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Die Reichensteuer wird salonfähig |
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Samstag, 15. Oktober 2011 |
Jetzt plädiert auch der DIW-Chef Gert Wagner für eine
Reichensteuer: "Millionäre könnten 100 Milliarden aufbringen". Die
Erkenntnis setzt sich langsam durch, dass Schuldenreduktion nur durch
Vermögensreduktion möglich ist, weil die zwei Seiten der Bilanz
fundamental zusammen hängen. Alles andere führt zum Zusammenbruch.
George Magnus, ehemaliger Chefökonom der UBS, warnte 2007 als einer der
ersten vor einem Systemkollaps. Ironie der Geschichte, er wurde vom
eigenen Arbeitgeber nicht gehört. Heute sagte er in einem Interview des
Tages-Anzeigers: "Wir stehen am Rande eines riesigen Abgrunds". Als
Grund für die Krise nennt er die immer weiter auseinander klaffende
Schere von Einkommen und Reichtum. Als unmittelbare Massnahme nennt er
jetzt die Rekapitalisierung der Banken, die ausser in den USA,
Grossbritannien und der Schweiz völlig verschlafen wurde. Josef
Ackermann von der Deutschen Bank interessiert das nicht: Sein Institut
verfüge über genügend eigene Mittel, um eine heraufziehende Krise zu
meistern, sagte er. Die DB hat ein Eigenkapital von 2.7 Prozent. Im
Vergleich dazu wird von jedem Immobilienkäufer aus Sicherheitsgründen
ein Eigenkapital von mindestens 20 Prozent verlangt.
Magnus hat
zweifelos recht, wenn er auf die viel zu dünne Kapitaliserung der
Finanzinstitute hinweist. Gerade erst musste die Dexia verstaatlicht
werden, die unter dem Einfluss von Lobbyisten noch vor kurzem bei einem
Stresstest die besten Noten bekam. Deshalb sagt er auch zu einer
möglichen Verstaatlichung:
Länder, die kein Geld mehr haben, um
ihre Banken zu rekapitalisieren, haben keine andere Wahl. Als Engländer
muss ich auch anerkennen: Ich lebe in einem Land, in dem der Staat 83
Prozent einer Grossbank besitzt und 53 Prozent einer zweiten. Das mag
schockierend erscheinen, aber derzeit müssen wir einen gewaltigen
Schock bewältigen. Deshalb müssen wir ernsthaft über Dinge nachdenken,
von denen wir vor kurzem nicht einmal geträumt hätten.
Darum
kommt man nicht herum, wenn man bei Griechenland einen Schuldenschnitt
durchführen will. Doch egal wie man das Problem am Peloponnes auch
lösen wird, es wird sehr teuer werden. Und damit sind wir beim
Grundproblem der Misere: der Verteilung des Geldes. So stark wie die
Schulden über Jahrzehnte gewachsen sind, so stark stiegen auch die
Vermögen, die weltweit eine sehr tiefe Besteuerung geniessen. Das soll
nun geändert werden. Nach Berechnungen des DIW könnten bei einer
Vermögensabgabe von 1.5 Prozent über 100 Milliarden Euro eingenommen
werden, also ungefähr jener Betrag, den die Banken minimal benötigen.
Die Einsicht scheint also langsam Form anzunehmen, dass es besser ist
auf wenig zu verzichten, damit man das Grosse noch retten kann. Immer
mehr Milliardäre machen sich deshalb für eine höhere Besteuerung stark.
Millionäre könnten 100 Milliarden aufbringen Wir stehen am Rand eines riesigen Abgrunds Diese Superreichen fordern höhere Abgaben (Trackback)
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