Zeitenwende.ch        WIRTSCHAFT - geschüttelt statt gerührt
Das Scheitern der Behörden PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 1. Januar 2009
Die Schweizer Nationalbank wurde bei der Krisenbewältigung überall gelobt. Völlig zu unrecht, meint der zurück getretene CS-Chef Oswald Grübel. Er legt damit den Finger auf einen wunden Punkt, denn die SNB hatte die Krise genau so wie die BIZ sehr früh erkannt und nicht gehandelt. Doch weshalb?

Oswald Grübel im Tagesanzeiger-Interview

Hat die Bankenaufsicht versagt?

Die Aufsicht hat nicht funktioniert.

Weshalb?

Die Nationalbank hat schon 2005 darauf hingewiesen, dass die beiden Grossbanken zu hohe Bilanzen hatten im Vergleich zum Eigenkapital. Nur, warum hat sie nicht mit der Eidgenössischen Bankenkommission zusammengearbeitet? Diese hätten die Banken zwingen können, ihre Positionen herunterzufahren. Wäre das 2006 passiert, hätten wir etwas weniger verdient, würden heute aber besser dastehen.

Sie wären der Erste gewesen, der aufgeheult hätte.

Natürlich hätten wir uns gewehrt. Wir haben ja verdient wie die Weltmeister und mit weniger Fremdkapital hätten wir weniger Gewinn gemacht. Aber es gibt Momente, in denen eine Aufsicht sagen muss, was gilt. Macht eine Aufsicht das, was der von ihr Beaufsichtigte will, ist sie keine Aufsicht.
 
So eindeutig hat noch kaum ein Manager gesagt, dass Gier das Hauptproblem der Krise war. Als Unternehmer hätte er die Erkenntnisse der SNB aus Gründen des langfristigen Ueberlebens ernst nehmen müssen. Er war aber Manager und sein persönlicher Erfolg hing vom jeweiligen Jahresergebnis ab.

Nichtsdestotrotz hatte er natürlich recht mit seinem Einwand, dass die Behörden hätten handeln müssen. Weshalb haben sie es also nicht getan?

Dazu muss man sich ins Jahr 2006 zurück versetzen. Damals gab es nur ein paar wenige, welche auf die sich ungesund aufblähenden Banken hinwiesen. Für die meisten war damals einfach alles super und jegliche Kritik am aktuellen Stand der Dinge lächerlich. In diesem Umfeld strengere Regeln durchzusetzen wäre zwar richtig aber auch äusserst unpopulär gewesen. Es braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, wie alle Experten auf die Behörden eingeschlagen hätten. Dazu muss man entweder masochistisch veranlagt sein oder voll und ganz auf seinen inneren moralischen Kompass setzen - eine seltene Eigenschaft in profitorientierten Zeiten.

So bleibt also die Frage "Wozu noch Behörden?", wenn sie nicht zu unpopulären Massnahmen gegen Grosskonzerne greifen. Alle jetzt aufkommenden Regulierungen werden uns vor diesem psychologischen Problem auch in Zukunft nicht schützen. Die Bürokratie wird zunehmen, die Sicherheit sicher nicht.

Trackback-URL  (Trackback)

Tag it:
Delicious
Furl it!
Spurl
NewsVine
Reddit
YahooMyWeb
Technorati
Mister.Wong

Kommentar-Feld ein/ausblendenArtikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 1686

AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze

 
< zurück   weiter >

Blog-Verzeichnisse

Schweizer Blog Verzeichnis TopBlogs.de slug.ch Blogs, die hierher linken list.blogug.ch bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis Blogverzeichnis Bloggeramt.de investinformer.de - TOP100 Investment Sites Blogparade