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Der Countdown läuft PDF Drucken E-Mail
Montag, 1. Dezember 2008
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Der Countdown läuft
Seite 2
Wer die Kreditkrise verstehen will, muss sich mit komplexen Zahlenstrukturen auskennen, ein Doktor in Quantenphysik in der Tasche haben und Macchiavelli aus dem Aermel schütteln können oder ... er sieht sich die Geschichte von Adolf Merckle an. Seine Geschichte um Fehlspekulationen rund um die VW-Puts und deren Folgen hat im Kleinen alle Ingredienzen, die die Kreditkrise im Grossen so gefährlich macht.

Es war einmal ein Milliardär, so könnte die Geschichte um Adolf Merckle beginnen, wobei die Betonung auf die Vergangenheitsform "war" gelegt werden muss, denn wie "reich" heute Adolf Merckle noch ist, darüber hätten auch die Banken gerne etwas mehr gewusst. Kein Wunder also, wollten sie sofort die Kredite zugunsten des Firmenkongomerats des Schwaben kündigen, als bekannt wurde, dass Merckle mit VW-Spekulationen einen 3-stelligen Millionenbetrag in den Sand gesetzt hatte.

Doch wenn jeder das richtige tut, kann es für alle am Ende falsch herauskommen, sprich: Hätten die Banken die Kredite gekündigt, dann wären im Merckle-Konglomerat die Räder still gestanden, was den Wert der Beteiligungen hätte erodieren lassen. Deshalb hatten sich die Banken entschieden, vorerst gar nichts zu tun und Merckle Zeit zu geben, Zeit bis morgen Dienstag.

Auf den ersten Blick scheint das Verhalten der Banken nicht nachvollziehbar zu sein, denn wo ist denn das Problem, wenn ein Milliardär einen 3-stelligen Millionenbetrag verzockt? So einfach ist es eben nicht. Schauen Sie mal:

Die Kötitzer Ledertuch- und Wachstuchwerke AG soll Verluste von 216 Mio Euro mit Optionsgeschäften und dem Verkauf von Wertpapieren realisiert haben, schreibt das Handelsblatt. So what?, werden Sie vielleicht bei dieser Nachricht denken und vielleicht haben Sie das auch gedacht als Sie erstmals von Verlusten der IKB hörten. Wenns weiter nichts ist...

Doch die Geschichte fängt hier erst richtig an, denn die Firma dient seit Jahren als Drehscheibe für die Wertpapiergeschäfte von Adolf Merckle.

Mit Abstand wichtigster Vermögensgegenstand der Gesellschaft ist eine Beteiligung von knapp 50 Prozent sowie ein Darlehen von mehr als 1,3 Mrd. Euro an die Spohn Cement GmbH, eine weitere Holding der Merckle-Gruppe. Spohn Cement wiederum hält rund 53,6 Prozent an der hochverschuldeten Heidelberg Cement (weitere 25,4 Prozent liegen bei VEM).

Derzeit schließt Kötitzer Leder nicht aus, dass der starke Wertverlust bei Heidelberg Cement zu einer Abschreibung auf den Buchwert von Spohn Cement zwingen könnte. VEM ist über eine weitere Zwischenholding von Merckle indirekt zu knapp 30 Prozent an Kötitzer beteiligt. Außerdem hat VEM Kötitzer ein Darlehen von rund 425 Mio. Euro gewährt. Dieses wiederum wurde an Spohn Cement für deren Engagement bei Heidelcement weitergereicht.
(Quelle)

Das alles ist ziemlich kompliziert. Auf einen Nenner gebracht könnte man auch sagen, der Verlust des einen schlägt auf die Wirtschaftlichkeit des anderen durch und das feuert wieder zurück: eine unheilvolle Spirale. Womit wir wieder bei der Weltwirtschaft wären. Hier läufts genauso und die Staaten versuchen mit allen möglichen Mitteln das Domino zu stoppen. Ob es wohl gelingen wird...



 
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