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Das Rätsel verschollener Arbeitskräfte PDF Drucken E-Mail
Montag, 7. Dezember 2009
Ueberraschend positive Arbeitsmarktdaten aus den USA haben die Hoffnung auf ein Ende der Krise geweckt. Doch wie positiv sind diese Daten nun wirklich? Beim genaueren Hinsehen wird der Rückgang der Arbeitslosenquote von 10.2 auf 10.0 Prozent zur einer Fata Morgana amerikanischer Rechenkünste.

Die offizielle Meldung:

Insgesamt fielen 11.000 Stellen weg und damit so wenige wie seit Beginn der Rezession im Dezember 2007 nicht mehr, wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte. Zudem haben die Unternehmen im September und Oktober insgesamt 159.000 weniger Jobs gestrichen als zunächst veröffentlicht. Von Reuters befragte Analysten hatten für November ein Minus von 130.000 erwartet. Die Arbeitslosenquote fiel auf 10,0 Prozent. Im Vormonat hatte sie mit 10,2 Prozent noch auf dem höchsten Stand seit mehr als 26 Jahren gelegen.

Wenn weiterhin Stellen weg fallen, weshalb sinkt dann die Arbeitslosenquote? Dazu muss man etwas tiefer in die statistischen Abgründe der Zahlenkünstler eintauchen.

Die Arbeitslosenquote wird ermittelt aus der Anzahl der Arbeitskräfte, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Diese Anzahl ist innert Jahresfrist - also mitten in der Krise - um 743'000 gesunken! Doch wo sind diese geblieben? An der Bevölkerungsstruktur kann es nicht liegen, die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter ist in diesem Zeitraum gestiegen. Querschuss hat nachgerechnet und kommt zum Ergebnis, dass 2.658 Millionen Amerikaner einfach vom Markt verschwunden sind. Deshalb tauchen sie nicht mehr in der Arbeitslosenquote auf und sorgen für scheinbar positive Nachrichten.

Wohlfühlromantiker und andere Träumer mögen also aus der positiven Meldung vom amerikanischen Arbeitsmarkt einen Aufschwung basteln, allen anderen empfehle ich die Statistiken von Querschuss zu konsultieren:

1. Teil: U.S. Jobs Data Recovery Boost
2. Teil: Eine gravierende Anomalie

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RSS Kommentare Kommentare (4)

Geschrieben von: egghat website, am 07-12-2009 16:10
Na, die NILFs sind ja nix Neues. Die bringe ich ja auch jeden Monat. Es ist auch keine Überraschung, dass die Zahl in der Krise steigt, man gibt dann halt auf sich einen Job zu suchen.

Das würde ich nicht Anomalie nennen, das ist ein normaler Vorgang in einer Krise. Deshalb sollte man auch NIE auf die Arbeitslosenquote schauen. Diese wird am meisten beobachtet und deshalb machen Manipulationen dort besonders viel Sinn. Viel interessanter ist die Anzahl der Arbeitsplätze oder auch die Anzahl der Beschäftigten an der Gesamtbevölkerung.

Das Gesagte gilt auch für Deutschland (die Schweizer Statistik-Methoden kenne ich nicht, ich vermute aber ein ähnliches Vorgehen, weil das über die OECD mal ähnlicher gemacht wurde)

Geschrieben von: kosh, am 07-12-2009 18:45
Als ich vor Jahren beiläufig mit europäischen Arbeitslosenstatistiken zu tun hatte, fehlte mir jedes Verständnis für die schon damals üblichen, unterschiedlichen Definitionen zur Feststellung Quote. Aus der Not eine Tugend gemacht war gleichbedeutend mit grosszügig drüber hinwegzusehen und trotzdem in den Vogelinnereien die Wahrheit zu lesen.

1 + 1 gibt halt in jedem Staat ein anderes Resultat. Dieser erratische mathematische Zshg. ist mir seit den 90-ern vertraut. Nun ist es leider so, dass auch die Choreographie der professionellen Statistikfälschungen bisweilen in Untiefen gerät, wenn allzuviel mit den Daten gerudert wird. Dann wird die Propaganda zum Testfall am Demos und dessen Kratia - zum Gradmesser für Pisa, Desinteresse oder politische Unwillensbildung. Ich könnte mir denken, dass von Seiten der Army eine vertrauenswürdigere Parallel-Statistik angefordert wird, um das Timing für die Lagerbefüllung nicht zu verpassen, denn Arbeit macht nicht los, sonder frei. Irgendwohin müssen die Verschollenen schliesslich verschellt werden, wenn sie in der Öffentlichkeit nicht auffallen sollen. Bestimmt werden wieder alle von nichts gewusst haben wollen und wenn doch: Uns hat Nazionale Sicherheit etwas von einer schweinischen Grippe erzählt !!!

@egghat

Quote:


Es ist auch keine Überraschung, dass die Zahl in der Krise steigt, man gibt dann halt auf sich einen Job zu suchen.

Das würde ich nicht Anomalie nennen, das ist ein normaler Vorgang in einer Krise. Deshalb sollte man auch NIE auf die Arbeitslosenquote schauen.



Die Anomalie ist dann ja wohl die "bescheidene" Wortwahl, denn wer keine Arbeit hat, ist ARBEITSLOS, so einfach ist das, ob er nun sucht oder nicht. Sogar die Sprache ist manchmal unmissverständlich :-)
Andererseits, auch ein Kollateralschaden ist / war kein lebendiger Mensch, der es Wert gewesen wäre gezählt zu werden. Er ist ergo nicht LEBENSLOS. Insofern ist die Zählung ernst zu nehmen, oder auch nicht.

Die Amis auf Kurs

Grüsse
kosh

Geschrieben von: delu, am 10-12-2009 12:20
Mint hat ein sehr schönes Video zu dem Thema gemacht, wie die "marginalen" Arbeitskräfte verschwunden sind:
http://www.youtube.com/watch?v=Ulu3SCAmeBA

Geschrieben von: Jamie website, am 26-08-2010 21:50
Erinnert mich an die neuesten Meldungen der Agentur für Arbeit, BRD, Juli 2010, dass die Arbeitslosenzahlen gestiegen sind aufgrund von fertig gewordenen Abiturienten, Mittlere-Reife-Schüler, Azubis und fertig Studierte, die nun mit Abschluss des Sommersemsters bzw der Examina und Abschlussprüfungen auf den Arbeitsmarkt strömen und darum kurzfristig (bis Job oder Ausbildungsplatz gefunden) als arbeitslos gelten.
Alles jahreszeitlich bedingt und normal.
Ich frag mich allerdings, wie viele von denen wirklich unterkommen und nicht doch nur 2 Monate als arbeitslos gelistet sind...
Ich fürchte es sind viel mehr, als der Bundesagentur für Arbeit und der Regierung lieb ist...
:?


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