Lange hat es gedauert, sehr lange und bei den meisten ist der Prozess
immer noch in vollem Gange. Doch bei den ersten machen sich langsam
Erleuchtungstendenzen bemerkbar. Nach dem Focus hat nun auch die FTD
und das Handelsblatt dem Kuriosum Bankbilanz etwas mehr Aufmerksamkeit
geschenkt und stellt überrascht fest: Irgend etwas stimmt da nicht. Na,
aber hallo...
Seit Monaten, nein Jahren schreib ich mir die Finger wund, dass bei den
Bankbilanzen nichts so ist, wie es ausschaut. Die einzige Frage, die
sich mir noch stellte: Werden sie mich irgendwann wegen
Unzurechnungsfähigkeit einsperren oder komme ich dieser Massnahme
zuvor, weil es auch bei anderen Berichterstattern dämmert. Und
tatsächlich, es dämmert...
Die Financial Times: Pro-forma redet
die Deutsche Bank mal eben mehr als die Hälfte ihrer Bilanzsumme klein.
Aber warum existiert die dann überhaupt?
Tja, gute Frage, für die es keine vernünftigen Antworten gibt, das stellt jetzt auch die FTD fest:
Die
Quartalsergebnisse der Deutschen Bank machen einen vor lauter
Reklassifizierungsbonbons, Wertberichtigungen sowie Risiken aus
Kreditversicherungen, Gewerbeimmobilien, Übernahmefinanzierungen und
suspekten Aktiva völlig meschugge. Ist aber auch egal. Denn solange
eine Bank mit einer Bilanzsumme von 2103 Mrd. Euro risikogewichtete
Aktiva zum Glossar... von bloß 316 Mrd. Euro zählt, sind derlei Details
bei einem Eigenkapital von 33,7 Mrd. Euro zweitrangig, zumal diesem
noch Firmen- und sonstige immaterielle Vermögenswerte von 10,4 Mrd.
Euro gegenüberstehen.
Dennoch hat sich die Bilanzrelation der
Bank nach eigenem Bekunden auf den angestrebten Wert verbessert, weil
das Verhältnis von Aktiva zu Eigenkapital angeblich auf 25 gesunken
ist. Wie geht das, entspricht 2103 geteilt durch 33,7 doch 62? Nun, vor
allem hat die Bank ihrer Zieldefinition gemäß mal locker 1121 Mrd. Euro
von der ausgewiesenen Bilanzsumme abgezogen. Schön, dass es
jetzt in der Presse angekommen ist. Manche Leser des Zeitenwende-Blogs,
denen Bankbilanzen so fremd sind wie der Nachbar in einer
Hochhaussiedlung, hatten vermutlich in der Vergangenheit schon öfters
Fragezeichen über den Gesundheitszustand des Autors. Jetzt kommt aber
der Beweis, dass die Presse den Tatsachen jahrelang hinterher hinkte.
Etwas spät, aber immerhin...ich will jetzt nicht undankbar sein. Um so
mehr, als auch noch das Handelsblatt Futter liefert:
Wie
glaubwürdig sind die jüngsten Bilanzerfolge der internationalen
Großbanken? Schummeln und Tricksen hat Hochkonjunktur - solange es
legal bleibt, versteht sich. Besonders kurios sind Milliardengewinne,
die manche Institute daraus schöpfen, dass ihre eigene Kreditwürdigkeit
sinkt.
Die Details erspare ich mir. Wer mehr wissen möchte, den führe ich gern zur Quelle:
Handelsblatt: Minus + Minus = Plus FTD: 1121 Mrd. Euro und nichts dahinter
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Geschrieben von: kuchentester , am 29-04-2009 15:46 Ist das ein Umschwenken in letzter Minute der Journalisten und Verlegen, bevor das Kartenhaus zusammenfällt? Sind das Absetzbewegungen, damit man nicht mit den Folgen des Zusammenbruchs eines Systems in Verbindung gebracht wird, das man selbst jahrelang, tja wie soll ich es sagen, unterstützt/gedeckt hat. Versucht man so der angesammelten Wut, die sich im Verlauf der Krise zu entladen droht, zu entgehen? Geschrieben von: HRR, am 29-04-2009 18:15 Vielleicht wachen sie auch gerade erst auf. Egal, aufwachen ist schlecht fürs Geschäft und fördert deshalb die Scheuklappen. Geschrieben von: Mindtrap, am 29-04-2009 18:34 Das die Journaille komplett dämlich wäre, kann man nicht sagen. Bspw. bei der FTD liefert Kucas Zeise schon immer gute Artikel ab, gefolgt von Lichtblicken des Chefökonoms und Münchaus. Ich denke mal eher, momentan riskieren sie nichts mehr, wenn sie einem Teil der Wahrheit näher kommen, da das Kratzen am Lack opportun wird... So schön wie das ist, so deprimierend ist das für eine Wertung der schreibenden Zunft bei den Holzmedien. Sie werden ewig der Wahrheit hinterher hinken, so wie so jetzt aufgestellt sind.  Artikel kommentieren
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