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Gefressen wird immer PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 8. Juli 2008
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Gefressen wird immer
Seite 2
Abwechselnd sind es Spekulanten, die Biokraftstoffindustrie oder Asiaten, die sich erdreisten neu zweimal pro Tag zu essen, welche für steigende Nahrungsmittelpreise verantwortlich gemacht werden. Exceltabellen, Power-Point-Präsentationen und Tarotkarten haben dann jeweils alle zur Hand, wenn es darum geht, ihrer Argumentation Nachdruck zu verleihen. Doch der wichtigste Akteur fehlt noch in dieser Liste, wird aber von niemandem genannt.

Der dramatische Anstieg bei den Preisen von Oel, Getreide, Soja und Weizen innert eines Jahres kann nicht darauf zurück zu führen sein, dass die Asiaten zunehmend mehr essen, wie das die deutsche Bundeskanzlerin vor versammelter Presse erklärte. Es mag sein, dass der Kalorienbedarf zugenommen hat, quasi über Nacht ist dieses Bedürfnis aber garantiert nicht gekommen und scheidet aus der Liste der "Schuldigen" aus.

Ganz anders sieht es bei den Biokraftstoffen aus. Die steuerliche Bevorzugung von Ethanol kam quasi über Nacht und ist bestimmt ursächlich an den Preissteigerungen beteiligt. Dafür hätte es auch keine Geheimstudie der Weltbank gebraucht um zu erkennen, dass wenn die Nachfrage künstlich geschürt wird, das Angebot nicht Schritt halten kann und deshalb die Preise nach oben treibt.

Bleiben noch die Spekulanten. Oh wie böse. Da stellt man sich dann wahlweise zigarrenrauchende, übergewichtige oder schmalbrüstige, brillentragende Milliardäre vor, die nichts anderes im Sinn haben, als ihre Geldbeutel noch weiter aufzublasen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, wenn überhaupt.

Und nun zum nach meiner Meinung nach wichtigsten Akteur in dieser Posse: die Pensionskassen.

Pensionskassen und Fonds haben die Aufgabe das Geld der Investoren zu verwalten und zu vermehren. Deren Verwalter haben aber nicht die Wahl, ob sie investieren wollen oder nicht, sie haben nur die Wahl (natürlich mit Einschränkungen) da zu investieren, wo Risiko und Rendite im bestmöglichen Verhältnis zu einander stehen.

Nun stelle ich mir mal so einen Pensionskassenverwalter vor, der händeringend nach Investitionsmöglichkeiten Ausschau hält. Immobilien in den USA geht nicht, Kreditkarten in den USA geht auch nicht, genau so wenig kann er in Autoleasing-Kredite investieren. Auch die Immobilienmärkte in England, Osteuropa, Spanien sind tabu. Konsumgüterkonzerne angefangen bei Autos über schicke Kaffeeläden, Bekleidungsinstitute bis zu Spielsachen sind pfui, zumal in den USA. Schliesslich künden dunkle Wolken über dem Wirtschaftshimmel eine Rezession an, vermehrt auch in Europa.

Was also soll der Pensionskassenverwalter machen, wenn ihm vergangene Investitions-Möglichkeiten im Stundentakt wegbrechen?
Hat hier gerade jemand Nahrungsmittel gerufen?
Genau! Gefressen wird immer.

Es gibt keine sicherere Anlage als Nahrungsmittel und Sicherheit ist in Zeiten wie wir sie gerade erleben Trumpf. Dazu kommt: Pensionskassen verwalten weltweit schätzungsweise 20'000 Milliarden US$. Da muss nicht viel in die Nahrungsmittel fliessen, um die Preise zum Explodieren zu bringen.

Dass auch die Spekulanten auf dieser Welle mitreiten ist logisch, denn sie machen sich genau die gleichen Ueberlegungen und auch sie sind gezwungen - wenn es sich um Hedge Fonds handelt - Geld zu investieren und dabei die Gewinne zu vermehren. Nicht vergessen werden darf dabei, dass viele Hedge Fonds ihr Geld von Pensionskassen beziehen.



 
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