Zeitenwende.ch        WIRTSCHAFT - geschüttelt statt gerührt
Die Grenzen der Konjunkturmassnahmen PDF Drucken E-Mail
Montag, 25. Mai 2009
Die Ratingagentur Standard & Poor's hat den Rating-Ausblick für Großbritannien von stabil auf negativ gesenkt und Kalifornien muss um Staatshilfe betteln, damit sie ihren Angestellten den Lohn bezahlen kann. So einfach wird es also nicht werden, sich mit Konjunkturprogrammen aus dem wirtschaftlichen Wellental empor zu hangeln.

Das Surferparadies Kalifornien steckt im Wellental. Der grösste Gliedstaat hat kaum mehr Zugang zu Bankkrediten, um einen Liquiditätsengpass zu überbrücken. Jetzt wird Bundeshilfe angefordert.

Während ein Grossteil der Ausgaben Kaliforniens im ersten Halbjahr anfällt, treffen die Einnahmen schwerpunktmässig erst im zweiten Semester ein.

Dieses Problem kennt jeder Staat und ist nun wirklich nicht neu.

Kaliforniens Treasurer Lockyer schreibt, dass ohne diese Überbrückungsfinanzierung die Entlassung vieler Polizisten und Feuerwehrleute droht und die Überweisungen an die Schuldistrikte stark gekürzt werden müssten.

Der Gliedstaat an der Pazifikküste leidet unter stark gesunkenen Steuereinnahmen und folglich unter einem riesigen Loch im Haushalt, das je nach Berechnungsweise bis 40 Mrd. $ beträgt. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Kalifornien unter der Immobilienkrise besonders stark zu leiden hat (der Boom war dort zuvor auch besonders ausgeprägt); die Arbeitslosigkeit liegt mit 11% deutlich über dem Landesdurchschnitt.


Mehr dazu: Kalifornien vor einem Liquiditätsengpass

Auch Grossbritannien kommt an die Grenzen der Schuldenfinanzierung .

Der Schuldenstand Großbritanniens könnte auf bis zu 100 Prozent der Bruttoinlandsproduktes (BIP) klettern und mittelfristig auf diesem Niveau bleiben, begründete S&P seine Entscheidung. Bei dieser Einschätzung seien zusätzliche Sparmaßnahmen schon berücksichtigt. Eine Verschuldung in dieser Größenordnung sei mit einem "AAA"-Rating für Langfristanleihen nicht vereinbar. Falls es tatsächlich zu einer Absenkung des Ratings kommt, dann dürften die Kosten für den britischen Schuldendienst merklich steigen.

Vorderhand ist das nicht viel mehr als eine Warnung, aber sie zeigt, dass die Schuldentürme nicht weiter unbesehen in den Himmel wachsen können. Die Politik wird es damit schwer haben, weitere Konjunkturprogramme anzuschieben. Somit stehen wir schon bald Sparmassnahmen im öffentlichen und sozialen Sektor gegenüber. Wie das dem Volk nach den Milliardenprogrammen zugunsten der Finanzindustrie beigebracht werden soll, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

Etwas einfacher ist es hingegen sich vorzustellen, dass unter diesen Voraussetzungen weiterhin die Deflation das Hauptproblem bleiben wird.

Trackback-URL  (Trackback)

Tag it:
Delicious
Furl it!
Spurl
NewsVine
Reddit
YahooMyWeb
Technorati
Mister.Wong

Kommentar-Feld ein/ausblendenArtikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 1639

RSS Kommentare Kommentare (1)

Geschrieben von: Mindtrap, am 25-05-2009 14:41
Nach dem Betteln kommt das Klauen. Sollten sich die Staaten nicht mehr auf dem Kapitalmarkt borgen können, was sie ohnehin nicht zu tilgen gedenken, dann werden sie aktiv aquirieren, sprich: Steuern rauf, Abgaben mit Nachdruck eintreiben, neue Abgabenarten und Zwangsbesteuerungen einführen. Dann ist G.O. in Sichtweite...

Zu Deinem "Wie das dem Volk nach den Milliardenprogrammen zugunsten der Finanzindustrie beigebracht werden soll, entzieht sich meiner Vorstellungskraft." - Falls es Dich tröstet, daß weiß noch keiner... :grin


Kommentar-Feld ein/ausblendenArtikel kommentieren

AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze


Pingback/Trackback Comments Pingbacks/Trackbacks (2)

Erhalten von: Kalifornien und Kanzas sind pleite - Erfahrungsberichte, Tipps und Tricks, Probleme trackback-website, am 26-05-2009 11:04 (TB)
Kalifornien und Kanzas sind pleite

Nun hat sich Kalifornien doch bis Mai durchgewurstelt. Es wird aber enger, wie Zeitenwende.ch

Erhalten von: Die Blicke in die Wirtschaft am 26. Mai 2009 « Blick Log pingback-website, am 25-01-2010 09:33 (PB)
[...] ZW: Die Grenzen der Konjunkturmassnahmen [...]

 
< zurück   weiter >

Blog-Verzeichnisse

Schweizer Blog Verzeichnis TopBlogs.de slug.ch Blogs, die hierher linken list.blogug.ch bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis Blogverzeichnis Bloggeramt.de investinformer.de - TOP100 Investment Sites Blogparade