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Das Moral-Hazard-Problem bleibt ungelöst |
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Montag, 20. Juli 2009 |
Die Rezession hat sich im ersten Halbjahr tief in die Realwirtschaft
hineingefressen, die Arbeitslosigkeit steigt und die Staatsverschuldung
explodiert. Doch die Banken weisen - Ueberraschung, Ueberraschung -
wieder Gewinne aus. Was läuft hier falsch?
Die Börsen haben die Bankgewinne mit Euphorie quittiert und die
Zeitgeist-Analysten frohlocken über das Ende der Wirtschaftskrise.
Gerne würde ich in dieses Freudengeschrei miteinstimmen - allein mir
fehlt der Glaube.
Sind die Gewinne der Bank wirklich Gewinne
oder sind sie nur das Resultat buchhalterischer Zauberkünste? So genau
weiss das niemand, weil niemand einen tieferen Einblick in die
Bankbilanzen hat. Deshalb bleibt dem Beobachter nur die Möglichkeit den
Banken zu vertrauen. Zu recht?
Es ist erst gut ein halbes Jahr
her, als die Stars von heute vor dem Zusammenbruch gerettet werden
mussten und bereits werden bei Goldman Sachs & Co. wieder
Rekordboni ausgeschüttet. Der Grund ist simpel. Das Management hat ein
egoistisches Interesse daran, die Wertschriften - für die immer noch
kein Markt existiert - zu einem möglichst hohen Wert auszuweisen. Je
höher diese Werte, desto höher der Gewinn und je höher der Gewinn,
desto höher die Boni.
Jeder Unternehmer würde in der aktuellen
Phase, bei der nicht klar ist, wie lange die wirtschaftliche Misere
noch dauern wird, Reserven bilden in der Form grosszügiger
Abschreibungen. Je tiefer diese Werte ausgewiesen werden, desto grösser
wird der Puffer in schwierigen Zeiten. Doch Banker sind keine
Unternehmer, auch wenn sie ständig das Gegenteil behaupten. Bankgewinne
werden wie im Falle von Goldman Sachs zur Hälfte als Boni
ausgeschüttet, Verluste hingegen werden sozialisiert. Daran wurde bis
jetzt nichts geändert, obwohl alle Grossbanken nachwievor von
Subventionen der Zentralbanken profitieren.
Die Bankgewinne
hingegen gaukeln uns ein völlig anderes Bild vor und das führt zu
völlig falschen Interpretationen wie diese hier:
Die Banken
haben sich rekapitalisiert, sie haben jetzt mehr Kapital als nötig,
sogar wenn es zu weiteren Wertberichtigungen käme. Darum ist keine
weitere Finanzkrise oder Verlängerung zu befürchten. Diese Überzeugung
hat den übertriebenen Pessimismus in den Finanzmärkten verdrängt und
eine rationaleren Betrachtung der Geschehnisse ermöglicht.
Das
ist die Meinung von Eric Le Coz vom Fondsanbieter Carmignac. Sie hält
aber den Fakten nicht stand. Tatsächlich beträgt das Aktienkapital der
internationalen Banken nachwievor nicht mehr als 2-5 Prozent der
ausstehenden Kredite und dies inmitten der grössten Krise seit der
grossen Depression der 30er-Jahre. Von übertriebenen Pessimismus kann
also keine Rede sein.
Interessant ist vorallem folgende Aussage:
Wenn
die Zinskurve steil bleibt, können sich Banken kurzfristig günstig
refinanzieren und Kredite für 5 bis 10 Prozent vergeben. Das ermöglicht
ihnen Margen im Kreditgeschäft von 4 Prozent und bei einem Leverage von
10 eine Eigenkapitalrendite von 40 Prozent – oder mehr bei einem
höheren Leverage. Es würde mich nicht erstaunen, wenn wir im
Bankensektor bald neue Rekordgewinne sehen würden.
In dieser
Rechnung geht Le Coz davon aus, dass die Banken NULL Verluste aus ihren
Krediten haben werden, dabei steht der grösste Finanzierer von
KMU-Krediten in den USA vor dem Kollaps.
Wenn solche "Experten"
in den Medien zu Wort kommen, dann darf man sich nicht wundern, dass
die Oeffentlichkeit die Bankgewinne für bare Münze nehmen. Bare Münze
sind sich aber nur für die Banker. Sie handeln ganz nach der Devise von
Adam Smith, der den Eigennutz als Motor für langfristigen Wohlstand
propagierte. Vermutlich würde sich Adam Smith im Grabe umdrehen, wenn
er wüsste, dass der Eigennutz auf dem Buckel der Steuerzahler ausgelebt
wird.
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