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Ein katastrophaler Zauber |
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Freitag, 8. August 2008 |
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Der Liste der Menschen die vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen habe ich heute einen weiteren Namen hinzugefügt. Thomas Fricke, Chefredaktor der Financial Times Deutschland. In seiner aktuellen Kolumne "Eine zauberhafte Katastrophe" verheddert er sich so tief im Gestrüpp der wirtschaftlichen Zusammenhänge, dass man sich getrost fragen darf, ob er die Natur des Kreditwesens überhaupt verstanden hat.
"...wenn etwas crasht, hat das relativ wenig damit zu tun, dass in Amerika letztes Jahr das Herumreichen von Subprime-Krediten aufflog, US-Hausbesitzer gerade Panik schieben oder sich Banker misstrauen. Vielleicht ist die Finanzbranche für den Rest der Welt auch gar nicht so wichtig, wie sie sich selbst gern gibt."
Müssen wir uns jetzt neben den Sorgen um die Konjunktur auch noch Sorgen um die interne Kommunikation im Hause FTD machen oder wie lässt es sich erklären, dass der Chefredakteur nicht sieht, worüber seine Kollegen bei der FTD täglich schreiben? Sprechen sie nicht mehr mit ihm? Sitzt er in der Cafeteria allein am Tisch, hat er vielleicht sogar einen bösartigen ansteckenden Hautausschlag.... Egal, er scheint vergessen zu haben, dass die Banken sooooo wichtig sind, dass nur noch der Steuerzahler den Tsunami aufhalten konnte.
"Prophezeit haben die Panikrufer, dass die US-Konsumenten jetzt sparen, weil sie ihre Ausgaben nicht mehr aus steigendem Hausvermögen und leichtem Kredit finanzieren können; dass die Banken Kredite so einschränken, dass die Investitionen einbrechen. Beides ist bisher ausgeblieben. Die Sparquote lag neun Monate nach Ausbruch der Finanzkrise unverändert knapp über null."
Auch das ist völliger Käse. Die verschuldeten Konsumenten geben weniger Geld aus, weil sie die Hypotheken nicht mehr aufstocken können mit dem sie ihren Lifestyle finanzierten. Dieser Prozess ist NICHT ersichtlich in der Sparquote, hat aber Folgen für das Wirtschaftswachstum.
"Ausgeblieben ist auch die Pleitewelle von Kreditkartenschuldnern. Die Quote der Ausfälle stagniere, sagt Harm Bandholz, US-Experte der Unicredit-Gruppe."
In der Financial Times stand vor ein paar Tagen Der US-Kreditkartenanbieter American Express bekommt den Wirtschaftsabschwung in den USA deutlich zu spüren. Aus purer Freude haben die Leute von American Express sicher nicht düstere Prognosen von sich gegeben. Bestätigt wird dies auch durch die Meldung zu Citigroup:
Die Ausfälle auf den verbrieften Anteil von Kreditkartenkrediten sind im Zeitraum von Ende letzten Jahres bis 30. Juni um 16 Prozent gestiegen und belaufen sich auf 2,16 Mrd. Dollar. Die Zahlen deuten darauf hin, dass auch Konkurrenten von den Problemen ähnlich betroffen sein könnten. (Quelle)
"Die Investitionen in den Wirtschaftsbau stiegen im Frühjahr mit jährlich fast 15 Prozent. Nimmt man den Wohnungsbau aus, liegen die Investitionen bei gut neun Prozent der US-Wirtschaftsleistung - kaum niedriger als vor einem Jahr; und noch so hoch wie in der New Economy."
... und die Amerikaner haben die Inflation im Griff, wenn man die Energie und die Nahrungsmittel heraus rechnet. So einfach kann Statistik made in USA sein - neu auch im Angebot bei der FTD.
"All das heißt nicht, dass es in den USA keine Krisen gibt, etwa in der Autobranche. Oder dass die Konsumlust nicht schwächelt. Nur hat das womöglich mehr mit gestiegenen Ölpreisen zu tun, weniger mit bibbernden Bankiers."
Die gestiegenen Oelpreise sind eine Folge der Kreditkrise. Wo sonst sollen die Pensionskassen denn investieren, nachdem der Hypothekenmarkt zusammen gebrochen ist?
"Wenn es an der Finanzkrise läge, müssten die Ausgaben über viel mehr Sektoren hinweg zugleich abstürzen. Nicht nur beim Auto."
Völlig richtig, wenn da nur nicht die Steuergeschenke gewesen wären. Heute schreibt die FTD! auch die Einzelhändler schreckten die Markteilnehmer auf. Sie meldeten trotz der 150 Mrd. $ schweren Steuererleichterungen der US-Regierung für Juli schlechtere Umsatzzahlen als erwartet.
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