Jetzt ist sie also da, die Deflation in Europa, von der ich nicht müde
wurde zu warnen trotz aller Hyperinflationsberichte in den Gazetten.
Laut dem Statistikamt Eurostat seien die Preise im Juni gegenüber dem
Vorjahresmonat gesunken. Das habe es in der Geschichte der
Währungsunion noch nie gegeben. Doch die Experten entwarnen bereits:
alles nicht so schlimm!
Die Preise sanken um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie
das Statistikamt Eurostat am Dienstag in einer ersten Schätzung
mitteilte. Grund dafür ist der Preisrutsch bei Energie. Im Mai lag die
Teuerungsrate noch bei null. Experten erwarten in den Sommermonaten
weiter fallende Preise.
Dass der Oelpreis massgeblich an der
deflationären Entwicklung beteiligt ist, steht ausser Frage. Derzeit
kostet ein Fass Oel nur noch etwa halb so viel wie vor Jahresfrist.
Doch von dieser Entwicklung konnte niemand überrascht worden sein, denn
der Preisrutsch beim Oel und sein negativer Einfluss auf die
Konsumentenpreise stand seit Monaten fest.
Wegen der schwachen
Nachfrage in der schwersten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges
fällt es Unternehmen zudem schwer, höhere Preise durchzusetzen.
Das ist DAS Problem - die mangelnde Nachfrage.
Der
WestLB zufolge sind die Preise für viele Lebensmittel, die
Gesundheitspflege, Hotels und Restaurants sowie in vielen anderen
Bereichen zuletzt noch gestiegen, wenn auch moderat. "Von wirklicher
Deflation - also einem breit angelegten Preisrückgang - kann also nicht
die Rede sein", sagte WestLB-Chefvolkswirt Sandte.
Da bin ich
völlig d'accord mit dem Volkswirten und wahrscheinlich werden wir auch
keine tiefe Deflation bekommen, denn die Preise wird nur derjenige Verkäufer
senken, der mit tieferen Preisen auch noch leben kann. Alle anderen
Betriebe werden bei Preisdruck mangels Nachfrage einfach die Jalousien
runterlassen.
Um die Gefahr einer Deflation schon im Keim zu
ersticken, hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins auf das
Rekordtief von 1,0 Prozent gesenkt. Mit billigem Geld will sie die
Nachfrage anregen und einem Preisverfall vorbeugen.
Davon
profitieren vorallem die Banken. Bei der Weitergabe der Kredite
hingegen harzt es. Die EZB hat dazu die neuesten Zahlen, laut derer die
Kredite noch wachsen, aber viel langsamer als zuvor, wie der folgende
Chart der Geldmenge M3 zeigt:

Die Wachstumsraten sinken durchs Bank. Doch beunruhigend, aber definitiv nicht unerwartet sind die folgenden Zahlen aus dem Euro-Raum:
Auf Jahresbasis sind die Kredite an Haushalte im Mai um 0.2 Prozent gesunken, von 0.0 Prozent vor einem Monat. Auf Jahresbasis sind die Kredite für Hypotheken um 0.5 Prozent gesunken, verglichen mit minus 0.2 Prozent vor einem Monat. Auf Jahresbasis sind die Konsumentenkredite um 0.6 Prozent gesunken, von minus 0.4 Prozent vor einem Monat.
Wir
müssen uns also auf weitere schlechte Meldungen zur Wirtschaft gefasst
machen, da der Ottonormalverbraucher immer schlechter unterwegs ist.
Staatliche Konjunkturprogramme können daran auch nicht viel ändern, da
das Geld bei den wenigsten auch wirklich ankommt.
MONETARY DEVELOPMENTS IN THE EURO AREA Verbraucherpreise in der Euro-Zone fallen erstmals Chart M3 Weitere Meldungen zum Thema
Die Banken stehen bei der Kreditvergabe auf die Bremse. Jeder fünfte
Schweizer KMU-Unternehmer hat im letzten Jahr vergeblich versucht,
einen Kredit aufzunehmen. (Quelle)
Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, stiegen die
Einzelhandelsumsätze im Mai auf Monatssicht um real 0,4%. Die von Dow
Jones Newswires befragten Volkswirte hatten eine Stagnation erwartet.
Nach dem dritten Anstieg in Folge lagen die Umsätze dennoch um 2,9%
unter dem Niveau vom Mai 2008. Nominal stiegen die Umsätze im Mai um
0,5% auf Monatssicht. (Quelle)
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Geschrieben von: Joe, am 01-07-2009 09:44 Ich vermute auch den Schlüssel beim Konsumenten und habe mich dazu mal mehrere Stunden durch die Berichte vom Arbeitsmarkt gewühlt. Aber nicht durch die Presseerklärungen den BA, sondern duch die vielen kleineren und größeren Arbeitsämter. Mal die Zahlen ganz schnell: Antrag auf Kurzarbeit: Nov08: 137.000 Dez08: 296.000 Jan09: 291.000 Feb09: 721.000 Mär09: 679.000 Apr09: 452.000 Mai09: 292.000 Jun09: 220.000 (vorläufige Zahl) In vielen lokalen Berichten der Arbeitsämter (alte Bezeichnung) befindet sich der interessante Hinweis: Zitat : Zum Sommeranfang haben die Betriebe erstmals in diesem Jahr merklich weniger neue Anzeigen über Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur eingereicht. Allerdings meldet die Arbeitsagentur, dass Unternehmen nun vermehrt die bisher beantragte Kurzarbeit überwiegend bis Jahresende verlängern möchten, da sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch nicht oder noch nicht wesentlich gebessert haben. Das bedeutet auch, daß es für den Bund richtig teuer wird, weil ab dem 6. Monat Kurzarbeit die Beiträge zur Sozialversicherung von den BA übernommen werden. Und dann noch ein in den maistream medien unterschlagener Hinweis: Der Grund für den nur geringfügigen Anstieg der Arbeitslosenzahl von Mai auf Juni liegt laut Arbeitsagentur neben der abfedernden Wirkung von Kurzarbeit auch an einer neuen gesetzlichenRegelung, wonach Teilnehmer an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung nicht mehr als Arbeitslose zu zählen sind. Die von der Bundesregierung im letzten Monat eingeführtegeänderte Zählweise macht sich erstmals im Juni bemerkbar. Hier im reichen Südwesten mit einer Arbeitslosenquote von unter 5% arbeiten 20% aller Beschäftigten kurz. Die Arbeitsämter richten nun vermehrt 1Euro Jobs ein, um den kommenden GAU abzufedern. Fazit: Der richtige downturn liegt noch vor uns ! Geschrieben von: m106, am 01-07-2009 15:53 @joe & HRR Danke Geschrieben von: Franc Meyer, am 05-07-2009 18:58 Dieses Deflationsgerede ist doch Unfug hoch drei! Für den Verbraucher gibt es lediglich rasante Verteuerungen bei Strom, Lebensmittelm usf. Für den Winter kündigt man bereits wieder eine Steigerung der Gaspreise um 25 % an! DAS ist doch keine Deflation. Artikel kommentieren
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