Experten haben auf alles eine Antwort, sonst wären sie keine. Und die
Antwort auf die Frage, weshalb die Aktienkurse weiter steigen sollen,
heisst angesichts schwer in den Seilen hängender Fundamentaldaten:
Liquidität! Ein Argument, das inzwischen auch Marc Faber aufgreift. Das
Dumme daran ist nur, Liquidität war schon das Argument, welches 2007
immer wieder gebraucht wurde, um weiter steigende Börsen zu begründen.
Marc Faber ist optimistisch. ... die Börsen könnten zwar kurzfristig bis
10 Prozent korrigieren, aber wegen der hohen Liquidität herrsche ein
Investitionszwang, was für einen weiteren Anstieg der Börsen spreche.
Unter
Liquidität verstehen Börsianer Geld, welches in Händen derer liegt, die
es mangels anderer Verwendungsmöglichkeiten investieren müssen. Dazu
gehören Pensionskassen, Fonds & Co. Ihr Geld wurde zu einem nicht
unwesentlichen Teil durch die Regierungen und Zentralbanken gerettet
und ist deshalb weiterhin auf der Jagd nach Rendite. Je länger die
Finanzmärkte nun steigen, desto grösser wird die Meute, welche dem
schnellen Geld hinterher jagt. Auch Kleinanleger tauchen inzwischen
wieder im Haifisch-Becken auf, in der Hoffnung vergangenen Verluste
wieder wettzumachen. Dieses Mal gelingt es ganz sicher ... eine alte
Zocker-Weisheit.
Das geht solange gut, solange die Herde der
Investoren wächst. Fundamentaldaten sind kurz- und mittelfristig nicht
entscheidend. Das kennen wir zur Genüge aus der Vergangenheit. So
dauerte es 1-2 Jahre nach dem Peak des amerikanischen
Immobilienmarktes, bis die Finanzmärkte darauf reagierten. Dafür dann
um so heftiger. Die Situation hat auch jetzt etwas Irreales, doch das
kann dauern. Wie irreal es ist, zeigt das Liquiditäts-Argument, denn
für die Liquidität sorgen die steigenden Märkte. Die zwei bedingen sich
gegenseitig. Es ist somit Unsinn, das eine mit dem anderen begründen zu
wollen. Aber seis drum, Experten können nicht anders, sonst wären sie
ja keine. David Rosenberg: The fundamentals take a back seat because there is so much liquidity to be put
to work, and it all must go into equities. This reminds us of all the liquidity
talk during the bubble peak of late 2007. The reality is that the mountain of
money is no higher or lower than it was when the market was plumbing the depths
through 2008 — money market mutual funds back then was $3.5 trillion and guess
what? Today it is $3.5 trillion. Go figure.
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Geschrieben von: Michael, am 11-09-2009 17:29 Ja, diesen Anlagenotstand (Überliquidität) kann man sich gerade bei Pensionsfonds ob der hochgejubelten Unternehmensanleihen, der massenhaft emittierten Staatsanleihen und "spottbilliger" Aktien ohne dahinter liegende Fundamentalien so richtig bildlich vorstellen. Vielleicht ist es doch eher die Supersoftware der Goldmänner in deutscher Hand ? Oder vielmehr der "starke" Dollar ? Auch der sieht nicht nur etwas zu "stark" aus, so, wie Gold gerade ein "Schnäppchen" ist.  Geschrieben von: HRR, am 11-09-2009 17:40 Am Grössten ist der Anlagenotstand bei jenen Investoren, die zur Renditesteigerung Kredite auf ihre Investitionen vornehmen, um noch mehr zu kaufen und deshalb noch mehr vom Aufwärtstrend zu profitieren: Leverage! Deshalb gilt: die Liquidität steigt automatisch mit steigenden Kursen. Ein Trend wird dadurch noch verstärkt. Das gilt natürlich auf für das Gegenteil, wie wir wissen. Dagegen wird bis heute nichts getan, obwohl wir die ungesunden Folgen inzwischen zur Genüge kennen. Geschrieben von: Michael, am 11-09-2009 19:02 Ja, ein lupenrein klarer Aufwärtstrend in einer eindeutigen Deflation. US - "Inflation" dieses Jahr bei - 0,7 %, Japan - 1,0 % (Eurostat), da quillt dann den Teilnehmern die Liquidität aus den Ohren, wie oben geschrieben, bei steigenden Kursen und gehebelt. Die Bären sind gestorben worden. Ich bin auf jeden Fall ganz schön baff. Aber man lernt nie aus. Das ist ja das Schöne an dieser Theatervorstellung. Artikel kommentieren
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