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Geld oder Liebe PDF Drucken E-Mail
Samstag, 31. Dezember 2011
Das Volk schluchzt, die Tränen fliessen. Der Tod des Diktators muss die Nordkoreaner völlig unvorbereitet getroffen haben. Eine solche Massenhysterie kennen wir bei uns nur, wenn die Börsen crashen. Denn von ihr, so sagen die Experten, hängt unser Wohlergehen ab, wie dasjenige in Nordkorea von ihrem Diktator. Doch entgegen allen Prognosen stellen wir Ende Jahr fest, Kim Jong Il ist tot, der Euro lebt.

Nichts hat 2011 Europa so sehr beschäftigt wie die eigene Währung. Jedes Zipperlein wurde zur Schlagzeile aufgeblasen, jedem Fieberschub folgte eine Sondersendung. Die Menschen bibberten vor den Empfangsgeräten. Ist unsere Zukunft noch sicher? Haben wir überhaupt eine Zukunft?

Die Analysten sind sich uneinig. Sie verweisen auf die gleichen Fakten und kommen zu völlig unterschiedlichen Resultaten und nennen es Wissenschaft. Wir hören ihnen nicht zu, weil sie besonders schlau wären, sondern weil uns das Geld so wichtig ist. Und jetzt, wo der Euro schwächelt, bereitet uns das besonders viel Sorge. Wird sich der Patient erholen oder gehen morgen schon die Lichter aus? Meine Prognose kennen Sie vermutlich schon: der Euro wird uns noch lange erhalten bleiben - wohl oder übel. Man muss nur den Schuldnern das geben, was die Totengräber schon lange loswerden möchten - Euros!

Meine Zuversicht für die Gemeinschaftswährung hat nichts mit blinder Diktatorenverehrung zu tun. Ich glaube einfach nicht, dass sich etwas ändern würde, wenn man einen Diktator durch einen anderen ersetzt, egal ob er sich nun Euro nennt oder ein anderes Kleid anzieht. Was uns bei Kim Jong Il offensichtlich ist, vermögen wir beim Geld kaum zu erkennen - wir lieben es, weil wir abhängig davon sind. Aerzte nennen so etwas Sucht, Soziologen sprechen von Gier. Das Problem ist mittlerweile breit akzeptiert. Der Chef der Crédit Suisse applaudiert der Occupy-Bewegung und Sarah Wagenknecht darf eine Kolumne in der FAZ schreiben. Noch vor zwei Jahren wäre das völlig undenkbar gewesen. Die Schattenseiten der Vergötterung des Mammons werden langsam aber sicher erkannt.

Die Diktatur des Geldes sorgt selbst bei ihren Hohepriestern für Kopfzerbrechen. So war das alles nicht geplant. Die Reichen haben schlaflose Nächte, weil die Schulden, aus denen ihr Reichtum entstanden ist, sie nun selbst bedroht. Sie sehen sich als Opfer eines Problems, das sie durch die Anhäufung von Reichtum selbst verursacht haben. Natürlich darf man von ihnen nicht erwarten, dass sie sich für eine geregelte Dosierung einsetzen. Wer dem Geld verfallen ist, wird jede Einschränkung als Ausgeburt des Teufels betrachten, selbst dann, wenn die Nebenwirkungen ihm den Teppich unter den Füssen weg ziehen. Mit Junkies ist es schwer zu argumentieren, die Erfahrung mit ihnen, zeigt aber, wie es weiter gehen kann.

Der Süchtige agiert auf der Basis von Angst. Drogen dienen ihm dazu, die Angst zu unterdrücken, weil er damit nicht umgehen kann. Viele Drogensüchtige wissen nicht, wovor sie Angst haben, sie wissen nur, dass diese Angst da ist und nur die Droge zu einer kurzfristigen Entspannung führt. Die Droge beginnt damit ihr Leben zu diktieren. Der Abhängige unterwirft sich ihr, obwohl er weiss, dass sie ihn langfristig ruinieren wird. Es bringt also nichts, die Droge zu dämonisieren, weil sie für den Süchtigen die Lösung ist. Mit dem Geld verhält es sich nicht anders. Der Wunsch nach den bunten Zetteln liegt in der Existenzangst begründet. Würden die Menschen alles teilen, gäbe es für diese Angst keine Berechtigung und wir bräuchten kein Geld.

Das Geld ist also die Folge von Angst, der andere würde einem in der Not nicht helfen. Ueberwinden kann man diese Angst nicht, in dem man viel Geld anhäuft oder den Kapitalismus bekämpft. Ueberwinden kann man diese Angst nur, in dem man anderen zeigt, dass ihr Schicksal einem genau so viel bedeutet wie das eigene. Jesus nannte es Nächstenliebe, Buddah nannte es Mitgefühl. Inzwischen beweisen sogar Studien, dass Zuwendung heilt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesundes 2012!
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RSS Kommentare Kommentare (1)

Geschrieben von: Dirk website, am 14-01-2012 16:21
Naja, zu einem erheblichen Teil handelt es sich tatsächlich um Gehirnwäsche. Wenn man den ganzen Tag nichts anderes hört, als dass der geliebte Führer sich hingebungsvoll aufopfert und das über Jahrzehnte, dann sind diese Reaktionen zumindest nachvollziehbar.


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