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Der Weg in die Hölle PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 4. November 2009
... ist mit guten Absichten gepflastert. Die US-Regierung möchte den Managern, welche von Staatshilfen profitiert haben, die Boni bis um 90 Prozent kürzen. Aehnlich verfährt jetzt auch Grossbritannien mit den Pleitefirmen Royal Bank of Scotland und Lloyds. Doch was nach einem Befreiungsschlag aussieht, wird nach näherer Betrachtung zu einem Schuss in den Ofen.

Auf Druck des britischen Finanzministers Alistair Darling dürfen die beiden teilstaatlichen Banken Lloyds und RBS in diesem Jahr nur jenen Mitarbeitern Boni in Bargeld auszahlen, die weniger als 39 000 Pfund pro Jahr verdienen. Alle anderen werden, wenn überhaupt, nur Aktien als Boni erhalten. Die Vorstands- und Verwaltungsratsmitglieder müssen ihre Bonuszahlungen komplett auf das Jahr 2012 verschieben. Damit will der Finanzminister sicherstellen, dass die Banker sich an langfristigen Zielen orientieren und nicht zu riskanten, kurzfristigen Geschäften verführt werden.

Mit der gleichen Absicht will nun auch die US-Regierung den Topmanagern von Firmen, welche in den Genuss von Staatshilfe kamen, die Gehälter und Boni kürzen. Die Vergütung der 25 bestbezahlten Manager soll durchschnittlich um 90 Prozent gekappt werden. Die Vorsitzende des Bankenrettungsschirms, Elizabeth Warren, bestätigte im Fernsehen Berichte über das geplante Durchgreifen.

Wer die Karre in den Dreck gefahren hat, soll also nun dafür bluten müssen. Das hört sich gut an, ist aber nicht zu Ende gedacht. Bestraft werden jetzt die Manager, welche die Banken wieder auf Kurs bringen sollen und nicht etwa jene, welche das Debakel verursachten. Wer heute bei einer dieser Banken anheuert, bezahlt nun den Preis für vergangene Fehler, während die Fehlerhaften sich mit den Boni von ihrem Arbeitgeber verabschieden können, um eine Stelle bei den Gewinnern der Krise zu suchen.

Nach marktwirtschaftlicher Logik gehen nun die Talente der Branche zu den Gewinnern der Krise, weil dort die Boni munter weiter sprudeln, während bei den Pleitefirmen nur jene arbeiten werden, die bei Goldman Sache & Co. keinen Platz finden können. Das Problem an den nun bekannt gewordenen Lösungsvorschlägen liegt somit darin, dass nicht die Verursacher die Zeche bezahlen, sonden diejenigen, welche die Firmen aus der Krise führen sollen. Das kann nicht im Interesse der Steuerzahler sein.

Doch das ist noch nicht alles. Bei der Betrachtung, welche Firmen bestraft werden sollen, gilt das Kriterium "Staatshilfe". All jene Banken hingegen, welche bis heute am Rockzipfel der Zentralbanken hängen, müssen keine Konsequenzen gewärtigen. Dabei ist es ein offenes Geheihmnis, dass alle Investmentbanken ohne die Rettungsprogramme von FED, EZB & Co die Krise nicht überlebt hätten. Inzwischen lagert Müll in unbekannter Höhe in den Bilanzen der Zentralbanken, Müll, der sicher eines Tages vom Steuerzahler entsorgt werden muss.

Wer von diesen Hilfen bis heute profitiert, ist unbekannt, da die Zentralbanken die Hilfen nicht öffentlich machen. Kurzum: die getroffenen Massnahmen führen zu einer weiteren Konzentration der Banken. Eine kleine Gruppe kommt in den Genuss aller Freiheiten und hat gleichzeitig Zugang zu den Zentralbanken. Damit werden sie noch grösser als sie bereits waren, bis sie eines Tag zu gross sein werden, um sich noch retten zu können ... und das könnte früher sein, als manche vermuten, vermutet Nouriel Roubini: Mother of all carry trades faces an inevitable bust

Briten stützen Banken mit neuem Milliarden-Paket
Regierung will Topmanagern Gehälter und Boni streichen

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RSS Kommentare Kommentare (3)

Geschrieben von: kosh, am 04-11-2009 15:30
Die "Freie Planwirtschaft"

Besonders gut gefällt mir an diesen Lösungsansätzen, dass sie nicht dem Markt überlassen wurden, sondern einem Plan entstammt, der sich als Freier Markt ausgibt:

Quote:


Nach marktwirtschaftlicher Logik gehen nun die Talente der Branche zu den Gewinnern der Krise, weil dort die Boni munter weiter sprudeln, während bei den Pleitefirmen nur jene arbeiten werden, die bei Goldman Sache & Co. keinen Platz finden können.



Genau, das ist der Plan. Und das:

Quote:
All jene Banken hingegen, welche bis heute am Rockzipfel der Zentralbanken hängen, müssen keine Konsequenzen gewärtigen.



Und das:

Quote:
Wer von diesen Hilfen bis heute profitiert, ist unbekannt, ...



... und das weil sich die "Freie Planwirtschaft" ein Schild um den Hals gehängt hat mit der Aufschrift "Freie Marktwirtschaft". Insofern ist eben jeder Markt ein Freier Markt, die Freiheit, die "ich" meine. Ein Blick auf die Praxis ...

Quote:
Kurzum: die getroffenen Massnahmen führen zu einer weiteren Konzentration der Banken. Eine kleine Gruppe kommt in den Genuss aller Freiheiten und hat gleichzeitig Zugang zu den Zentralbanken.



... und schon hat's click gemacht. Wie weiland die Blaublütigen entledigt sich der Bankadel seiner Pflichten und verlegt sich auf's Eintreiben der Steuern:

Quote:
Das kann nicht im Interesse der Steuerzahler sein.



Warum wohl hat dann der Steuerzahler die Einheitspartei in den USA und der Grosse Kanton die Kriegskanzlerin etc. etc. bestätigt? Ergo muss die Fort- seiner Ver- und Vorführung im ureigensten Interesse des Steuerzahler liegen, denn Alternativen hat er wohlweislich ignoriert.

Die Amis auf Kurs

Grüsse
kosh

Geschrieben von: Bernd website, am 06-11-2009 18:16
Dass Eingriffe in die internen Praktiken nicht leicht sind ist damit wieder erwiesen. Hier hat eben eine öffentliche Mainung etwas erzwungen (Reduktion der Boni) was auf den ersten Blick nicht schlecht klingt - aber an den wirklichen Gagebenheitenn völlig vorbeigeht. Das gesamte Bunussystem sollte mal hinterfragt werden. Ist wirklich nur über Boni ein "gutes" Arbeiteb der Manager sicherbar?

Geschrieben von: Ray website, am 10-11-2009 17:54
Ich denke hier sollte einmal das Wort Effizienzlohntheorie gefallen sein. Es ist eben nicht unbedingt notwendig fette Boni zu bezahlen um seine Mitarbeiter zu motivieren. Auch bei 90% Kürzung der Boni bleiben die Gehälter (insbes. in den USA) immernoch Anreiz genug denke ich.


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