Die Dresdner Bank, welche von der Commerzbank übernommen wurde, sieht
sich mit einer Klage ihres ehemaligen Kapitalmarktchefs Jens-Peter
Neumann konfrontiert. Neumann verlangt in dieser Klage eine Abfindung
von 1.5 Millionen Euro zusätzlich zu den bereits ausbezahlten 3
Millionen Euro, obwohl seine Abteilung letztes Jahr einen Verlust von
5.7 Milliarden Euro einfuhr.
Jens-Peter Neumann arbeitete seit 2006 bis Januar dieses Jahres für die
Dresdner Bank. Zuvor war er Bereichsvorstand bei der Bayrischen
HypoVereinsbank. Dort musste er gehen, nach dem die Bayern von der
italienischen Unicredit übernommen wurde. Die WELT schrieb in einem
Artikel datiert vom Dezember 2005:
Der Manager war für den
Bereich Märkte bei der HVB zuständig und gilt als sehr
erfolgreich. UniCredit-Chef Profumo wird den Bereich nun filettieren
und die Marktrisiken, die die Bank bislang eingegangen ist, deutlich
herunterfahren sowie wichtige Positionen mit eigenen Leuten aus Italien
besetzen, glauben Beobachter.
Da war kein Platz mehr für
Neumann. Die Unicredit hatte sich damals richtig entschieden, wie wir
heute wissen. Von Verlusten der Unicredit im internationalen
Verbriefungsgeschäft war bislang kaum etwas zu vernehmen.
Anders
sieht es bei der Dresdner Bank aus, die inzwischen Teil der Commerzbank
ist. Mit Milliarden der Steuerzahler muss sie wieder aufgepäppelt
werden.
Der Spiegel im Januar
Es ist der Beginn einer neuen Ära: Der Bund erwirbt
eine Sperrminorität der Commerzbank - und rettet so die Übernahme der
kriselnden Dresdner Bank. Doch der Preis ist hoch. Für Steuerzahler,
Aktionäre und Wettbewerber der Commerzbank sind die Aussichten düster.
Doch das scheint Jens-Peter Neumann nicht zu stören. Er besteht auf den goldenen Fallschirm, der indirekt von den Steuerzahlern finanziert werden muss. Die Anwältin von Neumann, Tanja Karhausen, begründet dies mit der
Aussage, dass es keinen juristischen Zusammenhang gebe zwischen den
Resultaten von 2008 und der nun geforderten 1.5 Mio Euro. Wohl wahr...
Dresdner Bank Is Sued by Former Capital Markets Head
Neumann ist mit seinem Verhalten mehr als nur eine Ausnahme. Doch weshalb? Die New York Times hat dazu einen aufschlussreichen Bericht über das Denken der Wall-Street-Banker in der aktuellen Krise veröffentlicht: The Rage of the Privilieged Class Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 3043
Geschrieben von: decoien , am 21-04-2009 15:27 Ich glaube, dass dieses Verhalten kaum noch zu akzeptieren ist, brauche ich nicht noch einmal zu erwähnen. Die Aufmerksamkeit sollte nun mehr auf die Personen gerichtet werden, die Verträge mit Managern abschließen, die erst ein solches Verhalten möglich machen. Auf übliche Motivationsmechanismen wird anscheinend keine Energie gesteckt. Es hält sich nachhaltig der Mythos: Maximales Gehalt = maximale Leistung durch die fähigsten Leistungsträger. Dies ist falsch. Sogar das Gegenteil wird von dieser Gleichung bewirkt. Sehr hohe Bonusversprechungen führen dazu, dass sich Mitarbeiter und Manager mit hoher Prio auf die Erreichung der Kriterien konzentrieren, die für die Bonuszahlungen erforderlich sind. Aus Komplexitätsgründen gibt es aber in der betrieblichen Praxis keine Symmetrie zwischen den "wirklichen" Unternehmenszielen und den Kriterien der Zielvereinbarungen. Ein mittelständischer Unternehmer oder viele "klassische" Manager kennen diesen Unterschied, der letztlich dazu führt, dass sich Manager nicht mehr in erste Priorität für das Unternehmen sondern für die Bonuskriterien einsetzen. Ich fürchte allerdings, dass selbst noch so ausgezeichnete gesetzliche Rahmenbedingungen für Gehälter und Bonuszahlungen dies nicht ändern können, wenn eine Manager nicht etwas verinnerlicht, was man früher als Verantwortung bezeichnet hat. Und zwar als Verantwortung für das Unternehmen und seine Stakeholder und nicht in erster Linie für sich selbst. Artikel kommentieren
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