Das Volk schluchzt, die Tränen fliessen. Der Tod des Diktators
muss die Nordkoreaner völlig unvorbereitet getroffen
haben. Eine solche Massenhysterie kennen wir bei uns nur, wenn die
Börsen crashen. Denn von ihr, so sagen die Experten, hängt
unser Wohlergehen ab, wie dasjenige in Nordkorea von ihrem Diktator.
Doch entgegen allen Prognosen stellen wir Ende Jahr fest, Kim Jong Il
ist tot, der Euro lebt.
Nichts hat 2011 Europa so sehr beschäftigt wie die eigene
Währung. Jedes Zipperlein wurde zur Schlagzeile aufgeblasen, jedem
Fieberschub folgte eine Sondersendung. Die Menschen bibberten vor den
Empfangsgeräten. Ist unsere Zukunft noch sicher? Haben wir
überhaupt eine Zukunft?
Die Analysten sind sich uneinig. Sie verweisen auf die gleichen Fakten
und kommen zu völlig unterschiedlichen Resultaten und nennen es
Wissenschaft. Wir hören ihnen nicht zu, weil sie besonders schlau
wären, sondern weil uns das Geld so wichtig ist. Und jetzt, wo der
Euro schwächelt, bereitet uns das besonders viel Sorge. Wird sich
der Patient erholen oder gehen morgen schon die Lichter aus? Meine
Prognose kennen Sie vermutlich schon: der Euro wird uns noch lange
erhalten bleiben - wohl oder übel. Man muss nur den Schuldnern das
geben, was die Totengräber schon lange loswerden möchten -
Euros!
Meine Zuversicht für die Gemeinschaftswährung hat nichts mit
blinder Diktatorenverehrung zu tun. Ich glaube einfach nicht, dass sich
etwas ändern würde, wenn man einen Diktator durch einen
anderen ersetzt, egal ob er sich nun Euro nennt oder ein anderes Kleid
anzieht. Was uns bei Kim Jong Il offensichtlich ist, vermögen wir
beim Geld kaum zu erkennen - wir lieben es, weil wir abhängig davon
sind. Aerzte nennen so etwas Sucht, Soziologen sprechen von Gier. Das
Problem ist mittlerweile breit akzeptiert. Der Chef der Crédit Suisse
applaudiert der Occupy-Bewegung und Sarah Wagenknecht darf eine Kolumne
in der FAZ schreiben. Noch vor zwei Jahren wäre das völlig undenkbar
gewesen. Die Schattenseiten der Vergötterung des Mammons werden langsam
aber sicher erkannt.
Die
Diktatur des Geldes sorgt selbst bei ihren Hohepriestern für
Kopfzerbrechen. So war das alles nicht geplant. Die Reichen haben
schlaflose Nächte, weil die Schulden, aus denen ihr Reichtum entstanden
ist, sie nun selbst bedroht. Sie sehen sich als Opfer eines Problems,
das sie durch die Anhäufung von Reichtum selbst verursacht haben.
Natürlich darf man von ihnen nicht erwarten, dass sie sich für eine
geregelte Dosierung einsetzen. Wer dem Geld verfallen ist, wird
jede Einschränkung als Ausgeburt des Teufels betrachten, selbst dann,
wenn die Nebenwirkungen ihm den Teppich unter den Füssen weg ziehen.
Mit Junkies ist es schwer zu argumentieren, die Erfahrung mit ihnen,
zeigt aber, wie es weiter gehen kann.
Der
Süchtige agiert auf der Basis von Angst. Drogen dienen ihm dazu, die
Angst zu unterdrücken, weil er damit nicht umgehen kann. Viele
Drogensüchtige wissen nicht, wovor sie Angst haben, sie wissen nur,
dass diese Angst da ist und nur die Droge zu einer kurzfristigen
Entspannung führt. Die Droge beginnt damit ihr Leben zu diktieren. Der
Abhängige unterwirft sich ihr, obwohl er weiss, dass sie ihn
langfristig ruinieren wird. Es bringt also nichts, die Droge zu
dämonisieren, weil sie für den Süchtigen die Lösung ist. Mit dem Geld
verhält es sich nicht anders. Der Wunsch nach den bunten Zetteln liegt
in der Existenzangst begründet. Würden die Menschen alles teilen, gäbe
es für diese Angst keine Berechtigung und wir bräuchten kein Geld.
Das
Geld ist also die Folge von Angst, der andere würde einem in der Not
nicht helfen. Ueberwinden kann man diese Angst nicht, in dem man viel
Geld anhäuft oder den Kapitalismus bekämpft. Ueberwinden kann man diese
Angst nur, in dem man anderen zeigt, dass ihr Schicksal einem genau so
viel bedeutet wie das eigene. Jesus nannte es Nächstenliebe, Buddah
nannte es Mitgefühl. Inzwischen beweisen sogar Studien, dass Zuwendung
heilt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesundes 2012!
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Geschrieben von: Dirk , am 14-01-2012 16:21 Naja, zu einem erheblichen Teil handelt es sich tatsächlich um Gehirnwäsche. Wenn man den ganzen Tag nichts anderes hört, als dass der geliebte Führer sich hingebungsvoll aufopfert und das über Jahrzehnte, dann sind diese Reaktionen zumindest nachvollziehbar. Artikel kommentieren
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