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Die Ohnmacht eines Mächtigen PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 10. Januar 2012
"Wenn du dir Feinde machen willst, dann versuche, die Dinge zu ändern." Mit diesem Zitat verabschiedete sich Philipp Hildebrand als Chef der Schweizerischen Nationalbank. Völlig konsterniert nahm das helvetische Publikum den vorläufig letzten Akt um Macht und Moral zur Kenntnis.

Hildebrand konnte seine Unschuld nicht beweisen. Der Verdacht des Insiderhandels war nicht mehr aus der Welt zu schaffen, obwohl seine Frau öffentlich jede Verantwortung auf sich nahm. Die ehemalige Devisenhändlerin hatte zu einem Zeitpunkt Dollars gekauft, als die amerikanische Währung nach ihren Angaben lächerlich billig war. Diese Ansicht vertraten zu jenem Zeitpunkt auch die Schweizer Politik und die Exportindustrie und forderten von der SNB ein Eingreifen in die Finanzmärkte, was später auch geschah. Im Rückblick konstruierte die Weltwoche daraus einen Insiderhandel. Hildebrand verneinte dies bis zuletzt: "Ich habe in dieser Geschichte nie gelogen."

Alles deutet darauf hin, dass Hildebrand über die Unsensibilität seiner Frau gestolpert ist, was diese auch bestätigt und deren politischen Auswirkungen nicht die nötige Beachtung geschenkt hatte. Heute ein Urteil darüber zu fällen ist einfach, zu einfach. Im Sommer letzten Jahres wartete die ganze Schweiz auf seine Entscheidungen, wie der Schweizer Franken geschwächt werden konnte. Kein Tag verging, ohne das Forderungen seitens der Politik an ihn gestellt wurden. Der Dollarkauf seiner Frau musste für ihn damals eine Petitesse gewesen sein, die er durch eine Meldung an den Bankrat als erledigt erachtet haben musste. Es war eine Fehleinschätzung.

Hildebrand war seinen Widersachern schon früh auf die Füsse getreten. Niemand wusste das besser als er. 2008 gabe er an der Rive-Reine-Tagung Marcel Ospel den Gnadenstoss, als er der versammelten Wirtschaftselite zum ersten Mal zeigte, dass die UBS mit 1.5 Prozent Eigenkapital unterwegs war. Eine Schmach für den lange gefeierten UBS-Präsidenten, der kurz darauf seinen Stuhl räumen musste (Zitat Tagesanzeiger). Der SNB-Präsident machte keinen Hehl daraus, dass er die Grossbanken zurückstutzen wollte. In einer Presseerklärung im Juni 2008 sagte er:

Das Eingehen von Risiken ist das Kerngeschäft der Banken und entsprechend auch erwünscht. Wichtig ist dabei, dass die Risiken kontrolliert eingegangen werden und auch getragen werden können. Die Erfahrung zeigt, dass dies nicht immer der Fall ist.

Es liegt in der Natur der Finanzmärkte, dass es immer wieder zu Krisen kommt. Selbst mit dem besten Risikomanagement können Banken plötzlich von unerwarteten Ereignissen und Entwicklungen getroffen werden. Ich bin überzeugt, dass es auch in Zukunft Fehleinschätzungen des Managements geben wird.

Wie in unserem Stabilitätsbericht klar dargestellt ist, operieren die Schweizer Grossbanken mit einem sehr hohen Verschuldungsgrad. Seit Mitte der Neunzigerjahre hat der durchschnittliche Verschuldungsgrad der beiden Grossbanken von 90% auf über 97% zugenommen. Das heisst, auf 3 Franken Eigenkapital kommen über 97 Franken Fremdkapital. Auch im internationalen Vergleich ist dieses Verhältnis sehr hoch. Aus Sicht der Eigenmittelrendite mag ein hoher Verschuldungsgrad für die Banken zwar attraktiv erscheinen.

Philipp Hildebrand galt als Vorreiter in der Bankenregulierung und erhielt dabei Lob von allen Gremien, ausser natürlich von den Banken selbst. Diese sahen ihre Gewinnchancen gefährdet als die Schweiz mit ihren Massnahmen vorpreschte. Oswald Grübel - der Nachfolger von Ospel bei der UBS - attakierte die SNB im Sommer 2010 und malte ein Horrorszenario an die Wand, wenn Hildebrand seine Ideen umsetze:  «Es würde das Wirtschaftswachstum erheblich drücken, es gäbe weniger Kredite, weil jede Bank die Bilanz reduzieren würde, das hiesse auch, dass Tausende von Arbeitsplätzen weggingen, und sich für uns niedrigmargige Geschäfte nicht mehr lohnten.» Nichts davon ist bis heute eingetreten, obwohl die Bilanzen massiv reduziert wurden.

Die Grossbanken sind nun ihren ärgsten Widersacher los. Doch das Publikum dürfte aufgewacht sein. Zu offensichtlich sind die Netzwerke zwischen SVP, Weltwoche und dem Grosskapital, als dass sie sich weiter wie bis anhin als Kämpfer für die Anliegen des kleinen Mannes positionieren können, die der Elite auf die Finger schaut.
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RSS Kommentare Kommentare (2)

Geschrieben von: egghat website, am 10-01-2012 17:08
Interessante Theorie.

Wir tragfähig sie ist, wird sich noch zeigen. Denn als die Schweiz das 2010 ankündigte, war sie allein auf weiter Flur. Die Banken hatten damals zu Recht Angst. Allerdings sind die Briten inzwischen auf einem ähnlichen Weg und auch Europa will auf 9% EK gehen.

Die Nachteile, die der Schweizer Bankenplatz dadurch hat, dürften inzwischen weit weniger groß sein als noch vor 1,5 Jahren.

Außerdem kann man Stabilität (hohe EK-Quote) auch durchaus als Pluspunkt verkaufen. Gerade die Schweizer Banken, die einen deutlich größeren Teil ihres Geldes mit Vermögensverwaltung verdienen als die meisten anderen Banken, müssten das eigentlich gut vermarkten können.

Geschrieben von: investor, am 11-01-2012 08:54
Was solls, ein Bankster weniger.
Der Schweiz wurde ein Gefallen getan. :grin


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