Goldman Sachs möchte ihre milliardenschweren Staatshilfen so schnell
als möglich zurückzahlen und der Deutsche Bank Chef Josef Ackermann
hält eine Rückkehr in die Gewinnzone für möglich. Woher kommen diese
optimistischen Aussichten in einer Zeit, in der sich die Krise bei den
Kreditnehmern erst richtig beschleunigt? Ein Blick hinter die Kulissen.
Die Immobilienpreise tauchen weiter und die Krise kommt langsam aber
sicher bei der Realwirtschaft an. Beides Zutaten, die dafür sprechen,
dass den Banken noch grosse Verluste bevorstehen. Bei diesem
Hintergrund hören sich die vorsichtig optimistischen Aussichten mancher
Geldhäuser ziemlich verwegen an. Doch sie sind auf stabilem Grund
gebaut, auch wenn sie nichts mit dem Bankgewerbe zu tun haben. Die
Spuren führen zu AIG und FASB
Der amerikanische Steuerzahler
musste das Versicherungsunternehmen AIG, welches der grösste Player im
Markt von Kreditabsicherungen war, bereits mit 180 Milliarden US$ unter
die Arme greifen. Doch AIG fungierte nur als Durchlauferhitzer. Die
Empfänger der Steuergelder wurden kürzlich bekannt.
Zu den
größten Nutznießern der AIG-Zahlungen gehört die ehemalige
Investmentbank Goldman Sachs, die insgesamt 12,9 Milliarden Dollar
erhielt. Gleich dahinter folgt die französische Société Générale mit
11,9 Milliarden, die Deutsche Bank liegt mit 11,8 Milliarden erhaltener
Zahlungen auf Platz drei.
Diese Zahlen beziehen sich noch auf
das vergangene Jahr und es erklärt auch, weshalb Goldman Sachs und die
Deutsche Bank verhältnismässig glimpflich davon gekommen sind. Nicht
erklärbar ist hingegen, weshalb die USA die AIG gerettet haben, statt
direkt betroffene Firmen zu unterstützen. Auf diesem Weg hätten sie
sich sämtliche Steuergelder sparen können, welche ausserhalb des Landes
flossen, namentlich die Société Générale und die Deutsche Bank.
Eine
Erklärung, welche unter vorgehaltener Hand immer wieder feilgeboten
wird, ist die Herkunft des ehemaligen Finanzministers Hank Paulson, der
die Rettung der AIG veranlasste. Er war bis 2006 CEO bei Goldman Sachs.
Goldman Sachs ist nun über den Weg der Rettung von AIG an
Steuermilliarden gekommen, ohne dass diese als Steuermilliarden
deklariert sind. Ein genialer Schachzug aus Sicht von GS, ein
katastrophaler Schachzug aus Sicht des amerikanischen Steuerzahlers.
Doch
es gibt mittlerweise noch mehr Grund für die Banken optimistisch zu
sein. Die amerikanische Buchhaltungsbehörde FASB, welche von der SEC
kontrolliert wird, möchte die Bewertungsregeln zugunsten der Banken
ändern. Mitte März kündigte das Financial Accounting Standard Board
eine Aufweichung der Direktiven an. Nicht ganz zufällig schossen darauf
die Bankaktien in die Höhe. Laut einem Bericht von Bloomberg geschah
dies aufgrund massiver Lobbytätigkeit der Wall Street.
Vier Tage
nachdem Politiker dem Chairman des FASB Robert Herz androhten, ihm die
Macht über das Regelwerk zu entziehen, schlug das FASB eine
Ueberarbeitung der Bewertungsregeln vor, welche die Gewinne der Banken
wie der Citigroup um 20 Prozent steigern sollten.
Der
Etikettenschwindel soll definitiv am 2. April beschlossen werden.
Empfohlen wird er auch von SEC Chairman Mary Schapiro, welche den
Finanzinstituten mehr Freiraum eingestehen möchte, damit keine grossen
Abschreibungen mehr nötig werden. Der Bankindex ist im März um 21
Prozent gestiegen.
"Der Druck auf die Behörde sei unglaublich
gross gewesen", sagte ein unabhängiger Steuerberater und Conrad Hewitt,
ein ehemaliger Mitarbeiter der SEC gestand, dass Vertreter der American
International Group, Fannie Mae und Freddie Mac während den letzten
zwei Jahren ständig lobbyierten, um die Bewertungsrichtlinien
aufzuweichen. Jedes Mal, wenn sie dem Druck stand gehalten hatten,
marschierten die Lobbyisten zum Kongress und dann ging es wieder von
vorne los.
Unabhängige Behörden stellt man sich wahrlich
anders vor. Je mehr diese Machenschaften bekannt werden, desto mehr
wird klar, dass die Blindheit gegenüber der Finanzkrise der
Lobbyistentätigkeit geschuldet war. Dass sich das mit neuen Behörden
ändern wird, deren Gründung am G20 beschlossen werden könnte, mag nur
grenzenlose Optimisten und naive Politiker zu überzeugen.
So ganz nebenbei sei noch bemerkt, dass durch die neuen Buchhaltungsregeln der Geithner-Plan obsolet wird. Weshalb sollte eine Bank ihre toxischen Papiere verkaufen, wenn sie sie nach Gutdünken höher bewerten kann?
US-Finanzinstitute können auf mehr Bilanzierungs-Freiraum hoffen AIG-Milliarden an die Deutsche Bank: Nur eine Anzahlung? Mark-to-Market Lobby Buoys Bank Profits 20% as FASB May Say Yes
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Geschrieben von: egghat , am 30-03-2009 20:53 Dieses "hätten sich das Geld sparen können, das ins Ausland geflossen ist" verstehe ich nicht. Wenn "wir" die HRE retten, retten wir damit auch die Bondholder im Ausland. Wenn "wir" den Einlagensicherungsfonds retten, weil die "Amis" Lehman nicht gerettet haben, reissen wir ausländische Kontenbesitzer raus; sogar welche, die extra das Geld von Lehman im Ausland nach Lehman in Deutschland geholt haben. Wenn "wir" eine Abwrackprämie machen, geht die Hälfte des Geldes auch nach Frankreich und Japan. Das lässt sich nicht vermeiden. Geschrieben von: HRR, am 30-03-2009 21:08 Die Milliarden wurden für den kleinen Laden in London aufgewendet und nicht für die Versicherung in den USA. Wäre es nicht - im Sinne der amerikanischen Steuerzahler - logischer gewesen, die AIG London abzutrennen und deren Rückabwicklungskosten auf die betroffenen Staaten oder Banken zu überwälzen? Mir kommt das alles gar nicht amerikanisch vor. Geschrieben von: egghat , am 30-03-2009 21:22 Ist jetzt reine Spekulation ... Aber abtrennen geht mglw. einfach nicht (bzw. nutz nichts), weil die Haftung eh bei der Mutter bleibt. Vielleicht spielen auch ähnliche Gründe eine Rolle, die den Staat daran hindern, mehr als 80% an der AIG zu kaufen. Dass das Vorgehen irgendwie unamerikanisch ist, sehe ich ähnlich. Aber wer hätte vor 2 Jahren eine Verstaatlichung von Fannie Mae und Freddie Mac erwartet?!? 300 Milliarden Garantien für die Citigroup. Ankauf von Staatsanleihen durch die Fed. Geschrieben von: kosh, am 31-03-2009 19:04 Quote:
Goldman Sachs ist nun über den Weg der Rettung von AIG an Steuermilliarden gekommen, ohne dass diese als Steuermilliarden deklariert sind. Ein genialer Schachzug aus Sicht von GS, ein katastrophaler Schachzug aus Sicht des amerikanischen Steuerzahlers. So wäscht man Steuergelder Grüsse koshGeschrieben von: Joerg , am 01-04-2009 13:45 Es hat eigentlich weniger mit waschen von Steuergeldern zu tun. Die besagten Firmen haben ja nicht einfach aus freien Stücken von AIG Geld erhalten, sondern weil sie sich ihre Risiken bei AIG abgesichert haben und dafür die geforderten Prämien gezahlt haben. Dazu kommt, dass wohl viele der gezahlten Ausfallprämien direkt auf das Konto der Lehman Pleite gehen. Es ist natürlich klar das hier AIG diese Versicherungen nie hätte anbieten dürfen und wenn nur unter deutlich höheren Risikoprämieren. Aber dieser Fehler ist eindeutig bei AIG passiert und nicht bei denjenigen Banken die sich bei AIG gegen Kreditausfälle versichert haben. Ohne die Rettung von AIG hätte der Staat wirklich in jeder Bank einsteigen müssen. Geschrieben von: kosh, am 02-04-2009 08:03 Ich habe durchaus Verständnis für das Bedürfnis für eine ökonomische Erklärung. Politisch gesehen wurden Steuergelder gewaschen, weil offiziell zwar siechende, aber de facto bankrotte Banken via AIG vor dem Bankrott bewahrt werden. Wie sehr sich die politische Schaumschlägerei heute auf AIG konzentriert, kannst Du in der Zeitung nachlesen. AIG hier, AIG dort, phöse Manager, unverdiente Boni, gefälligst zurückzahlen etc. etc., über GS lese ich kaum negative Schlagzeilen. Quote:
Es ist natürlich klar das hier AIG diese Versicherungen nie hätte anbieten dürfen und wenn nur unter deutlich höheren Risikoprämieren. Unsere Total-Versicherungsmentalität hat dazu geführt zu glauben, dass alles zu jeder Zeit für immer versicherbar ist. Ist es aber nicht. Wenn ich mich recht erinnere, sind in der Vergangenheit immer wieder Versicherungen - auch Rückversicherungen, auch grosse - pleite gegangen, weil sie sich verkalkuliert haben. Das war ein natürlicher Ausleseprozess, der dazu geführt hat, dass die Branche professioneller wirtschaften musste, auf dem Freien Markt. Nun aber wurde der Freie Markt in ein noch engeres Korsett gezwängt und steht bildlich gesprochen ziemlich neben den Schuhen. Die Auslese ist abgesagt und zwar rein politisch motiviert, genauer, noch politischer als zuvor. Die ökonomische Erklärung taugt in meinen Augen nicht mehr, die politischen Fehlentwicklungen zu entschuldigen, aber sie taugt blendend, die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die weiter aufgehende Schere der Freien Marktwirtschaft herauszuschälen. Quote:
Aber dieser Fehler ist eindeutig bei AIG passiert und nicht bei denjenigen Banken die sich bei AIG gegen Kreditausfälle versichert haben. Einverstanden, der Fehler zu tiefe Risikoprämien verlangt zu haben liegt eindeutig bei der AIG. Aber jeder Vertrag besteht aus 2 Seiten der gleichen Medaille. Der Fehler nämlich, sich einzubilden, man bekomme für ein Pausenbrot eine Versicherung für ein Papier für ein Paket aus rosaroten Schrottkrediten, dieser Fehler liegt wiederum eindeutig bei den Banken. Wer z.B. glaubt, er bekomme für eine Hand voll Yuan eine echte Rolex in irgendeinem exotischen Nest, der wird auch nicht vom Staat für die illegale Einfuhr von Plagiaten entschädigt. Ziemlich zweischneidig sieht die Situation an der Aktionärsfront aus, weil ein weiteres Paket an Aktionärsverantwortung abgeschoben wurde. Ökonomische Überlegungen werden bei "too big to fail"-Lotterbuden zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Zu Gunsten von politischem Kalkül, darüber hinaus winken dort riesige Gewinnspannen. Wer sich darauf verlässt, dass die Politik den Börsenwert eines Unternehmens manipuliert (!!!), kann ohne grosses Risiko auf Kosten der Steuerzahler den Reibach machen. Abgesehen davon, dass ich persönlich es unethisch finde, es ist in krassester Weise unökonomisch. Die Ursache des Kettenbriefs liegt ja nicht bei der AIG, sie bildet im Gegenteil eines der Schlusslicher, die Ursache liegt im System selber. Oder, wenn wir dieses System nicht zur Diskussion stellen wollen weil wir nichts besseres haben, dann liegt die Ursache bei der schlechten Qualität der Subprimes. Statt Ursachen- betreiben wir aber Symptombekämpfung am ganz anderen Ende der Kette. Die Entscheidung, welche Symptome wir bekämpfen wollen, wo genau angesetzt werden soll, kann also nur politisch motiviert sein, weil ökonomisch betrachtet alle Regeln der Kunst ignoriert werden. Wie sehr auf der politischen Ebene verschleiert wird, erkennst Du übrigens auch in der unseligen Bankgeheimnis- und Steueroasendebatte. Leider habe ich den TA-Artikel vom 10.3.2009 auf S. 9 nicht online gefunden, dafür ein Interview mit der Ex-US-Botschafterin: aus http://www.hossli.com/articles/2009/03/09/die-usa-negieren-a bkommen/ Quote:
Botschafterin Whittlesey, warum ist aus einem Rechtsfall der UBS ein wüster Streit zwischen der Schweiz und den USA entstanden? Faith Whittlesey: Das US-Finanzministerium und das Justizministerium haben unilateral entschieden, zwei bilaterale Abkommen mit der Schweiz zu negieren. In solchen Statements erkennst Du die rein politische Motivation. Das Interview ist übrigens auch sonst recht aufschlussreich, aber darum geht es mir nicht. Im TA formuliert sie präziser: Quote:
... die US-Regierung, die sich - via Justizministerium und Steueramt - einfach über zwei bilaterale Verträge, die sie unterzeichnet hat, hinweggesetzt hat. Es geht also wiederum um Verträge, die plötzlich nichtig sind, wie im Fall AIG. Die USA brechen Verträge und schieben die Schuld wie immer auf andere. Das ist pure Politik. Man glaubt politisch, eine Freie Marktwirtschaft könne es sich auf Dauer ökonomisch leisten, Verträge ohne Rücksprache einfach zu streichen, wann es einem passt. Man glaubt zudem, schlicht irgendwen zur Kasse bitten zu können, im Fall der AIG die Steuerzahler in den USA, im Fall des Bankgeheimnisses die Schweiz und damit letztlich auch hier die Steuerzahler. Alles rein politisch motiviert, weil die Freie Marktwirtschaft zwar richtig funktioniert hat, aber seine ökonomischen Resultate - verursacht durch versagende Ökonomen - von diesen Versagern selbst nicht akzeptiert werden, weshalb diese auch die nötigen Konsequenzen nicht ziehen und das nächste Register ziehen, sie sitzen dank Intensiv-Lobbying mit in den politischen Schaltzentralen und bestimmen über ihr eigenes Schicksal. Und genau deshalb bekämpfen wir statt Ursache eben Symptome, politisch, nicht ökonomisch. Und genau deshalb betrachte ich @HRRs Beschreibung der Vorgänge als Waschen von Steuergeldern, weil der Fluss der Steuergelder politisch bewusst so angelegt wurde, dass die Geschäftsbanken davon einen geringen politischen Schaden davontragen (Schadensbegrenzung im Bewusstsein der Steuerzahler). Die US-Regierung ist weniger bekannt dafür, dass Ex-AIG-Manager einsitzen, sondern Leute von GS, deren Loyalität kaum für AIG schwingt. Grüsse kosh Artikel kommentieren
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