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Die Quadratur des Kreises PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 14. Mai 2009
Experten und Laien zerbrechen sich den Kopf, wie diese Krise zu lösen wäre, doch es gibt sie nicht, diese Lösung, wenn man das Problem nicht an der Wurzel packt. Doch genau dahin will niemand, weil es zu schmerzhaft wäre. Es ist wie mit der Gesundheit. Medikamente haben Wirkungen, sie heilen aber nicht. Und alles was wir bis jetzt gesehen haben, hatte eine Wirkung, die Krankheit ist aber immer noch die gleiche.

Die Ursache der Krise waren Schulden von denen, die jetzt nicht mehr bezahlen können. Jahrelang wurde dieses Problem ignoriert, weil der Zahlungstermin für diese Schulden immer weiter in die Zukunft verlegt wurde. Doch plötzlich erschien dieser ferne Zeitpunkt in der Gegenwart und es machte Bumm!

Damit es nicht zum Zusammenbruch des Finanzsystems kam, hat nun der Staat die Schulden entweder übernommen oder garantiert. Dadurch konnte der Termin für die Schuldenrückzahlung auf den Schultern des Steuerzahlers wieder weiter in die Zukunft verschoben werden (Staatsverschuldung). Doch damit ist das Problem noch nicht gelöst. Jetzt fehlen auch die Konsumenten, welche in der Vergangenheit die Wirtschaft durch Schuldenaufnahme ankurbelten.

Wir stehen somit zwei Problemen gleichzeitig gegenüber. Einerseits können alte Schulden nicht bedient werden und zweitens fehlen die Neuschuldner auf der Konsumentenseite, welche für das Wirtschaftswachstum so wichtig wären.

Grundsätzlich ist es jedem klar, dass wenn der Schuldner nicht bezahlen kann, der Gläubiger in die Röhre guckt. Doch dummerweise hatten sich unter anderem  die Banken via Zweckgesellschaften und mittels Handelspositionen als Gläubiger zur Verfügung gestellt. Mangels Eigenkapital ist es ihnen jetzt aber nicht möglich, für die Fehlinvestitionen aufzukommen. Davon profitiert haben alle Investoren, die in die gleichen Wertschriften investierten wie die Banken. Sie sind die eigentlichen "unrechtmässigen" Gewinner dieser Bailouts. Der Steuerzahler muss nun für die Fehler haften, wenn ein Systemzusammenbruch vermieden werden soll.

Soweit ist das okay, denn fast alle Marktbeobachter sind sich einig, dass die Menschheit nicht auf einen Systemzusammenbruch vorbereitet gewesen wäre. Somit muss die hässliche Kröte geschluckt werden. Was hier aber fehlt ist nachwievor die totale Transparenz. Die Oeffentlichkeit wird immer noch verschaukelt. Man lässt sie im Glauben, dass der fehlende Markt die Probleme verursacht habe. Das ist eine Lüge und solange diese am Leben gehalten wird, kann kein Vertrauen ins System zurück kehren. Nebelkerzen wie Buchhaltungstricks, Quantitative Easing oder Bad Banks machen das System nur noch undurchsichtiger und die Gefahr droht, dass dem Misstrauen gegenüber den Banken das Misstrauen gegenüber dem Staat folgt - quasi ein psychologischer Staatsbankrott, dem logischerweise der finanzielle Staatsbankrott folgen muss.

Das können vorallem die Vermögenden nicht wollen, denn ein Vermögen ist nur dank einem Staat definierbar, der dieses Vermögen anerkennt, sichert und durchsetzt. Doch zurück zur Transparenz...

Sobald alle Leichen aus dem Bankenkeller ans Tageslicht geholt worden sind, kann darüber diskutiert werden, wie dann der Staat von diesen Schulden zumindest teilweise wieder befreit werden soll. Wird dieser Prozess nicht planmässig gemacht, dann wird die Zeit von alleine dafür sorgen. Nur wäre dieser Prozess dann viel schmerzhafter für alle Beteiligten. So oder so, die Vermögenden werden nicht darum herum kommen, ihren Teil dazu beizutragen, denn sie waren es auch, die ihr Geld via Bankanleihen, Fonds etc. den Leuten zur Verfügung gestellt haben, die heute nicht mehr bezahlen können. Das war eine Fehlinvestition und die führt bekanntlich zu Opfern - egal ob früher oder später.

Das schöne an diesem Szenario ist, die Heilung wird kommen. Wir diskutieren somit nur, wie lange man noch versucht den schmerzhaften Heilungsprozess mit Medikamenten hinaus zu zögern. Medikamenten notabene, deren Nebenwirkungen alles in den Schatten stellen dürften, was wir bislang an Firmenzusammenbrüchen, Verteilungskämpfen und Jugendrevolten kennen gelernt haben.

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RSS Kommentare Kommentare (1)

Geschrieben von: kosh, am 14-05-2009 18:45
Guten Abend HRR

Zeitenwenden, schön sind sie meistens nicht, dafür umso interessanter.

Quote:


Das können vorallem die Vermögenden nicht wollen, denn ein Vermögen ist nur dank einem Staat definierbar, der dieses Vermögen anerkennt, sichert und durchsetzt.



Diesen theoretisch leicht nachzuvollziehenden Gedankengang in die Praxis umzusetzen dürfte allerdings nur den wenigsten Vermögenden gelingen, halten die meisten doch an der Formel fest, Vermögensbildung sei durch Nicht-Vermögende unter allen natürlichen Umständen - auch widrigsten - zu respektieren. Vielleicht wurden auch deshalb Laternenpfähle erfunden, als Weiterentwicklung geeigneter Henkersbäume für städtische Bedürfnisse :-)

aus http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/marktberichte/:Das- Kapital-Wieder-mal-die-Dummen-Wette/495892.html
Quote:
Das bedeutet, dass jene Damen und Herren, die uns seit Jahren von hohen Türmen herab nach allen Regeln der Kunst belogen und betrogen haben, noch mehr Spielraum erhalten, zu lügen und betrügen.



Nach meiner Erfahrung verstehen weder die einen noch die anderen die Grenzen des Kapitalismus, jeder spielt nach seinen persönlichen Egoismen und das Gesamtsystem funktioniert als Durchschnitt aller Egoismen. Altruismus ist nicht vorgesehen.

aus http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus
Quote:
Altruismus (von lateinisch: alter: der andere) ist die willentliche Verfolgung der Interessen oder des Wohls anderer oder des Gemeinwohls. Altruistisches Handeln wird allgemein auch mit selbstlosem Handeln gleichgesetzt. Dabei bleibt der Aspekt des Ziels der Handlungen, die aus Selbstlosigkeit erfolgen, unberücksichtigt. Die Auffassung als Selbstlosigkeit betont stattdessen die Zurückstellung eigener Anliegen bis hin zur Selbstaufopferung. Der Begriff Altruismus, als dessen Schöpfer Auguste Comte gilt, ist ein Gegenbegriff zu Egoismus.



Versteht der Vemögende z.B. die Funktion der Durchsetzung am Markt durch konkurrenzfähigere Produkte nicht, so scheitert der Nicht-Vermögende an der Funktion des Investors. Und so tut eben jeder was er tut für seinen persönlichen Profit, die soziale Evolution wie sie leibt und lebt.

Ohne Druck handelt kaum einer freiwillig altruistisch in unserer Gesellschaft, entweder man ist es von Haus aus, oder man ist egoistisch. So statt umgekehrt handhaben wir unsere Zukunft, spare in der Not, dann hast Du in der Zeit. Deshalb sind die Wellen auch höher als nötig, nicht weil wir den Gleichgewichtszustand nicht kennen, sondern weil wir ihn praktisch nicht wollen. Lediglich theoretisch, sonntagstheoretisch schunkeln wir uns in Trance um von Montag bis Samstag das schlechte Gewissen zu pflegen. Wozu sonst hat der Mensch Tempel gebaut? Der Sapiens wäscht nicht nur Geld, er wäscht auch Seelen.

Zufälligerweise gab sich gestern die EU-Kommission bezüglich Intel die Ehre und pfuschte in ihrer unerträglichen Trägheit gewohnt dilettantisch am Problemkreis Monopolrente und damit einhergehender Gefahr der wirtschaftlichen Stagnation herum. Nun ist der Stillstand im Rückwärtsgang hervorgekrochen, 20 Jahre starrten die Simpel auf ein beinahe perfekt transparentes Treiben und sahen / hörten / sprachen nichts. Die Hälfte davon mit Untersuchungen verbracht haben wollend, tanzen sie mindestens 10 Jahre zu spät auf die Sonntags-Bühne der Gerächtigkeit, um ein offenens Geheimnis einzuklagen, dessen Substanz noch in die hintersten Winkeln der Republiken keinen mehr hinter dem Ofen hervor lockt. Die Ironie, daran tragen mindestens ebenso die Vermögenden wie die Nicht-Vermögenden Schuld - Verantwortung wird erwartungsgemäss keiner übernehmen - denn gerade letztere könnten in Demokratien durch ihre schiere Mehrheit ein verbrieftes Recht umsetzen, sowohl Gegenbewegungen zu gründen wie auch diesen zur Wahl zu verhelfen.

Doch das sind in fetten Jahren nur Randerscheinungen, in Krisenzeiten dagegen Verzweiflungstaten, vor denen sich die Vermögenden tatsächlich fürchten müssten. Aber weil es so selten geschieht, dass sich die Mehrheit der Masse tatkräftig und erfolgreich durchsetzt, vertrauen die vermögende Minderheit auf ihre eingebildeten Naturrechte. Und so haben wir als Gesamtsystem auch dieses Mal gemeinsam für die Krise gespart und wollen nur vereinzelt wahrhaben, was wir doch Wunderliches aufgetürmt haben. Die Gegenposition nämlich des sauer verdienten Ungleichgewichts, der negative Gewinn aus den Jahren unkontrollierter Prosperität.

Die Lösung der Quadratur des Kreises: Ein bisschen Krieg da und dort, die übliche Insolvenzverschleppung stets auf der Suche nach einem noch Dümmeren - sogar die Presstituion darf zur Vorbereitung und Beruhigung der Massen kommentieren (siehe FTD) - plus unsere tägliche Tüte "die Hoffnung stirbt zuletzt" gib uns heute.

Die Amis auf Kurs

Grüsse
kosh


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