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Der Bankenhimmel verdüstert sich wieder PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 29. Juli 2009
Obwohl das Ziel einer Bilanz ist, dem Aktionär Einblick in die Bonität eines Unternehmens zu gewähren, ist dies bei einer Bank nicht möglich. Jahrelange Lobbyarbeit hat zu einem solchen Wust an Sonderregeln und Ausnahmen geführt, dass eine objektive Beurteilung durch einen Aussenstehenden nicht mehr möglich ist. Das hat die Finanzkrise eindrücklich gezeigt. Selbst die Banken hatten keine Ahnung, wie es um die Konkurrenten steht. Dennoch kommen jetzt auf die Banken ein paar Entwicklungen zu, die gefährlich sind, sofern die Regeln nicht noch mehr aufgeweicht werden.

Toxische Wertpapiere bleiben eine schwere Hypothek für das Eigenkapital europäischer Banken. Die Ratingagentur Moody's prüft derzeit noch strukturierte Wertpapiere im Volumen von 1,7 Billionen Dollar auf eine Herabstufung hin. Das geht aus einer aktuellen Übersicht ("Quick Check") der Ratingagentur vom 27. Juli hervor, schreibt das Handelsblatt.

Wer nun glaubt, dass dies keine Rolle spielt, da die Preise schon längst im Keller sind und die Ratingagenturen mit ihren Noten nur den Preisen hinterher springen, der sieht sich getäuscht. Der Preis ist zwar für jedes Unternehmen das Kriterium, um sein Lager zu bewerten. Nicht so für die Banken. Sie haben einen enormen Spielraum, wie sie Wertschriften bewerten und niemand weiss, wer wieviel auf diesen Positionen abgeschrieben hat.

Wichtig hingegen sind für die Banken die Ratings, denn nach ihnen richtet sich die Eigenkapitalunterlegung. Das Handelsblatt dazu:

Die Berechnung des benötigten Eigenkapitals hat nichts damit zu tun, zu welchem Wert eine Anleihe in den Bankbilanzen verbucht ist. Ein Beispiel: Für ein Wertpapier im Volumen von einer Mio. Euro der Topbonitätsnote „AAA“ muss eine Bank 5 600 Euro Eigenkapital hinterlegen. Sinkt die Note um fünf Stufen auf „A“, braucht sie schon 9 600 Euro. Fünf Stufen tiefer sind bereits 80 000 Euro nötig. Bei Ratings der Ramschkategorie schwankt der Bedarf sogar zwischen 200 000 und einer Mio. Euro.

Und da kommt jetzt einiges auf die Banken zu, die europäischen notabene, denn...

"Die US-Banken haben dieses Problem nicht, da die noch den Eigenkapitalregeln von Basel I unterliegen", sagt Backhaus. In Europa seien dagegen schon die Basel-II-Regeln gültig. "Das kann für einige europäische Banken ein großes Problem darstellen."

Die Bürokratie entscheidet somit, wie es um eine Bank steht und nicht die tatsächlichen Werte der Wertschriften. Das ist aus heutiger Sicht insofern gut, da bei einer realistischen Bewertung die meisten Investmentbanken schon längst bankrott wären. Doch der ist bislang nicht vom Tisch, wie auch die folgende Meldung zeigt, die egghat herausgefischt hat...

Standard & Poors hat die Ratings des Anleihenversicherers Ambac von BBB auf CC heruntergestuft. Zusammen mit MBIA gehört Ambac zu den grössten Anleihenversicherern, deren Industrie gesamthaft über 1 Billion an Anleihen garantiert, Garantien für die ihnen jetzt das Geld fehlt, was unweigerlich auf die Banken zurückschlägt.

In diesem Kontext ist auch zu verstehen, weshalb die Ratingagenturen unter Druck gesetzt werden und Standard & Poors ist auch bei den Gewerbeimmobilien schwach geworden, wie kürzlich berichtet:

Nach einem regelrechten Sturmlauf der Investoren hat Standard & Poor's die Herabstufung von Wertpapieren, die mit Gewerbeimmobilienkrediten besichert sind, wieder rückgängig gemacht.

Tja, entweder entfernen sich die Bankbilanzen noch weiter von der Realität oder weitere Rettungspakete müssen geschnürt werden. Beides keine schönen Aussichten. Für die ausgewiesenen Gewinne hingegen finde ich schon längst keine Worte mehr.

Banken fürchten weitere Abstufungen
Credit-Suisse-Topkader machen Kasse 
Eine transatlantische Arbeitsgruppe hochrangiger Bilanzexperten ist bei ihrer Analyse der Finanzkrise zu einem verblüffenden Ergebnis gekommen: Die Bilanzzierungsregeln hätten dazu geführt, dass sich die Krise nicht verschärft, sondern die Verluste der Banken sogar noch unterschätzt wurden, so das Ergebnis der internationale Expertengruppe. (Quelle )
 

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