Zeitenwende.ch        WIRTSCHAFT - geschüttelt statt gerührt
Die Schuldenfrage PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 30. August 2011
Geld und Schulden haben den gleichen Ursprung, gehen aber nach der Geburt getrennte Wege. Manchmal sind sie so meilenweit voneinander entfernt, dass man versucht ist zu vergessen, dass sie zusammen gehören. Und tatsächlich, vergessen haben das viele. Würden sich sonst Milliardäre über die Staatsverschuldung beklagen, wo doch genau sie das haben, was der Staat braucht - nämlich Geld?


Ohne Staatsschulden gäbe es kein Geld, da Geld erst durch das Einreichen von Staatsschulden bei der Notenbank entsteht. Obwohl auch Banken Geld schöpfen können, ändert sich nichts am ursächlichen Zusammenhang. Geld entsteht aus Schulden und somit ist jeder Vorwurf eines Vermögenden an einen Schuldner ein Schuss ins eigene Bein, da die Vermögen ohne Schulden gar nicht möglich wären.

Wenn nun ein Staat saniert werden soll, gibt es zwei Möglichkeiten, über die Erhöhung der Einnahmen oder die Reduktion der Ausgaben. Doch egal, was er auch tut, es trifft immer die Vermögenden, denn wenn Schulden reduziert werden, wird auch Geld reduziert. 

Die moralische Entrüstung der Vermögenden, Schuldner sollen endlich zu sparen beginnen, muss somit verrückt sein, da ihre Vermögen erst durch die Verschuldung entstanden sind. Es ist als würde sich ein Drogendealer über die Sucht der Fixer empören, dem er den Stoff liefert. Und geliefert haben sie und tun es noch heute. Unternehmen spornen ihre Kunden sogar an, auf Kredit zu konsumieren. "Lebe heute, zahle morgen"-Plakate findet man in jedem Warenhaus.

Der Staat kann nun seine Schulden reduzieren, in dem er die Vermögenssteuern erhöht, schliesslich verdankt er einen nicht unwesentlichen Teil der Schulden dem Umstand, dass er die Banken und damit die Vermögen der Vermögenden gerettet hat. Ohne diese Rettungsmassnahmen wären heute alle Vermögen auf dem Nullpunkt und wir könnten uns die Gedankenspiele ersparen.

Verzichtet der Staat hingegen auf eine Erhöhung der Vermögenssteuern und streicht Sozialprogramme zusammen, dann bricht der Konsum ein und die Vermögen werden von der anderen Seite her pulverisiert, wie wir es bereits 2008 annähernd erlebt haben. Griechenland macht gerade diese Erfahrung und kommt trotz grosser Sparanstrengungen auf keinen grünen Zweig. Lösen lässt sich das Problem somit nur durch die Vermögenden, da ihnen die Mittel zur Verfügung stehen. Verweigern sich diese, dann bedrohen sie den Staat, der für die Sicherung der Vermögen zuständig ist, d.h. sie bedrohen sich selbst. Sie haben also allen Grund, den Schuldnern Sorge zu tragen, denen sie ihr Vermögen verdanken. Tun sie es nicht und die Schuldner brechen zusammen, dann brechen auch die Vermögen zusammen. Die Vermögenden sind dann selber schuld.
Tag it:
Delicious
Furl it!
Spurl
NewsVine
Reddit
YahooMyWeb
Technorati
Mister.Wong

Kommentar-Feld ein/ausblendenArtikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 4334

RSS Kommentare Kommentare (9)

Geschrieben von: kosh, am 31-08-2011 14:50
Heitere Siech

Endlich zurück im Spinnennetz!

Mein Wiedereinstand: Die Vermögenden täten es wohl vermögen, andererseits vermögen sie nicht, das Vermögen ihres Vermögens zu verstehen. Damit geben sie direkt oder indirekt zu, dass das Gros der Kapitalisten den Kapitalismus entweder nicht verstehen will oder schlicht nicht kann. Irgendwie haben Versuche mit Schimpansen ja schon in diese Richtung gedeutet.

Ob via Vermögenssteuer oder via Inflationierung, die Phase der Vermögensschrumpfung wird die nächsten Jahre prägen. Trägt die Masse wie zu erwarten wenig bis gar nichts dazu bei, haben es die Vermögenden wie bis anhin selbst in der Hand, welchen Weg sie lieber vermögen :-)

Suffisant, beide Fraktionen vermögen kein gemeinsames Vorgehen zu koordinieren, jeder hält sich selbst für den schläueren Marktteilnehmer und wartet auf einen noch dümmeren, der für ihn die Kohlen aus dem Feuer holt. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass der Kapitalismus im System Homo sapiens zwangsläufig sich selbst liquidiert für einen Neustart mit den gleichen, mangelhaften Eigenschaften. Mehr liegt halt nicht drin, nach dem Regen kommt Sonne kommt Regen …

aus http://www.mmnews.de/index.php/politik/8447-die-drei-monster -der-eu-efsf-esm-und-ela
- Griechenland druckt jetzt ganz offen (Euro)Geld zu Gunsten seiner insolventen und aktuell (wegen der vielen griechischen Steuer-Auswanderer) auch illiquiden Banken.
… ELA heißt: „Emergency Liquidity Assistance“. Also Notfall-Liquiditäts-Hilfe. Oder noch klarer: Notfall-Geld-Hilfe.
… Der Gewinn an Kaufkraft der ELA-EURO entspricht exakt dem Verlust an Kaufkraft aller anderen im Umlauf befindlichen EURO. Die Schaffung von ELA-EURO ist nichts anderes als die anteilige direkte und unmittelbare Enteignung aller EURO-Besitzer.


Die Amis auf Kurs
Grüsse
kosh

Geschrieben von: Yves Latour website, am 04-09-2011 11:02
Quote:


Ohne diese Rettungsmassnahmen wären heute alle Vermögen auf dem Nullpunkt und wir könnten uns die Gedankenspiele ersparen.


Bitte nicht vergessen, dass die meisten Vermögenden potentiell unter Null gingen, weil sie trotz ihres Vermögens Kredite laufen haben, die zwar im Verhältnis zum Vermögen gering sein mögen, sich aber in der "Great Contraction" als letal erwiesen.


Quote:
Der Staat kann nun seine Schulden reduzieren, in dem er die Vermögenssteuern erhöht, schliesslich verdankt er einen nicht unwesentlichen Teil der Schulden dem Umstand, dass er die Banken und damit die Vermögen der Vermögenden gerettet hat.


Das geht gerade nicht, da sich die Vermögen der meisten Vermögenden aus Assets zusammensetzen, die zwecks Finanzierung dieser Steuern verkauft werden müssten und so krisenverstärkend wirkten. Diese Assets sind zu einem signifikanten Teil kreditgehebelt.
Die Rettungsaktion hat die Vermögen der kleinen Leute gerettet, indem verhindert wurde, dass die (Sach)Vermögen der reichen Leute nicht so stark fielen, dass die Vermögen dieser reichen Leute ins negative rutschten (nennen wir es Donald-Trump-Symptom).
Es geht bei den Rettungen darum, den Sachvermögen einen Boden zu geben.

Die ganz grossen Vermögen sind die kollektiven Vermögen der "kleinen" Leute; diese Vermögen sind zum grossen Teil nominell fixiert (z.B. BVG-Mindestzinssatz, Bankguthaben, etc), alle weiteren Anlagen wie Aktien, Immos, etc. weisen einen elastischen Preis auf und sind als Aggregat betrachtet finanziert. Die Finanzierung ist meist nominell fixiert, aber die Anlagepreise floaten auf dem Markt und können im Preis unter ihre nominell fixierte Verschuldung fallen.

Werden nun Vermögen stärker besteuert, dann entsteht ein noch stärkerer Liquidierungsdruck auf die Assets und ist daher krisenverschärfend, da nach der empirischen Betrachtung von Fisher in der "debt deflation" die Preise der Assets schneller sänken, als dass Verschuldung abgebaut werden könne.

Das Problem lässt sich über Vermögenssteuern ebenso unmöglich lösen, wie über das im Artikel zurecht kritisierte Sparen. (kleine Staaten können dies in einer globalisierten Wirtschaft natürlich schon)

Es geht nur expansiv, also gilt weiter "Aufwärts ohne Ende - bis zum Ende!" - Debitismus eben.

Geschrieben von: HRR, am 04-09-2011 16:52
@yves latour

Wenn vermögenssteuern dazu benutzt werden, die Staatsverschuldung zu reduzieren, kommt es netto nicht zu einem liquidierungsdruck, da unter dem strich genau jene Anlagen liqudiert werden, die es wegen der Schuldenrückzahlung gar nicht mehr gibt.

Geschrieben von: Yves website, am 04-09-2011 23:04
Quote:


Wenn vermögenssteuern dazu benutzt werden, die Staatsverschuldung zu reduzieren, kommt es netto nicht zu einem liquidierungsdruck, da unter dem strich genau jene Anlagen liqudiert werden, die es wegen der Schuldenrückzahlung gar nicht mehr gibt.



Nein, der Steuerzahler muss sich zuerst Liquidität beschaffen, um die erhöhte Steuer zu bezahlen. Das führt zu einem Liquidierungsdruck, der tendenziell deflationär, also in einer Rezession krisenverschärfend, wirkt.

Um die Steuer aufzubringen, würden tendenziell Aktien, Immos und Anleihen verkauft.
Somit sänken die Vermögen doppelt, erstens wegen Zahlung der Steuer und zweitens wegen sinkender Preise.
Sinkende Anlagepreise bedeuten steigende Renditen, womit auch die Renditen der Staatsanleihen steigen und der Staat nach der nächsten Auktion höhere Zinsen bezahlen müsste. Die Staatsschuld würde abgebaut, die zu zahlenden Zinsen würden aber steigen. Ob es ein Nullsummenspiel wäre, weiss ich nicht.

Der Effekt steigender Steuern in der Krise wäre genauso fatal, wie das Zurückfahren der Ausgaben oder das Erhöhen der Notenbankzinsen.

Geschrieben von: HRR, am 05-09-2011 07:46
@yves latour

Die Pensionskassen, Fonds, usw werden das Geld, das sie zuvor in Staatsanleihen investiert haben in neue Anlagen investieren müssen, was den Liquidierungsdruck aufhebt.

Unter dem Strich entspricht der Liquidierungsdruck exakt der reduzierten Nachfrage seitens der Schuldner, wenn zusätzliche Steuern zur Schuldenreduzierung eingesetzt werden. Alles andere ist Arbitrage.

Geschrieben von: Yves, am 05-09-2011 11:18
Quote:


Die Pensionskassen, Fonds, usw werden das Geld, das sie zuvor in Staatsanleihen investiert haben in neue Anlagen investieren müssen, was den Liquidierungsdruck aufhebt.

Unter dem Strich entspricht der Liquidierungsdruck exakt der reduzierten Nachfrage seitens der Schuldner, wenn zusätzliche Steuern zur Schuldenreduzierung eingesetzt werden. Alles andere ist Arbitrage.



Immer in der Annahme, dass eine solche Steuer signifikant sein würde, also nicht unter 1% (wie bisher), werden die PK immer weniger zum Investieren haben (gleichzeitig können sie noch zusehen, wie ihre eigenen Anlagen fallen), weil die Assetpreise immer stärker unter Druck kämen. Das ist kein Nullsummenspiel, die Vermögen verdampfen einfach ins Nichts, die verschuldeten Vermögenden geraten unter Null, resp. gehen Pleite und die Ansprüche der "kleinen Leute" lösen sich in Luft auf.

Sinkende Assetpreise stoppen die Investitionen, denn entgegen der herrschenden Annahme wird gesamtwirtschaftlich betrachtet nicht aus Ersparnissen investiert, sondern die Investitionen aka (Netto)Neuverschuldung schafft neue Ersparnisse. Diese Ersparnisse können auch niemals verkonsumiert werden, ausser es würden Schulden getilgt.

Das Abtragen irgend einer Schuld wirkt immer deflationär, weshalb auch eine absolute Verringerung der Staatsschulden deflationär wirkt (egal ob aus "Sparen" oder Steuererhöhung).

Diejenigen Staaten, die jetzt benötigte Ausgaben zurückhalten (sparen) oder Steuern erhöhen, schaffen sich nur Nachteile.

Der Wachstumszwang ist immanent, kann er nicht erfüllt werden, droht die Fisher'sche debt deflation. Pessimisten würden dies dann mit Depression und Weltkrieg gleichsetzen.
Wie sagte doch Brüning richtig: "Dieser Sturm wird über jedes Land der Welt hinwegbrausen. Entweder muss man die Deflation mitmachen oder die Währung abwerten"

Staatsschulden können nur von kleinen Ländern abgebaut werden, dies auf Kosten der grösseren Länder, die Massnahmen gegen die Kontraktion ergreifen.

Geschrieben von: Nanuk, am 05-09-2011 13:28
Die Vermögenden vermögen halt nicht ihr System zu verstehen... :upset Gier frist Hirn!

Geschrieben von: Yves, am 05-09-2011 17:50
Quote:


Die Vermögenden vermögen halt nicht ihr System zu verstehen... Gier frist Hirn!



Der überwiegende Teil des Geldes ist bei den Nicht-Vermögenden. Vermögende arbeiten mit Wechseln/Anschreiben/Kredit - auf Termin eben, während die Nicht-Vermögenden logischerweise mit Geld - auf Sicht eben, arbeiten müssen.

@Nanuk - die Vermögenden verstehen das System schon (vielleicht nicht explizit, aber implizit spüren sie das Joch, das ich unten beschreibe), die Nicht-Vermögenden verstehen es nicht, weil sie von einem Netto-Geld, einem Netto-Reichtum und dergleichen ausgehen.
Sie glauben, Kapital liesse sich verteilen, weil sie nur die Sachseite des Kaptials sehen, nicht aber die Finanzierungsseite, aber z.B. eine Maschine wird erst zu Kapital, wenn es eine Finanzierungsseite gibt, die Schuld nämlich, die ebenso an der Maschine kleben muss (gesamtwirtschaflich gesehen). Diese Schuld (Kosten der Vorfinanzierung) möchte dann natürlich niemand zugeteilt erhalten.

Und nicht vergessen, jeder, der höhere Geld-Guthaben als Schulden hat, gehört zu den überdurchschnittlich Reichen.
Verwechseln Sie "Gier" nicht mit dem Joch der Verschuldung, die zu Höchstanstrengung treibt, damit die beliehenen Sachgüter/-anlagen nicht in fallende Preise liquidiert werden müssen und die ständig die Ausstrahlung von Höchstbonität verlangt. Am besten sichtbar ist es bei den Vertretern der Banken, weil die Banken die höchste Verschuldung aufweisen und deshalb von ihren Vertretern ein tadelloses Auftreten verlangen müssen. ;)

Geschrieben von: Nanuk, am 05-09-2011 18:04
@Yves
Bei mir laufen Maschinen immer noch mit Strom. :x

Mit Schuldscheinen kann man höchstens Feuer machen. aber nicht mal mehr das geht noch in Zeiten digitalisierter Märkte... 8) und Gold brauch eine verrechnungs Einheit das kann man nämlich nicht essen...

Es ist schon erbärmlich wie entfremdet die Menschen geworden sind...


Kommentar-Feld ein/ausblendenArtikel kommentieren

AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze

 
< zurück   weiter >

Blog-Verzeichnisse

Schweizer Blog Verzeichnis TopBlogs.de slug.ch Blogs, die hierher linken list.blogug.ch bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis Blogverzeichnis Bloggeramt.de investinformer.de - TOP100 Investment Sites Blogparade