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Der Staat als lender of last resort PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 30. September 2008
Nach der Ernüchterung breitet sich an den Börsen bereits wieder Hoffnung aus. Die Europäer haben es vorgemacht, wie der Krise beizukommen ist und der Umfaller der amerikanischen Politiker wird bereits als Unfall abgehandelt, der am Donnerstag korrigiert werden soll. Also wieder alles in Butter? Bei weitem nicht!


Die Kosten, um kurzfristig Geld auszuleihen, sind nach der Ablehnung des Rettungspakets in die Höhe geschossen und nähren die Befürchtungen, dass weitere Institutionen bankrott gehen könnten, schreibt Bloomberg.

Der Libor - London interbank offered rate - stieg um 431 Basispunkte auf einen historischen Höchstsatz von 6.88 Prozent. Der Euribor - Euro interbank offered rate - stieg für 1-Monats-Kredite auf 5.05 Prozent.

"Der Geldmarkt ist komplett zusammen gebrochen, ohne dass jeglicher Handel stattfindet", sagte Christoph Rieger, Fixed-Income Stratege bei der Dresdner Kleinwort in Frankfurt. "Die Zentralbanken sind die einzigen Cash-Lieferanten, kein anderer leiht noch Geld aus."

Die Differenz zwischen dem Zinssatz, den die US-Regierung bezahlt, um Kredit aufzunehmen für 3 Monate und dem Zinssatz den Banken bezahlen müssen für die gleiche Laufzeit - der sogenannte TED-Spread - ist auf 338 Basispunkte gestiegen. Die Differenz betrug noch vor einem Monat 110 Basispunkte.

Im Interbankenhandel geht gar nichts mehr und alle konzentrieren sich auf die Zentralbanken und Vater Staat. Ob der Staat damit aber sicherer wird, wenn ihm immer mehr Schulden aufgehalst werden, ist eine ganz andere Frage. Eine Frage, die sich zunächst aber nicht stellt. Denn jetzt geht es nur um das JETZT und alle vertrauen darauf, dass das Vertrauen wieder zurück kommt, wenn STAAT darauf steht.

Und Investoren bleibt vorderhand auch kaum eine Alternative, um ihr Geld anzulegen, wenn das Finanzsystem auf dem Prüfstand steht. Die kurzfristigen Staatsanleihen in Europa haben dementsprechend eine Rendite von nahezu Null Prozent. Das heisst, dass Investoren es vorziehen in Staatsanleihen ohne Verzinsung zu investieren als ihr Geld auf dem Bankkonto zu lassen. Kann es einen grösseren Vertrauensverlust geben?

Doch für die Gläubiger des Staates ist deshalb langfristig nichts gerettet, weil der Staat wegen der aktuellen Schuldenlast seine Schulden nur noch hochbuchen kann. Von einer Tilgung durch die Steuerzahler wird wohl kaum einer träumen. Die einzig mögliche Tilgung wäre die durch eine Reichtumssteuer. So würden die Gläubiger sich via Staat selber retten, in dem sie auf einen Teil verzichten, denn grosse Zahlen auf dem Vermögensausweis nützen nichts, wenn deren Einforderung zum Kollaps führen würde.

Libor Surges Most on Record After U.S. Congress Rejects Bailout


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RSS Kommentare Kommentare (4)

Geschrieben von: martin r, am 30-09-2008 14:47
Starker Artikel !
Die Deflationisten - Politik endet immer in der Hyperinflation, auch wenn es bis zum Schluß bestritten wird. Entweder würgen sie weiter bis in den Sudden Death - oder lassen die Druckerpresse an.
Dann öffnen sich die Banktresore wieder, denn wenn die Verluste durch Zurückhalten des Geldes zu heftig werden, schmeißt man es dann doch lieber auf den Markt. Deswegen gibt es bloß noch 2 Wege: schnelles Ende oder Inflationieren.

Geschrieben von: Jochen Hoff website, am 30-09-2008 15:17
Ein schnelles Ende würde Mut und Handlungskraft erfordern. Keine Chance. Man wir herumdoktern und inflationieren. Bis zum bitteren Ende.

Wir haben keine handlungsfähigen Manager und Politiker mehr. Wir haben nur Leute die nie gelernt haben Verantwortung zu übernehmen. Neoliberale eben.

Geschrieben von: HRR, am 30-09-2008 15:43
Reichtümer wachsen genauso wenig in den Himmel wie Immobilienpreise. Das zeigt schon die Geschichte. Ob die Milliardäre die Geschichte kennen, das wird sich weisen. Ich würde auf jeden Fall eine konstruktive friedliche Lösung einer destruktiven kriegerischen vorziehen. Die Hoffnung bleibt und mag sie angesichts der letzten Jahre noch so naiv sein :)

Geschrieben von: egghat website, am 30-09-2008 17:14
Zeitlich befristete Staatsgarantie für alle Bankschulden wie in Irland oder direkt Verstaatlichung aller Banken wie schonmal in Norwegen

http://egghat.blogspot.com/2008/09/irland-gibt-staatsgaranti e-fr-alle.html

Alles andere hilft nicht mehr ... Das Vertrauen ist komplett weg ...


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[...] durch die Krise immer mehr Reserven verlieren, dann werden sie irgendwann nicht mehr als “lender of last resort” auftreten können und selbst Probleme bekommen. Island könnte dafür ein Beispiel [...]

Erhalten von: Glarean Magazin trackback-website, am 10-06-2009 18:03 (TB)
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