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Die Fehlkonstruktion Euro kommt auf den Prüfstand PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 15. Dezember 2009
Was Skeptiker schon bei der Einführung sagten, Politiker aber partout nicht hören wollten, wird jetzt in der Krise wieder zum grossen Thema. Der Euro ist eine Fehlkonstruktion. Doch kaum jemand wollte das wahrhaben, obwohl die Beruhigungspille "Maastricht-Kriterien" schon lange seine Wirkung verloren hatte. Die Zurückstufungen der Ratingagenturen im Falle Griechenlands haben jetzt die Probleme wieder ins Blickfeld der Oeffentlichkeit geholt.

Das Haushaltsdefizit soll nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen und für die Staatsverschuldung gilt ein Richtwert von 60 %, den die Länder erfüllen oder an den sie sich kontinuierlich annähern sollen, so hiess es damals bei den Maastricht-Kriterien. Doch von Annäherung keine Spur. Griechenland soll laut Schätzungen 2011 eine Haushaltsverschuldung von 135 Prozent erreichen. Ueberraschend kommt das nicht.

Vor Aufnahme der südeuropäischen Länder in den Euro-Verbund hatte damals auch die deutsche Bundesbank gewarnt. Dennoch wurden die Club-Med-Länder ins Währungsboot geholt. Die Politik hatte über die wirtschaftliche Vernunft gesiegt. Was danach kam, war die logische Folge eines Zusammengehens unterschiedlich starker Partner.

Die schwachen Länder profitierten gleich doppelt. Sie wurden durch EU-Hilfen aus den Brüsseler Töpfen gemästet und kamen in den Genuss von Zinsen, die sie zuvor nie gekannt hatten. Die Tiefzinsphase führte zu einem Immobilienboom und lascher Wirtschaftspolitik. Alle Ampeln standen auf Grün. Die Bankanalysten hatten ein neues Investment-Eldorado gefunden mit dem Namen PIGS, welches für Portugal, Italien, Griechenland und Spanien steht. Just also jene Länder, die neben dem inzwischen lahm gewordenen keltischen Tiger für grösste Unruhe im Euro-Land sorgen.

Die Wachstumseuphorie basierte auf dem billigen Euro-Geld. Doch irgendwann kommt jede Verschuldungsorgie an seine Grenzen. Griechenland lässt grüssen. Die anderen Club-Med-Ländern stehen auch bereits auf der Matte. Eine schwierige Ausgangslage. Man könnte nun auf den EU-Vertrag verweisen, der es ausdrücklich verbietet, dass Staaten ihre Schulden auf andere Mitgliedstaaten abwälzen. Nur helfen wird das nicht. Wenn Griechenland die Verschuldung kappt, dann mit den entsprechend negativen Folgen für die Wirtschaft. Tut sie das nicht, dann sinkt das Vertrauen der Finanzmärkte und Ratingagenturen weiter. Egal wie sich Griechenland - mit oder ohne Druck von aussen - entscheidet, ein Spaziergang wird es nicht werden. Die Möglichkeit, durch Abwerten der Währung, wie es südeuropäische Länder in der Vergangenheit immer getan haben, die Krise auszugleichen, bleibt ihnen auf jeden Fall verwehrt.

Die Nordeuropäer werden den Griechen also zu Hilfe eilen müssen, wenn sie den Euro nicht in eine Vertrauenskrise stürzen wollen. Es ist ein Ausgleich mit anderen Mitteln. Bezahlt hat der Norden schon seit Jahren - via Brüssel und zu hohe Zinsen. Wir haben es jetzt nur mit einer kommenden Beschleunigung zu tun.

Griechenland hat schamlos gelogen
Griechenland - ein PIGS Problem

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RSS Kommentare Kommentare (7)

Geschrieben von: egghat website, am 15-12-2009 23:23
Ich glaube, dass eines der größten Probleme der Eurozone ist, dass es zwar Kriterien gibt, die einzuhalten sind, aber keine Strafen, die bei der Verletzung eintreten.

Schlimmer eigentlich noch, dass es Strafen fast nicht geben kann. Wenn jemand zu viele Schulden macht, kann man ihm schlecht noch zusätzlich mit Geldstrafen zuballern. Das ist wie einem nacktem Mann in die Taschen zu greifen.

Aber Griechenland, Irland, Portugal: Länder, mit weniger Einwohnern als Bayern oder NRW. Who cares? Die kann man im Notfall rauswerfen. Aber wenn Spanien oder Italien wackeln, wird's spannend ...

Dann wird der Euro wieder auf den alten D-Mark-Block zusammengestutzt

Geschrieben von: HRR, am 16-12-2009 08:28
@egghat

Ich glaube eher, dass die Deutschen zahlen, als dass der Euro durch die Luft fliegt. Schaumer mal....

Geschrieben von: Max, am 16-12-2009 10:01
Der Euro fliegt nicht in die Luft. Nicht wegen den PIGS, zumal D und F 49% des Euroraum-BIPs ausmachen. Nur dort spielt die Musik.

Strafen mag es zwar keine geben, aber politische Beschlüsse können getroffen werden. Zum einen Regelungen zur Gängelung von Währungsspekulationen (steht ja eh auf der Agenda) und Zwangsverwaltung von Griechenland, sprich: die EZB/Euro-Gruppe übernimmt de facto das griechische Finanzministerium.

Bei Kommunen in D läuft das ja oft so, daß sie dann mit einer anderen Kommune zusammengeschmissen werden. Tja... Freistaat oder Departement Griechenland?^^

Geschrieben von: Michael, am 16-12-2009 13:08
Eigentlich baut nicht nur Griechenland darauf, dass im Wesentlichen die Deutschen zahlen.
http://www.wrensoft.com/zoom/worldfactbook/search.php?zoom_q uery=datafile
Bei den Deutschen gäbe es garantiert auch heute noch eine absolute Mehrheit für die Deutsche Mark. Leider wird das ausfallen.

Mal sehen, wann wir nach dem englischen und polnischen Euro den eidgenössischen Euro begrüßen dürfen ?
http://www.numis.ch/de-ch/dept_164.html

Nee, letztlich wurde der Euro geschaffen, um Forderungen der Sozialsysteme zu entwerten. Deshalb haben sich die Länder, die einigermaßen solide aufgestellt sind, nicht unter die Fittiche der EZB begeben. Jedes Volk hat auch die Währung, die es verdient.

Geschrieben von: kosh, am 16-12-2009 13:50
Quote:


Der Euro ist eine Fehlkonstruktion.



In Bezug auf wen oder was?

Quote:
Doch kaum jemand wollte das wahrhaben, ...



Sollte es nicht eher heissen, "kaum jemand sollte das wahrhaben"? Ob BIP oder Blubb, hegemoniale Vordenker dürften sich für solche Details auch heute nur am Rande interessieren. Tatsache ist, dass via Zentral-Brüssel, Einheitswährung und neuerdings EU-Verfassung inkl. Kriegs- und Armeeklauseln Europa so gewollt in eine kontrollierte Abhängigkeit hineinmanövriert wurde und noch wird. Dieses Manöver ist bis heute nicht abgeschlossen, es wird auch erst dann zum Stillstand kommen, wenn eine Gegenkraft Paroli bietet. Angenehmer Nebeneffekt ist eine relative Ära des Friedens, wenn man von wachsenden Kollateralschäden im Nahen und Mittleren bis Fernen Osten und auf afrikanischem Boden absieht. Aus Sicht jeder Macht und selbstverständlich auch der EUSraEliten gilt es, stets die 3 Hauptthesen im Auge zu behalten:

1) divide et impera!
2) ordo ab chao!
3) cui bono?

Für Europa im Allgemeinen und die EU im Besonderen an These 2 festgemacht: Streit in Europa führt automatisch zu Gelegenheiten für ordo ab chao. Aus beiden Weltkriegen sind die USA als lachende Dritte gestärkt hervorgegangen und sind bis heute die dominierende Hegemonial-Macht, wenn auch auf einem absteigenden Ast. Die Überdehnung war zu erwarten und wurde auch seit längerem so vorausgesagt. Um so wichtiger war und ist es, zuverlässige Verbündete rechtzeitig ins Boot zu hieven, nur waren die Europäer noch nie bekannt dafür, als besonders vertrauenswürdige Partner zu gelten. Das sollte sich mit einer Art Vereinigte Staaten von Europa, wenn man so will USE unter dem Decknamen EU ändern.

Die EU ist eine politische Allianz, wirtschaftliche Aspekte treten dahinter zurück und haben dem politischen Ziel zu dienen. Damit wird der Euro zu einem politischen Projekt, nicht einen wirtschaftlichen und muss in erster Linie als solches analysiert werden. Ich vertrete die Auffassung, dass eine Zeitenwende nicht durchschaut werden kann, wenn man sich die Tagesagenda von der übergeordneten Macht vorschreiben lässt. Praktisch heisst das, die Politik ob der wirtschaftlichen Verwerfungen nicht aus den Augen zu verlieren. Die Hofberichterstattung hat aber genau das Gegenteil davon zur Aufgabe, nämlich uns Pöpel tagtäglich mit Beschäftigungstherapien einzudecken. Eines der gewaltigsten Schauermärchen hält uns bis heute im Bann, der Fall der Türme. Wir gnagen Tag für Tag zur Belustigung der PRopagandabeauftragten an der WTC-Keule, verschwenden unsere Zeit mit sinnlosen Debatten unter dem Dach von Pisa und konfontieren uns mit Herz und Seele, dass nicht sein kann was nicht sein darf.

Natürlich ist es richtig, dass der Euro eine Fehlkonstruktion ist, unter den Gesichtspunkten des offiziellen Drehbuchs, zwischen den Zeilen ist er eine gelungene Demonstration von ordo ab chao! Der Euro soll scheinbar unauflösbare wirtschaftspolitische Fakten schaffen um Europa auf der Seite der EUSraEliten zu halten, um die Bande gegen den Osten mit jeder geplanten Krise noch stärker zusammenzuschweissen, die zwischenstaatlichen Abhängigkeiten fördern. Ist eigentlich jemandem aufgefallen, wie die USA seit dem 1. über den 2. Weltkrieg und mit dem Fall der Mauer ihren Einfluss Stück um Stück nach Osten ausgedehnt haben? Man schaue bitte auf entsprechenden Landkarten um, z.B. die Ausdehnung der NATO bis vor die Haustüre Moskaus. Um das zu erreichen braucht man Ordnung im Haus, und wenn Ordnung durch Chaos erreicht werden kann, dann wird das auch gemacht. Jedes Mittel ist recht.

Nun haben wir den nächsten der vielen Höhepunkte des Projekts erreicht, es ist wieder mal eindeutig Chaos in der EU, dank dem darauf angelegten Euro. Und Alle Welt schielt auf die Symptome statt auf die Ursachen, schreibt sich die Finger wund, man faselt sich die Stimmen heiser - die Beschäftigungstherapien sind grossteils zum Selbstläufer geworden, die meisten von uns lassen sich bereits freiwillig auf das Spiel ein - während parallel Anschauungsunterricht bei den Bankenboni geboten wird: Die Ursachen ausgeblendet, die Symptome wie geplant mit noch mehr vom Falschen behandelt und wenn's brenzlig wird, umsatzsteigernde Sündenböcke durch die PRopaganda-Landschaft geschleift. Brot und Spiele auf höchstem Niveau, in der Arena stehen die Schweine, die PIGStaaten, was wird als nächstes geschehen?

Quote:
Die Nordeuropäer werden den Griechen also zu Hilfe eilen müssen, wenn sie den Euro nicht in eine Vertrauenskrise stürzen wollen.



Stichwort "müssen", denn genau so soll das sein, ordo ab chao, Planwirtschaft Marke Westen. Ich schliesse mit meinem Veto: Der Euro ist keine Fehlkonstruktion, er ist ein erfolgreiches (finanzpolitisches) Mittel zum (mitlitärisch-industriellen) Zweck. Der Euro sollte damit (eigentlich) ausreichend Bestätigung liefern, warum die Schweiz historisch den Weg der Isolation bevorzugte und das auch weiterhin tun sollte.

Die Amis auf Kurs

Grüsse
kosh

Geschrieben von: Zyniker, am 17-12-2009 21:18
Früher oder später werden auch die Deutschen und die Franzosen unter Ihren "versprochenen" Rentenverpflichtungen zusammenbrechen. Wenn dann die Kernländer vor einem Refinanzierungsproblem stehen muss die EZB wirklich kreativ werden. De fakto haben wir ja bereits ein Bundesland das pleite ist....Berlin :cry

Geschrieben von: Kai website, am 01-04-2010 18:38
Tja hätte man die Bevölkerung gefragt, ob wir den Euro wollen, wäre er wohl nie gekommen. Es ist schon wirklich traurig, wenn man sich überlegt, wieviel man sich heute mit der guten alten deutschen Mark leisten könnte. Ich glaube da profitieren andere EU-Länder eher von, für uns war es aber wohl ein Griff ins Klo.


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