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Die Geldmenge M3 sinkt erstmals in der Eurozone PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 6. Januar 2010
Völlig ausserhalb des medialen Radarschirms ist zum Jahreswechsel eine äusserst wichtige Meldung erschienen. Die Geldmenge M3 in der Eurozone ist per November zum ersten Mal seit Beginn der Statistik gesunken. Eine weitere Hiobsbotschaft für die Inflationisten und diejenigen, welche bereits den Aufschwung um die Ecke lugen sehen.

Wer begriffen hat, dass Geld und Schulden nur die zwei Seiten ein und derselben Medaille sind, dürfte ob der erstmaligen Schrumpfung der M3-Geldmenge aufhorchen. Denn wo kein Geld ist, ist auch kein Wachstum. Da inzwischen bereits manchen Staaten die rote Karte gezeigt wird in Form von angedrohten oder bereits vollzogenen Ratingrückstufungen, wird es in Zukunft auch schwieriger, staatlich orchestriertes Wachstum aufrecht zu erhalten.

M3 beinhaltet zwar nicht alle Schulden, aber die wichtigsten. Dazu gehören Bargeld sowie Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere und Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren Laufzeit.

Experten zufolge belegt die schwache Geldmengenentwicklung, dass auf absehbare Sicht keine Inflationsgefahr drohe.

Sag ich doch ;-)

Die Frankfurter Währungshüter dürften es vor diesem Hintergrund nicht eilig haben auf einen restriktiveren geldpolitischen Kurs umzuschwenken und ihre umfassende Liquiditätsversorgung für das Finanzsystem nur vorsichtig zurücknehmen.


Auch diese Einschätzung teile ich.

Sorgenkind der Ökonomen bleibt dagegen weiterhin die Kreditvergabe der Banken. So ging die Summe der an Firmen und Haushalte ausgereichten Kredite im November im Jahresvergleich um 0,7 Prozent zurück und war damit den dritten Monat in Folge negativ.


Und daran wird sich auch nicht viel ändern, wenn die Banken wieder sicherer werden sollen. Barclays hat dazu eine über 300-seitige Studie aufgelegt. Eine Kurzzusammenfassung gibt es bei Alphaville:

BarCap’s ‘credit surprise’ snapbackBarCap calculates the cost of ‘Too Big Too Fail’ und BarCap’s funding findings

Quelle: Geldmenge M3 schrumpft erstmals

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RSS Kommentare Kommentare (7)

Geschrieben von: Michael, am 06-01-2010 04:20
In Deutschland ist das M3-Wachstum sogar um 1,5 % gesunken. Das gab es übrigens um 2000 und 1995 auch schon. Undramatisch, aber wirklich kein "Aufschwung.

Geschrieben von: Carolus Magnus website, am 06-01-2010 16:08
Die großen Funds, Pensionskassen und sonstige Fonds ziehen wie immer zu spät ihr Geld aus den Geldmarktanlagen, was aber seit etwa 6 Wochen nun endlich der Fall ist und deshalb Auswirkungen auf die M3 hat.

Im Übrigen definieren EU, USA, CH, und andere M1, M2 und M3 völlig unterschiedlich. Du hast die Version der EU genommen.

Dieses Geld wird nun infolge zu tiefer Zinsen aus dem Geldmarkt herausgenommen um sie nun in Aktien, Rohstoffe, etc. zu investieren, nachdem sie das im März 09 begonnene Rally am Aktienmarkt verschlafen haben.

Also kein Grund zur Beunruhigung. Die Inflation wird schon noch kommen, stärker als uns lieb sein soll.

Liebe Grüsse
Carolus Magnus

Geschrieben von: HRR, am 07-01-2010 12:22
@Carolus Magnus

Man kann das Geld nicht einfach so abziehen, denn wo einer "abzieht", muss auch ein Käufer sein, wenn es sich um kurzfristige Geldmarktpapiere und Schuldverschreibungen handelt.

Geschrieben von: physiker, am 07-01-2010 19:31
Oh, auch mein Lieblingsthema, wie kann Geld weniger werden. Vor einiger Zeit hat sich dazu doch meine Meinung geändert, es geht schon!
Die Geschichte geht so:
Wenn´s den Geschäftsbanken zu gut geht verschenken sie Geld indem sie Kredite für alle möglichen Geschäftsideen gewähren. Es werden Leute eingestellt, die mit Fug und Recht behaupten ihr Geld verdient zu haben als Lohn für die geleistete Arbeit. Derweil fängt die Wirtschaft an zu brummen und alle diversen Vermögenswerte steigen. Einige der Leute wissen nicht wohin mit ihrem verdienten Geld und kaufen sich die unter Umständen schon teuren Vermögenswerte.
Auf einmal stellt da einer fest, dass die geleistete Arbeit viel zu gut bezahlt wurde weil die verrichtete Arbeit keine neue Arbeit erbringt, die auch wieder neue Arbeit aber positive, nicht etwa Arbeit die irgendwelche Schäden beseitigen muss, ermöglicht.
Ja ganz einfach, dass die Kredite nicht mehr mit neuen Krediten bezahlt werden können.
Dann kriegen die Banken kalte Füße und überlegen sich, wie sie das Geld zurückholen können. Zum Glück haben die Lohnempfänger ja ein Teil des Geldes in z.B. Aktien umgetauscht, die sie teuer den Banken abgekauft haben. Und jetzt geht´s los. Jetzt verkaufen die Banken die Aktien um ausgefallene Kredite zu begleichen und setzten die Kurse unter Druck.
Dann wird Panik verbreitet und die privaten Aktienbesitzer treiben die Aktien freiwillig in den Keller. (Aktien als pars pro totum) Aber zum Glück bieten die Banken ja dem gewieften Anleger die Möglichkeit mit entsprechenden Produkten auch in einem solchen Umfeld sein Geld zu vermehren, während sie selbst mit billigem Notenbankgeld die billigen Aktien wieder einsacken und die Kurse dabei hochtreiben.
Ich frag mich nur wie die die Begleitmusik hinkriegen, wie: auf einmal geht´s mit der Wirtschaft wieder aufwärts, wer hätte denn das gedacht!? Naja, jedenfalls beginnt das Spiel so von neuem.
Die Geldvernichtung entsteht also in der Bank, durch den Verkauf von Vermögenswerten um die eigenen Bilanzen wieder auszugleichen.

Ob jetzt etwas anders ist und das Ganze diesmal viel schlimmer und tiefgreifender ist muss man daran festmachen ob die Lohnempfänger genug börsengehandelte Vermögensprodukte gekauft haben, somit die Preise hoch genug getrieben wurden, damit die Banken noch am Anfang der Kursrückgänge durch den Verkauf genug einnehmen konnten. Wenn nicht, was zu befürchten ist, dann bleibt´s deflationär.
Aber nicht zu lange auf dem Gesparten sitzen! Entweder wird es irgendwann gestrichen oder aus Angst davor dass es gestrichen wird, wird es ausgegeben, was Inflation erzeugt.
Die Merkel hätte vielleicht besser gesagt: Die Einlagen sind n o c h sicher. ;)

Geschrieben von: HRR, am 07-01-2010 19:43
@physiker

Schöne Theorie, nur sie hinkt gewaltig. Banken haben nur sehr wenig Aktien. Banken sind also in fast allen Fällen nicht Käufer/Verkäufer sondern Vermittler von Börsengeschäften.

Dass es bei den Schrottpapieren anders gelaufen ist, hat einen ganz speziellen, bis heute nicht untersuchten Grund. Banken haben Zweckgesellschaften gegründet, die Papiere aufkaufen (nur Obligationen, keine Aktien), um damit zusätzliche Nachfrage zu generieren. Inzwischen wurden die meisten dieser Zweckgesellschaften wieder aufgelöst und zurück in die Bilanz genommen (speziell die Landesbanken).

Dass Zweckgesellschaften in der Bilanz nicht konsolidiert werden mussten und dennoch verlustwirksam wurden ist ein Unding und juristisch absolut nicht haltbar. Nur wagt sich niemand an diese Geschichte.

Geschrieben von: physiker, am 08-01-2010 10:50
@HRR
War mir schon klar gewesen, dass die Banken ihre Gewinne viel indirekter generieren als durch Aktien An- und Verkauf, deshalb sagte ich auch Aktien (pars pro totum).
Aber ganz egal, solange sich der Sparer über Festgeldkonten und ähnliches hinaus auf nichts mehr einlässt, hat´s die Bank schwer das Geld wieder zurückzuholen, das von Kredit in Lohn und Verdienst umgewandelt wurde.
Danke für die Info mit den Zweckgesellschaften, werde versuchen das besser zu verstehen.

Geschrieben von: Der Schweizer Narr website, am 25-01-2010 11:34
Ich wäre vorsichtig, da jetzt schon etwas herauslesen zu wollen, was die zukünftige Inflation anbetrifft.
- Änderung in der Zinspolitik hatten in der Vergangenheit oft erst nach Verzögerung von Monaten bis Jahren eine Auswirkung auf den M3.
- Seit Jahren erhöht sich derjenige Teil von M3 dramatisch, welcher im Besitz der Superreichen ist.
- Eine Senkung der Warenkorbpreise im Westen ist kaum mehr weiter vorstellbar, wegen des Aufstiegs der aufstrebenden Märkte wie China.
- Ein grosser Teil von M3 befindet sich zudem in den Reserven anderer Länder.
- Die Bilanzmethoden der Banken haben sich verändert, was die Berechnung von M3 unsicherer macht.
- Was in den Aktienmärkten seit März 2009 geschah, dies spiegelt sich wohl erst mit Verzögerung im M3, weil vermutlich demnächst ein Teil der Gewinne wieder abgegeben werden muss.

Ich würde ab Mitte 2010 nach wie vor von einer ansteigenden Inflation ausgehen.


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