den 2- und 10-jährigen Treasuries weitete
sich immer mehr aus und erreicht inzwischen 2.75 Prozentpunkte und
erreichte damit den höchsten Stand seit August 2003. So einfach ist das
Gelddrucken offenbar nicht, das mittels Schuldenaufnahme und
Quantitative Easing hätte erreicht werden sollen.
Die USA
stecken somit in der Falle. Schulden machen à gogo kommt an seine
Grenzen und ein Aufschwung ist nicht in Sicht. Die Situation in der EU
sieht auch nicht besser aus. Ich bleibe dabei, dass die Wirtschaft
weiter nach Süden läuft, die Deflation noch nicht zu Ende ist und den Aktienmärkten schon bald der Hypertrallala-Schnauf ausgehen wird.
Treasury Yield Curve Steepens to Record as Debt Sales Surge Investor Marc Faber: US-Wirtschaft droht Hyperinflation Inflation sinkt auf null Zinssatz bleibt mehrere Jahre bei null (Trackback)
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Geschrieben von: Wilf , am 28-05-2009 07:38 Wer von Hyperinflation spricht, sollte auch sagen, welche Preise er meint. Nahrungsmittel? Häuser? Kunst? Rohstoffe? Solange mir keiner erklären kann, wie wenigstens ein Teil der Multimilliarden an Hilfsgeldern in meine Geldbörse zum Konsum gelangen wird, glaube ich eher an die Jungfräulichkeit von Maria als an eine Hyperinflation. Geschrieben von: sakura, am 28-05-2009 09:57 faber ist schon lange inflationist. und er hat schon vor jahren in seinem buch die derzeitige entwicklung erkannt - lediglich beim startzeitpunkt des crashs hat er sich um ein jahr verschätzt (2006 statt 2007). inflation sieht er folgerichtig eher in rohstoffen. die bekommen natürlich auch ihr fett ab - ABER: durch minenschliessung, unterfinanzierte explorer, abgesagte förderprojekte wird in wenigen jahren eine echte knappheit entstehen. tja, und essen&heizen müssen wir wohl auch in einer deflation. die deflationisten sollten noch eines bedenken: demokratien mit buch/papier/schuldgeld können nicht lange in einer deflation verharren - die einsparer werden schnell abgewählt - oder: LATERNE. das japan ausnahmeszenario finanziert durch exportboom wird es leider nicht spielen. weil wohin sollen wir denn noch exportieren? zuletzt wird die kreativität der amerikaner masslos unterschätzt. die denken gern mal hemdsärmelig auch outside the box und quantitative easing könnte nur der anfang einer monetarisierung mit ganz neuen spielregeln sein. Geschrieben von: sakura, am 28-05-2009 10:09 ps: hyperinflation wird mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit nicht durch blosse reflationsversuche angestossen werden. geldmenge und wachstum sind schwache zünder. interessanter ist eine spunghaft ansteigende geldumlaufsgeschwindigkeit. soll vorkommen das menschen vertrauen in eine währung verlieren und versuchen in sachwerte zu wechseln. besonders dann wenn sie fällt. schon mal den USDI chart betrachtet? schaut nach wiederaufnahme des abwärtstrends aus. wie lange halten die gläubiger noch still fragt sich da der kleine maxi  Geschrieben von: HRR, am 28-05-2009 10:40 @sakura Ich bin noch Deflationist und nehme mir die Freiheit gegebenenfalls die Meinung zu ändern, wenn sich die Gegebenheiten verändern. Bislang fehlt aber noch der Anlass dazu, dass er aber irgendwann kommen wird, davon gehe ich auch aus. Geschrieben von: Bernhard (aus Frankfurt) , am 28-05-2009 11:06 @HRR: 100% Zustimmung. Solange die Immopreise nach unten zeigen und die Massennachfrage kleiner wird und das Kunstgeld bei der Masse noch nicht ankommt wird der Hyperinflationsturbo noch nicht gezündet. Schöne grafische Darstellungen liefert der vielseits beachtete Wirtschaftsquerschussblog von Steffen Bog als Ergänzung. Hier der Link für die, seinen Blog nicht kennen: http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/. Gruß aus Frankfurt am Main in Absurdistan, B. S. Geschrieben von: Stefan, am 28-05-2009 11:39 Ich bin auch ein Deflationist . Allein schon weil fast meine komplette Bekanntschaft es für ausgemacht hält, dass es Inflation geben wird. Ich finds aber schon bemerkenswert, dass gestern Aktien und Anleihen gefallen sind. Es scheint, als ob Geld aus dem Kreislauf verschwindet. Wenn das so weiter geht, dass der Markt das Vertrauen in die FED/Dollar verliert, dann....das wäre die Katastrophe. Geschrieben von: physiker, am 28-05-2009 12:42 Ich bin wohl diesbezüglich ein Spätmerker ich freue mich nur aber, dass die Seite wieder lebt. - Und ich verstehe -, durfte ja auch nicht sterben, als Gegenstück zur zu inflationistisch geprägten Seite von Frank Meyer. Und nun zum Thema. Abgesehen von einem schockartigen Totalverlust des Vertrauens in die Währung und sprunghaftem Anstieg der Umlaufgeschwindigkeit als Anlass zu Hyperinflation, glaube ich, ist die Entwicklung des Ölpreis wohl das steuernde Moment, solange man dessen Auswirkungen auf das allgemeine Preisniveau als maßgeblich einstuft (Psychischer Knacks als Folge des Öl-Schocks). Man sieht ja klar die Antikorrelation zwischen Öl und Bonds. Kommen wir weg vom Öl, eben durch Innovationen, findet das viele Geld sowohl einen sinnvollen Weg, als auch schwindet der Grund für die Inflationsangst. Bleiben wir im Bann des Öls wird die Infaltions-Deflations-Achterbahn noch eine Weile andauern. Schafft man den Weg weg vom Öl, wird man dann wohl mehr Geld für solche innovativen Produkte ausgeben, aber die Inflation würde sich nicht direkt auf die Grundversorgung stürzen. Dies wäre dann eine gesunde Inflation, die auch mit einem Anstieg des Aktienmarkts einhergeht. Und um so lustiger wäre es, wenn mitten im dicksten Infaltions-Deflations-Gerangel schon jetzt langsam ein Anstieg zumindest der Aktien der Firmen, die sich in diesem innovativen Sektor angesiedelte haben, erfolgen würde. Dann wäre in Voraussicht, dass es wohl wieder ein Unentschieden zwischen Inflation und Deflation gibt, wieder mal der Aktienmarkt der lachende Dritte. Geschrieben von: Zykliker, am 29-05-2009 23:36 der Gegensatz zwischen Deflation und Inflation wird sich auflösen, wenn man der Entwicklung nur genug Zeit läßt, sich zu entfalten. Derzeit, da stimme ich zu, hat uns die Deflation im Würgegriff. Aber: das muß sich ändern aus folgenden Gründen: 1. die Politik wird nicht tatenlos zusehen, wie die Wirtschaftsleistung immer weiter zweistellig p.a. schrumpft. Die Konjunkturprogramme werden - nicht weil sie sinnvoll sind - sondern aus politischer Notwendigkeit heraus heute noch unvorstellbare Ausmaße annehmen. Dabei wird das vernichtete Geld aus den Kredit-/Derivateabschreibungen ersetzt durch öffentliche Schulden. 2.Die Geld-Umlaufgeschwindigkeit, die jetzt auch noch zusätzlich schrumpft, wird irgendwann wieder zunehmen; das ist der Zeitpunkt, an dem die Preise anfangen zu reflationieren. 3. Was Faber vor allem thematisiert, ist der Zeitpunkt in der Zukunft, an dem die Notenbanken eigentlich anfangen müßten, das viele Geld wieder einzufangen. Und genau das werden sie, wiederum aus politischen Gründen nicht tun können, weil eine Arbeitslosenquote von z.B. 15 - 20 % in Deutschland das nicht zuläßt. Wir werden dann die groteske Situation haben, daß vielleicht 20% Verbraucherpreis-Inflation zugelassen werden muß, um die AL-Quote auch nur um 1-2 %-Punkte zu drücken. 4. Der Stand der öffentlichen Schulden wird dann so untragbar hoch sein, daß dieser nur über Inflation entwertet, äh relativiert werden kann. Dies ist das einzige mir vorstellbare Ventil, das ohne so häßliche Vorgänge wie Staatsbankrott oder Währungsreform auskommt. 5. Schon allein die immer stärker unter Druck geratenden Finanzierungsprobleme der Sozialsysteme können nur durch Inflation einigermaßen "elegant" - nicht wirklich gelöst natürlich - aber doch kaschiert werden. 6.Natürlich geht das auf Kosten der Sparer, der Rentner, der Empfänger von Transferleistungen und der meisten abhängig Beschäftigten, ob uns das gefällt oder nicht. Anders könnte es nur sein, wenn von diesen Märkten wirtschaftlicher Druck in die Gegenrichtung ausgehen könnte. Das ist bei hoher Arbeitslosigkeit für die Arbeitnehmer auszuschließen, dementsprechend haben auch die Rentner reale Einkommensverluste zu erwarten. Höchstens die Sparer könnten sich über gestiegene Zinsen freuen, wenn sie nicht gleichzeitig riesige Kursverluste bei den gehaltenen Anleihen zu beklagen hätten. 7. Insgesamt kommt hier ein politisch unfreiwillig gewolltes Gebräu zusammen, das fatal an 1923 in Deutschland erinnert. Vielleicht kann ja die Schweiz hier von einer "Insel der Seligen" aus dem Treiben im Rest der Welt gelassen zusehen, aber z.B. im Rest Europas, vor allem aber in den USA wird das eher wie seinerzeit in Argentinien oder in Rußland nach 1991. 8. Ganz nebenbei: der Goldpreis zeigt uns jetzt schon, wo die Reise früher oder später hingeht. Artikel kommentieren
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