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Ein unzurechnungsfähiger Laptop-Dieb |
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Freitag, 4. November 2011 |
Martin Eglis Ferienstimmung verflog schlagartig als er sein in Bilbao
parkiertes Wohnmobil aufgebrochen und ausgeraubt vorfand. Zwei
Kreditkarten und zwei Laptops waren ihm abhanden gekommen. Der Zürcher
erstattete sofort Anzeige. Ohne Erfolg. Nun zog er ein As aus dem
Aermel, mit dem die Diebe nicht gerechnet hatten. Beim Kauf der Geräte
hatte Egli ein Programm installiert, mit dem er weiterhin Zugriff auf
das Laptop hatte, sobald es ans Internet angeschlossen wurde. Wochen
später konnte er die Diebe über eine IP-Adresse in Bilbao lokalisieren.
«Ich konnte dann auf meinen Computer zugreifen, unbemerkt die
Laptop-Kamera einschalten, die Nutzer filmen und Screenshots vom
Bildschirm machen», sagt Egli.
Auf seiner Internetseite fordert Egli nun die Diebe dazu auf, die Beute
zurück zu geben. "Der Countown läuft. Ohne Meldung über das Gästebuch
seht ihr euch bald auf Youtube", steht dort auf spanisch. Egli weiss,
dass die Diebe über das Ultimatum Bescheid wissen. Sie besuchten seine
Website - mit seinem Computer.
Egli begibt sich mit seiner
Aktion auf juristisches Glatteis. Selbstjustiz ist strafbar, Nötigung
ein Delikt. Ganz anders sieht es für die Täter aus. Die Frau konsumiert
gerne Hip-Hop-Videos, der Mann Pornoseiten - mehrere Stunden pro Tag.
Gerade dieser Umstand dürfte dem Dieb aber zu Hilfe kommen, denn
Suchtverhalten wirkt sich strafmildernd aus. Im Strafgesetzbuch heisst
es, schuldig gesprochen werden kann nur derjenige, der zurechnungsfähig
ist. Doch die Zurechnungsfähigkeit ist bei einem Süchtigen per
Definition schon eingeschränkt. Wenn der Dieb also auf Sexsucht
plädiert, dann wird es schwierig ihn zu bestrafen.
Mit einer
ähnlichen Begründung könnte auch Egli einer Strafverfolgung wegen
Selbstjustiz entgehen. Er müsste nur glaubhaft erklären können, dass er
süchtig nach seinem Eigentum ist, denn weshalb sonst würde er sich so
viel Arbeit machen, um den Laptop wieder zurück zu bekommen? Ob er bei
Richtern mit einem solchen Ansinnen Gehör finden wird, ist hingegen
zweifelhaft. Denn der Wunsch nach Eigentum gilt nicht als Sucht,
sondern als erstrebenswertes Ziel.
Der Vollständigkeitt halber
sei noch erwähnt: das Diebespaar hat sich bis heute nicht gemeldet. Das
Interesse der spanischen Polizei wurde durch die Aktion aber geweckt.
Schweizer droht Laptop-Dieb mit Pranger
PS: Schuld - und nicht etwa Schulden - ist das Hauptthema meines Buches, das demnächst erscheinen wird. Wie nahe Schuld und Schulden zusammen liegen, lässt sich unschwer bei der griechischen Tragödie erkennen.
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Geschrieben von: Karlheinz , am 07-11-2011 07:52 Zunehmend ist "Selbstjustiz" der einzige Weg zur Gerechtigkeit. Die Morde an Kennedy, Barschel und Buback beispielsweise wurden durch Private hinterfragt, die Staatsanwaltschaft hätte sie nicht weiter verfolgt. Polizei und Justiz sind hauptsächlich mit der Verfolgung von Straßenverkehrsdelikten befasst, sie stehen längst nicht mehr auf der Seite der 99%, sondern nehmen nur noch die Interessen der 1% wahr. Geschrieben von: Collin , am 09-11-2011 12:43 Man muss schon sagen. Schlau hat der Notebook Besitzer auf jeden Fall gehandelt. Doch leider hat er damit kein Erfolg gehabt. Artikel kommentieren
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