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Die Märkte sind nicht verrückt |
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Freitag, 24. Oktober 2008 |
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Seite 1 von 2 Fast alle Experten sagen die Märkte seien verrückt, irrational und
ausser Rand und Bank, doch das stimmt nicht. Die Märkte sind äusserst
rational. Die Dominosteine fallen in einer Präzision, wie es in einem
Lehrbuch nicht besser beschrieben werden könnte.
Die Kredite purzeln, weil das Vertrauen weg ist und das Vertrauen ist
weg, weil die Finanzmärkte orchestriert von Experten uns eine
Scheinsicherheit vorgaukelten, die jeder Beschreibung spotten. Doch
jetzt, wo auch die breite Oeffentlichkeit gewahr wird, worüber ich
schon lange schreibe, nämlich dass Finanzinstitute und zahlreiche
Grosskonzerne genau so wie die Subprime-Immobilienkäufer mit einem
unglaublich hohen Fremdkapitaleinsatz gearbeitet haben und nur so die
gigantischen Eigenkapitalrenditen erwirtschaften konnten, jetzt ist das
Vertrauen weg.
Die Hedge-Fonds-Industrie hat die Kredittürme
noch weiter nach oben gebaut und wurde dabei von den Experten bejubelt.
Sie tragen zur Stabilität des Finanzsystems bei, hiess es über all die
Jahre. Das Gegenteil ist der Fall. Der Rückzug der Investorengelder
führt zu einem massiven Abverkauf von Wertschriften, oft dem
20-30-fachen des jetzt zurück verlangten Kapitals.
Hätten wir
mehr Transparenz bei den Hedge-Fonds, dann könnten wir auch selbst
beurteilen, ob ihre Anlagen nach unserer Einschätzung sicher sind. Wir
wissen das aber nicht und die Investoren verkaufen deshalb ihre Anteile
- völlig rational. Diese Verkäufe bedrängten zuerst die Banken und
Versicherungen, welche
genau so wie die Hedge-Fonds mit gigantischem Fremdkapitaleinsatz
gearbeitet haben und deren Vermögenswerte nun in Mitleidenschaft
gezogen werden. Auch hier haben neue Buchhaltungsregeln dazu geführt,
dass ein Aussenstehender nicht mehr beurteilen kann, ob die Banken
sicher sind. Am besten begriffen haben das die Banken selbst und zogen
völlig rational die Gelder zurück.
All
dies lief lange ausserhalb der öffentlichen Wahrnehmung ab, weil die
Medien das Gegenteil geschrieben haben. Wie oft konnte man in den
letzten Monaten lesen, die Banken seien sicher und gut kapitalisiert?
Dabei haben die Journalisten selbst nicht verstanden, wie sie zu diesem
Ergebnis gekommen sind. Sie haben sich einfach auf die Experten
verlassen. Und so macht die Kreditkrise eine weitere Drehung in ihrem
Lauf nach unten.
Jetzt kommen Unternehmen ins Wanken, welche
auf liquide Mittel angewiesen sind und das sind vorallem die
Grosskonzerne. Lange galt es als chic, den überschüssigen Cash Flow für
Aktienrückkäufe statt Schuldenabbau zu nutzen, weil es die
Eigenkapitalrendite erhöhte und den Bonuszahlungen den nötigen Dreh
verlieh. Nachhaltig war das nicht, aber wen interessierte das damals
schon - und nun fehlen plötzlich diese Gelder und die Investoren wollen
die Kredite nicht mehr finanzieren. Als einziger scheint dies der
französische Präsident Sarkozy begriffen zu haben. Ohne Vertrauen (ergo
Kredit) muss der Staat jetzt auch den verschuldeten Konzernen unter die
Arme greifen, sonst ist der Ofen aus.
Die Frage, wie man diese
Spirale, die nach den genau gleichen Kriterien nach oben drehte, jetzt
auf ihrem Weg nach unten stoppen kann, ist leicht zu beantworten:
Vertrauen schaffen! Solange aber die Oeffentlichkeit das Gefühl hat,
die Eliten wollten nur ihre Vermögen mit unseren Steuergeldern sichern,
solange wird die Spirale weiter drehen bis auch die letzten Vermögen
verschwunden sind.
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