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Enthüllungen eines Risk-Managers PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 12. August 2008
Ein Insider erklärt im Economist, weshalb es so schwierig ist Börsenhändler von leichtsinnigen Transaktionen abzubringen. Eine lohnenswerte Lektüre für alle Outsider, die sich der Interessenskonflikte innerhalb des Investment-Bankings nicht bewusst sind.

Der von mir stark gekürzte Bericht beginnt im Januar 2007 als der anonym bleibende Risk-Manager sein Team für ein Off-Site Meeting zusammen trommelte.

Sie seien bezahlt dafür über die Risiken nachzudenken, aber es war schwierig zu sehen woher Probleme kommen sollten. Während vier Jahren waren die credit spreads gesunken, die Zinsen tief, Zahlungsversäumnisse so gut wie gar nicht vorhanden und die Volatilität auf einem historisch tiefem Niveau. Es war eine Situation, wie sie seit 20 Jahren nicht mehr vorgekommen war.

Die Möglichkeit, dass die Liquidität versiegen könnte, gehörte weit oben auf unsere Prioritätenliste, aber was wir sehen konnten, war das Gegenteil. Liquidität strömte von allen Seiten in die Märkte und nicht aus ihnen hinaus. Institutionelle Investoren, Hedge Fonds, Private-Equity Firmen und Staatsfonds waren alle auf der Suche nach Investitionen an der Börse.

Soweit also nichts Neues. Die Zahlen der Risikomodelle zeigten ein mildes Klima an. Ganz anders zu diesem Zeitpunkt lauteten die Meldungen der Presse. Dass der Immobilienboom immer groteskere Formen annahm, konnte jeder sehen, der Augen hatte. Hier nochmals zur Veranschaulichung. Zeitenwende.ch hatte laufend darüber berichtet. Nur in den Risikomodellen zeigte sich der Umschwung noch nicht an.

Die Wachstumsraten der strukturierten Produkte insbesondere Anleihen war über all diese Jahre explosiv und gewinnträchtig. Wir setzten Portfolio Limiten für jede Rating-Kategorie fest, liessen aber abgesehen davon die Tradingdesks gewähren. Dabei machten wir zwei Annahmen, welche uns teuer zu stehen kamen. Erstens gingen wir davon aus, dass Preisveränderungen bei mark-to-market Positionen im Handelsbuch sofort Aufmerksamkeit erregen würden, da sie auf einer täglichen Basis berechnet wurden. Zweitens nahmen wir an, dass wenn der Markt Schwierigkeiten machen würde, wir schnell unsere Modelle anpassen könnten und speziell die Wertschriften mit Top-Ratings AAA und AA liquidieren könnten. Unsere Hauptaufmerksamkeit hingegen verwendeten wir auf schlechtere Qualitäten.

Wir vertrauten auch auf die Ratingagenturen. Es mag heute schwierig sein sich dies vorzustellen, aber der Ruf der Ratingagenturen war so gut, dass jeder interne Analyst, der es wagte diese Ratings anzuzweifeln mit sehr mühsamen Fragen konfrontiert wurde. Es wurde einfach angenommen, dass die Ratingagenturen es am besten wüssten.

Wir machten uns deshalb keine Sorgen um die Top-gerateten Anleihen und hatten Mühe mit dem ständig steigenden Volumen auf der Höhe zu sein. Zusätzlich benötigten wir nur wenig Eigenmittel um AAA-Anleihen zu finanzieren. Der Druck auf das Risk-Management Transaktionen durchzuwinken war immens. Psychologie spielte eine wichtige Rolle. In den Augen der Börsenhändler verdienten wir kein Geld für die Bank. Noch schlimmer, wir hatten die Macht nein zu sagen und konnten Geschäfte verhindern. Sie liebten uns dafür nicht. Ich hatte oft Anrufe von meinem eigenen Chef, der mich warnte, dass ein Chef-Händler auf dem Weg zu mir sei um sich über eine abgesagte Transaktion zu beschweren. Meistens nahmen die Leute von der Front ein Nein nicht als Antwort entgegen, wenn die Profite die daraus resultierten zu gross waren.

Den Rest der Geschichte kann man sich mit etwas Phantasie selber ausdenken oder hier nachlesen: Confessions of a risk manager

Besser kann man die Psychologie nicht erklären, die zum Wegschauen auf allen Stufen führte. Die Händler mussten die Budgets erfüllen, die Jahr für Jahr nach oben geschraubt wurden. Zusätzlich winkten noch Boni und Beförderungen. Die Analysten wurden, wenn sie sich nicht geschäftsfördernd verhalten haben, nicht gerade mit Sympathiekundgebungen überschüttet und die Risk-Manager an der Basis waren meist auch noch schlechter bezahlt. Im Artikel des Economist heisst es deshalb auch, dass es oft vorgekommen sei, dass Risk-Manager auf die Tradingseite gewechselt haben aber nie umgekehrt.

Die Risiko-Manager an der Basis waren mitunter das einzige, was in der Boomphase unterbewertet warWink

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RSS Kommentare Kommentare (1)

Geschrieben von: IT Blog website, am 13-08-2008 09:49
Nicht nur für Outsider, vielmehr auch interessant für Insider ... Ein sehr aufschlussreicher Beitrag, wie ich meine.

Gruß Holger


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