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Greece zero points PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 8. Dezember 2009
Die Ratingagenturen haben kein Musikgehör für die Griechen. Nachdem sich bereits Standard & Poors kritisch zu den Hellenen geäussert hatte, stufte nun Fitch die Staatsschulden auf BBB hinunter. Damit droht eine Geldquelle zu versiegen, welche auch andere Länder angezapft haben, um die Rezession weg zu inflationieren.

Die Zentralbanken dienten in der Krise als Lender of last resort und Griechenland hatte ausgiebig davon Gebrauch gemacht. Ich hatte bereits darüber berichtet:

In einem Brief der griechischen Zentralbank steht laut Bloomberg, dass die griechischen Kreditgeber proportional den grössten Betrag bei der EZB ausgeliehen haben. En detail sind es 42 Milliarden Euro aus dem 570 Milliarden-Topf, welche die EZB in das Finanzsystem gepumpt hat.

Sollte die EZB die Schraube etwas anziehen, dann fliesst am Peloponnes nur noch der griechische Wein.


Geändert hat sich inzwischen erst der Tonfall. EZB-Chef Jean-Claude Trichet zeigte sich besorgt über die griechischen Staatsfinanzen. Jetzt hat Fitch darauf reagiert.

Nachdem Standard & Poor's die Ratingherabstufung des Landes in Aussicht stellte, ließ Fitch Tatsachen folgen - und nahm die Bonitätsnote am Dienstag um eine Stufe von "A-" auf "BBB+" zurück. Die Regierung versuchte sich in Schadensbegrenzung. Sie sei um Haushaltskonsolidierung bemüht und bereit, einen Nachtragsetat vorzulegen, sagte Finanzminister George Papaconstantinou. Die Fitch-Herabstufung sei "mangelndem Vertrauen" geschuldet.
(Quelle )

Das macht die Ausgangslage für die Griechen äusserst schwierig. Für dieses Jahr wird mit einen Budgetdefizit von 12.7 Prozent zum BIP gerechnet, nächstes Jahr sind 9.l Prozent geplant. Durch die Herabstufung steigen jetzt die Zinszahlungen für die Staatsschulden und beschleunigen damit die Verschuldung zusätzlich. Doch das alleine ist noch nicht das Problem. Viel heikler ist es für die Griechen, dass die Tür zur EZB geschlossen werden könnte, wenn die Ratings auf BB sinken sollten. Bereits heute erfüllt Griechenland die Kriterien nicht mehr, die noch bis Herbst 2008 Gültigkeit hatten und wegen der Finanzkrise aufgeweicht wurden.

Kurzum: Griechenland muss den Staatshaushalt zusammen streichen, sonst beginnt ein griechisches Bankendomino, so zumindest die aktuelle Ausgangslage. Experten sehen die Situation allerdings noch nicht so dramatisch und rechnen nicht damit, dass die EU oder die EZB das Risiko eingehen werden, um bei Griechenland ein Exempel zu statuieren.

Völlig frei von jeder Kunst des Kaffeesatz-Lesens kann hingegen eines gesagt werden: Egal in welche Richtung sich Griechenland und andere Länder bewegen werden, für den Euro sind das schlechte Nachrichten.

Was schlecht ist für den Euro, ist relativ gesehen gut für den US$ und dort stehen die Carry-Trades auf dem Spiel. Eine sehr heikle Ausgangslage für die Finanzmärkte, zumal sich diese gerade auf das Ende der Krise eingeschworen haben.

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RSS Kommentare Kommentare (7)

Geschrieben von: kosh, am 08-12-2009 22:13
Krypto-Ökonomie

Derweil Pflichten sorgsam durch die Hintertür mit weiteren Rechten eingetauscht werden, klingt es aus dem dem Mund des Herrn Finanzministers nach Krypto-Ökonomie im Dschungelcamp:

Quote:


... Haushaltskonsolidierung bemüht und bereit, einen Nachtragsetat vorzulegen ...



Der Nachtragsetat vom Nachtragsetat vom Nachtragsetat vom ...
... ich bin ein Star, holt mich hier raus.

Insolvenzverschleppung im Zeitlupentempo, Zeit genug für jeden um sich eine deftige Hornhaut wachsen zu lassen. Welch ein Hochgenuss, mit Zeitenwende sitzen Sie in der ersten Reihe :-)
Sollte ihnen der Schuldenexport verwehrt werden, steht den edlen europäischen Kulturgewächsen der Freie Personenexport offen. Die Schweiz hat noch jede Menge Wälder. Streichhölzer gibt's gleich hinter dem Eingang, bitte jeder nur eine Schachtel.

Die Amis auf Kurs

Grüsse
kosh

Geschrieben von: egghat website, am 08-12-2009 23:21
Ist die entscheidende Grenze für die Hinterlegung nicht zwischen a- und BBB+? Das schreiben zumindest alle anderen.

Geschrieben von: HRR, am 08-12-2009 23:50
@egghat

Wer sind die anderen? Ich habe mich auf FT und auch Analysten bezogen. Danach gilt seit Herbst 2008 BBB und diese Regelung ist noch mindestens bis ins nächste Jahr gültig.

Geschrieben von: die Simpsons, am 09-12-2009 06:33
Code:


Eine sehr heikle Ausgangslage für die Finanzmärkte, zumal sich diese gerade auf das Ende der Krise eingeschworen haben.


Ich mag schwarzen Humor. Dieser Satz sagt eigentlich alles.

Geschrieben von: egghat website, am 09-12-2009 21:49
Du schreibst "wenn die Ratings auf BB sinken sollten." Ich meine aber (ich hab's aber nicht nachgeschaut an der Quelle) dass die Grenze zwischen A- und BBB+ liegt und damit schon überschritten ist (wenn denn Fitch die wichtige Ratingagentur wäre, was sie aber kaum sein dürfte). Deine Formulierung sagt aber, dass die Grenze zwischen BBB- und BB+ ist (also da wo auch Junk beginnt).

Ich glaub dir sofort, dass das so ist, aber ich wollte es wissen.

Geschrieben von: HRR, am 09-12-2009 23:38
@egghat

Laut FTD ist die Grenze nicht überschritten - allerdings sprechen wir hier von einer Ausnahmeregel. Wäre sie schon überschritten worden, dann hätten die Märkte viel heftiger reagiert. Jetzt haben wir nur die Reaktion auf die Angst weiterer Rückstufungen bzw. die Aufhebung der Ausnahme-Regel.

Geschrieben von: egghat website, am 10-12-2009 21:54
Trinkaus (und das sind Renteexperten) schrieb gestern, dass die Grenze überschritten sei. Allerdings würde die Grenze nicht gezogen, weil das gegen das Gelichbehandlungsgebot der Staaten verstoßen würde. Naja. Ist eh unwahrscheinlich, dass die Regel greifen würde. Im Notfall wird sie halt geändert.


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