|
Der König aller Krankheiten |
|
|
|
|
Mittwoch, 22. Februar 2012 |
Millionen Menschen haben gegen ihn gekämpft, unter ihm gelitten, doch
meistens ging er als Sieger vom Schlachtfeld: der Krebs. Siddhartha
Mukherjee, Onkologe an der New Yorker Columbia University hat eine
Biographie geschrieben über den König unter den Krankheiten. Das
Resultat ist ein Meisterwerk, kein medizinisches, aber ein
literarisches. Das Buch wurde mit dem Pullitzerpreis ausgezeichnet.
"So empathisch, so gelehrt, so instruktiv, mit so viel Beherrschung des
Gegenstandes und so viel Menschenliebe wird über Krankheit kaum je
geschrieben", schreibt ein Buchkritiker. Er hört sich wie ein Rezensent
zu einem Krimi an, der die verstörende Wirklichkeit in einen
literarischen Plot ummünzt. Und weiter, "das hindert einen nicht, bei
der Lektüre immer wieder fürchterlich zu erschrecken. Nicht bloß vor
dem Krebs und seiner Macht, sondern auch vor jenen, die ihn bekämpfen.
William Stewart Halsted etwa ersann in den 90er-Jahren des 19.
Jahrhunderts die "radikale Chirurgie" - eine Methode, die darin
bestand, immer mehr Gewebe aus Krebskranken zu schneiden, sie fast
auszuweiden, um der Krankheit Territorium wegzunehmen. Man erträgt kaum
die Erzählungen von jenen Brustkrebspatientinnen, die ihm in die Hände
fielen, der sie doch bloß retten wollte und ihnen deswegen die Brüste,
das Schlüsselbein, Muskelgewebe und weiß Gott was noch alles vom Leib
schnitt."
Die
Biographie des Kampfes gegen den Krebs liest sich wie eine Abhandlung
über die historische Entwicklung der Waffentechnologie. Das Böse soll
ausradiert werden. Immer modernere Mittel kommen zur Anwendung. Dabei
ist das Ziel ist immer gleich: Search and Destroy. Wie Terroristen
werden die Krebszellen gejagt, die Kollateralschäden werden mangels
Alternativen einfach hingenommen. Doch der Erfolg bleibt dürftig. In
den USA ist Krebs mittlerweile nach dem Herztod die zweithäufigste
Todesart. Was bleibt ist das ernüchternde Fazit des Autoren: Ein
Heilmittel ist eine absurde Vorstellung.
In seinem Buch
zieht Siddhartha Mukherjee Vergleiche zu geopolitischen Problemen. Wir
gehen mit ihnen um wie mit Krankheiten. Zerstörung soll das Ueberleben
sichern, schreibt der Autor. Der Erfolg ist äusserst bescheiden, wie
die vielen Schlachtfelder beweisen. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Doch
genau dort liegt das Problem. Wir müssen unsere Perspektive
ändern. Der Kampf gegen das Böse führt weder zu Frieden noch zu
Heilung. Versöhnung hingegen schon, das beweisen zahlreiche
Forschungsergebnisse. Mehr dazu in Bist du noch Opfer oder vergibst du schon?: Verstehen heißt Verzeihen
Der König aller Krankheiten: Krebs - eine Biografie (Trackback)
Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 1536
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze |