Haben die Medien rechtzeitig vor der Finanzkrise gewarnt? Dieser Frage
ging Columbia Journalism Review nach und hat in den letzten Jahren
über 700 Artikel in den wichtigsten amerikanischen Zeitungen
aufgespürt. Die Rede war von Hypothekenbetrug, Derivat-Bomben oder
Trauen Sie keiner Ratingagentur. Weshalb kam dann die Finanzkrise
dennoch so unvorbereitet?
Tatsächlich gab es in den Medien laufend Artikel, welche vor einer
Immobilienkrise gigantischen Ausmasses warnten. Ich hatte selbst oft
darauf hingewiesen. Nur angekommen sind diese Berichte weder in der
Politk, den Behörden, den Investoren oder den Bankvorständen.
Wie konnte das nur passieren?
Es lag nicht am Mangel an Warnungen, nur erschienen diese Warnungen nie
in den Schlagzeilen. Oefters hatte ich auch den Eindruck, dass selbst
die Chefredaktoren die Artikel ihrer eigenen Zeitung nicht gelesen
hatten. Wie sonst waren Kolumnen noch im Jahr 2008 erklärbar,
welche die Krise verniedlichten? Und weshalb wurden den Cheftrommlern
wie Greenspan und Bernanke soviel Platz eingeräumt, ihre
Propaganda zu verbreiten, obwohl die gleichen Zeitungen an anderer
Stelle diese Propaganda längst widerlegt hatten? Und vorallem,
weshalb hat sich bis heute nichts daran geändert, obwohl auch
jetzt vielen Journalisten klar sein müsste, dass die Stresstests
unter Absprache mit den Banken entstanden sind?
Bei den Banken selbst sah die Situation anders aus. Sie hatten ihre
Risikomodelle vollständig auf die Ratingagenturen abgestützt.
Obwohl viele Banker zu den Lesern des Wall Street Journals, Fortune
und anderen Finanzmedien gehören, konnten sie dieses Wissen nicht
umsetzen. Der Markt bestimmte, wohin die Reise ging und solange die
Investoren kauften, sorgten die Banken für einen reibungslosen
Markt. Was zählte, war der nächste Abschluss. Wer warnte,
wurde als Geschäftsverhinderer ignoriert.
Die grösste Verantwortung gehört hier ganz klar dem
Top-Management. Ihre Aufgabe wäre es gewesen, ihre Risikomodelle
zu hinterfragen. An mangelnden Presseberichten hat es wie die Liste
zeigt tatsächlich nicht gefehlt. Wieso haben sie diese
Verantwortung nicht angenommen, obwohl sie zuvor immer diese
Verantwortung als Begründung der Topsaläre hinzuzogen? Wie
konnten sie inmitten der Krise behaupten, dass man diese nicht habe
kommen sehen können, wenn selbst Journalisten darauf aufmerksam
machten? Journalisten, die viel weniger Einsicht in die
Geschäftsabläufe hatten als die Banken selbst?
Weshalb haben die Behörden, welche die nötigen Daten hatten, nicht auf
die Presseberichte reagiert? Fragen über Fragen, nur beantworten möchte
sie keiner. Zu gross waren die Versäumnisse. Doch das wirklich
Beängstigende ist, dass sich bis heute nichts daran geändert hat.
Zugängliche Informationen haben schlicht keinen Einfluss auf das
Geschehen, während es eine verhältnismässig lächerliche Schweinegrippe
schafft, über Wochen die Schlagzeilen zu dominieren.
Gibt es also noch einen Grund eine Zeitung zu abonnieren, wenn der grösste Teil des Inhalts von den Presseagenturen dominiert wird und die wirklich interessanten Informationen von den Presseagenturen nicht verbreitet werden?
Brauche ich noch eine Tageszeitung, wenn sich die Schlagzeilen unabhängig vom Printprodukt wie ein Ei dem anderen gleichen und man sich getrost diese Informationen schnell und kostenlos im Internet holen kann?
Eine Frage, die nicht nur ich mir stelle. Den Bezahl-Medien laufen die Leser in Scharen davon. Sie konnten sich im Vorfeld der Krise nicht als 4. Macht etablieren und werden auch jetzt dieser Verantwortung nicht gerecht. Die in der folgenden Liste aufgeführten Artikel waren leider nur die Ausnahmen, die die Regel bestätigte.
Um keine dieser Ausnahmen zu verpassen, hätte man ein Dutzend Zeitungen abonnieren müssen in der Hoffnung, nicht über diese Perlen zu stolpern. Ein Ding der Unmöglichkeit. Es wäre die Aufgabe der Medien selbst gewesen, diese Selektion zu machen und deren Inhalte weiter zu verbreiten. Versagt haben sie offenbar, weil ihnen die Experten in den eigenen Reihen fehlten. Der aktuelle Stellenabbau deutet nicht darauf hin, dass sich daran etwas ändern wird. Wenn das so weiter geht, dann werden sie sich noch selbst abschaffen.
Die Liste "What the business press did (and didn’t do) while the financial crisis was brewing" (Trackback)
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Geschrieben von: Nanuk, am 21-05-2009 13:25 Eine Frage bleibt im Raum waren unsere "Eliten" zu dämlich oder war es absicht darauf hätte ich zu gerne eine Antwort...  Geschrieben von: HRR, am 21-05-2009 13:40 Bei den allermeisten war es sicher pure Dämlichkeit. Sie glaubten so sehr an ihre eigene Herrlichkeit, dass sie die Warnzeichen übersehen haben. Ob das aber wirklich für alle gilt, na ja, diese Frage habe ich auch. Geschrieben von: Holger , am 21-05-2009 15:25 Ich würde sagen: Journalismus ist nun mal Journalismus - und weder Politik noch Wirtschaft (obwohl er beides berührt). Also glaube ich, dass man nicht mehr verlangen kann, als dass Journalismus Politik und Wirtschaft auf wirtschaftliche (oder politische) Probleme aufmerksam macht. Lösen müssen die sie dann schon selbst. Dass im täglichen Trommelfeuer der Nachrichten auch Warnungen vor der Krise veröffentlicht wurden, ist aber natürlich kein Wunder. Dass sie untergingen, allerdings auch nicht... Geschrieben von: sakura , am 21-05-2009 15:31 Ich denke es war wie immer das Gleiche: Gier. Und: Der Erfolg ist wie ein Hund - er gibt Dir immer recht. Und er macht auch blind. Das Geschäft lief einfach zu gut, wer wollte konnte Geld ohne Ende machen. Und ich könnte wetten das ein Gutteil des wirklichen top managments genau wusste was gespielt wird. Nur, es kann dem Einzelnen komplett Wurst sein ob das Modell in einigen Jahren tot ist: bis dahin ist Geld für viele viele Jahre verdient. Und wie immer beißen den Letzten die Hunde. Wer in diese Falle getappt ist braucht nicht gleich zu verzweifeln. Dieses Spiel wird schon seit Ewigkeit mit Investoren gespielt und immer immer wieder fallen sie darauf rein.  Geschrieben von: eachtradingday , am 24-05-2009 10:32 ich glaube schon das einige diese krise kommen gesehen haben, aber selbst die warner wurden von der schieren grösse überrascht! jeder versuchte für sich persönlich seinen "gewinn" zu maximieren und das hat in der masse zu unerwartet grossen exzessen geführt, die niemand erwartet hat. ich bin sicher einige werden gedacht haben "dann wird dieses wertpapier wertlos sein, aber ich hab meine provision" was das für die gesamtheit bedeutet, daran hat niemand auch nur eine sekunde verschwendet Geschrieben von: Pete , am 27-05-2009 13:22 Mangelnde Informationsverbreitung ist das eine, Verbreitung von falscher Information geht noch ein ganzes Stück weiter. Ich hab das ganze an einer Person aus dem näheren Umfeld erlebt, der mit Sicherheit keine ökonomische Nase ist.Sie hat mir nach langer Recherche und wohl überlegter Inevstition ganze Vorträge mit Quellenbezügen darüber vorgehalten, was sie sich von den mittlerweile wohl doch nicht so akkuraten Ratings erhofft. @ eachtradingday zum Thema Provisionsgier Gut das kann man jetzt ernst nehmen oder nicht und im Endeffekt ist das auch keine Entschuldigung, aber der persönliche Berater besagter Person war überzeugt davon, dass jene Papiere, um die es ging, in keiner effektiven Weise Verbindungen zum berüchtigten Immobiliengeschäft in den USA hatten. Im Gegenteil, alle Beteiligten waren sich dieser Gefahr bewusst, sind dann aber ins Messer von buchhalterischer und informativer Verschleierung/Verschachtelung im makroskopischen Stil gelaufen. Artikel kommentieren
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Erhalten von: Lesehinweis: über das Gerede von der Krise und mediale Ansteckungseffekte | Blick Log , am 23-05-2009 09:05 (PB) [...] Finanzkrise setzt sich ebenfalls Hansruedi Ramsauer in seinem Blog Zeitenwende unter dem Titel die Verantwortung der Medien auseinander. Er geht der Frage nach, ob Medien rechtzeitig vor der Finanzkrise gewarnt haben und [...] |