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Freitag, 17. Februar 2012 |
Das Ausland blickt neidisch auf Deutschland. Die Wirtschaft brummt, die
Unternehmensgewinne steigen und die Arbeitslosigkeit sinkt. Also alles
in Butter? Nein, was das Ausland nicht zur Kenntnis nimmt, ist der
Preis, den die Deutschen dafür bezahlen. Der Exportweltmeister hat
seine Schattenseiten.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg im Boomjahr 2010 die
Zahl der Minijobber, Teilzeitbeschäftigten, Menschen mit befristeten
Jobs oder in Zeitarbeit um 243 000 auf 7,84 Millionen. Der Preis für
diesen Beschäftigungszuwachs ist hoch. Seit 2000 ist es den deutschen
Arbeitnehmern nicht gelungen, ihre Löhne zu steigern. Wer zu den
Geringverdienern zählt, muss heute sogar mit bis zu 22 Prozent weniger
auskommen.
Geschaffen wurde dieses Modell, um Deutschland
wettbewerbsfähig zu machen. Erreicht wurde eine totale Abhängigkeit vom
Ausland, wie der folgende Chart zeigt.

Deutschland ist also
gezwungen, die Bonität seiner ausländischen Clientele aufrecht zu
erhalten, wenn es die Arbeitsplätze im Export weiter behalten will. Es
steckt in der gleichen Falle wie China gegenüber den USA. Die Rettung
der südeuropäischen Länder ist nicht eine Frage von Nächstenliebe,
sondern von politischem Kalkül.
Natürlich wäre es cleverer,
die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren. Doch das
wollen jene Unternehmer nicht, die deutsches Handwerk zum Billigpreis
haben können. Sie bestimmen die Agenda und viele glauben ihnen und
hoffen, dass das Exportwunder seinen warmen Regen über alle giessen
wird. Die Fakten sehen anders aus. Geringverdiener fallen als
Konsumenten aus. Das Handwerk verliert seine Kundschaft.
Deutschland
ist in Europa wirtschaftlich führend, doch wenn es um das Wohlbefinden
der Bevölkerung geht, stimmt das nicht. Stress wurde zur
Volkskrankheit. Depressionen steigen im Gleichschritt mit
Burn-Out-Raten. Der Werbespruch "Arbeit muss sich wieder lohnen" hat
den Weg von den Plakaten nie in die Realität geschafft. Das ist
ökonomisch ein Desaster. Wer nur auf die Kennzahlen der Konzerne
blickt, verkennt die tatsächliche Rechnung. Der Sozialstaat bezahlt die
Folgekosten. Die Gleichung, was gut ist für den Export, ist gut für
den Staat, muss neu kalkuliert werden unter Berücksichtigung der
Transferleistungen.
Südeuropa ist nur die Kehrseite der
Medaille des germanischen Exportwunders. Sie bedingen sich gegenseitig.
Handelsbilanzüberschüsse genau so wie Defizite beweisen vorallem eines,
dass die grenzüberschreitende Wirtschaft nicht ausgeglichen ist zum
Nachteil beider Seiten. Für Deutschland wäre die Lösung einfach:
Abschaffen der Dumpinglöhne. Das ist auf Dauer billiger als
Subventionen und Kredite in den Süden zu senden, doch stattdessen
werden die Mindestlöhne der Griechen gekürzt. Das wird nicht zu mehr Wohlstand führen, ganz und gar nicht.
Arm trotz Arbeit (MDR)
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Geschrieben von: Sven, am 22-02-2012 21:34 Was mir bei diesem Post fehlt, ist die Entstehung dieser Exportgläubigkeit der Edelgermanen. Soweit wie ich das sehen, war der Export ein Zufallsprodukt im Kaiserreich, aber nach WK1 ein Zwang zur Begleichung der Reparationen, vergleichbar der Folgezeit nach WK2. Will sagen: der Exportwahn ist von den Allierten kontraproduktiv indiziert und bis heute nicht ernsthaft hinterfragt. Bspw. von den Gewerkschaften. Artikel kommentieren
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