Als wäre nichts geschehen, verteidigt Joe Ackermann auch weiterhin eine
Eigenkapitalrendite von 25 Prozent. Die Deutsche Bank erreiche diese
nicht, "wie manche behaupten, weil wir übermässige Risiken eingehen.
Wir erreichen diese Rendite, weil wir ein überzeugendes Geschäftsmodell
haben." Tja, und dieses Modell heisst Leverage.
Während sich die Journalisten an der Personalie von
Aufsichtsratschef Clemens Börsig (Quelle)
abarbeiten, geht der Blick für das Wesentliche völlig
verloren. Wie toll schauts denn nun wirklich aus bei der Deutschen Bank?
Per Ende des 1. Quartals hatte die DB ein Eigenkapital von 33.7
Milliarden Euro und eine Bilanzsumme von 2'103 Milliarden Euro. Das
macht nach Adam Riese einen Hebel von 60 oder eine
Eigenkapitalunterlegung von 1.65 Prozent. Hier
stehts
Doch das sehen die Aktionäre - also die Eigentümer! -
offenbar nicht.
Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller
Privatanleger: "Wir sind stolz, auch auf diesen Vorstand." Das gesamte
Gremium habe eine Finanz- und eine Vertrauenskrise durchgestanden, wenn
auch mit blauen Flecken. "Die Deutsche Bank ist mit das Beste, was
Deutschland hat", sagte er
Während Herr Buhlmann sich von den Sonntagsreden beeindrucken
liess, habe ich mir den Basel
II Säule 3 Bericht der Deutschen Bank angesehen.
Dabei wurde schnell klar, dass jeglicher ausgewiesener Gewinn ein
Zufallsprodukt ist. Wie könnte es auch anders sein, wenn die
Märkte verrückt spielen und niemand mehr weiss, was
wieviel wert ist. Es macht somit überhaupt keinen Sinn, die
offiziellen Gewinnzahlen zu kommentieren. Die DB hätte auch
einen Verlust von 20 Milliarden machen können - es ist alles
eine Frage der Bewertung - nach Massstäben der Deutschen Bank
notabene.
Auf Seite 26 des Berichts taucht unter Marktwert der Derivate das
nette Sümmchen von 1'224'492'000'000 auf. Nach "Netting und
Sicherungsvereinbarungen" werden dann daraus 114'018'000'000.
Mit ein bisschen Phantasie und nach Konsultation des untenstehenden Textes kann man sich leicht vorstellen, wie gross die Versuchung sein muss in schlechten Zeiten ein bisschen an den Parametern zu schrauben, um die Zahlen passend zu machen. Aber ich bin mir ganz sicher, dass die DB dieser Versuchung ganz feste widerstanden hat
Für Risikopositionen aus Derivate- und
Wertpapierfinanzierungsgeschäften wendet der Konzern die
sogenannte
Interne Modelle-Methode nach §§ 222 ff. SolvV an. In
diesem Zusammenhang umfassen Wertpapierfinanzierungsgeschäfte
Pensionsgeschäfte, Ausleihung und Beleihung von Wertpapieren
oder Rohwaren sowie vergleichbare
Wertpapierdarlehen (einschließlich
Prime-Brokerage-Geschäfte). Die IMM ist ein differenzierterer
Ansatz zur
Berechnung der Positionswerte für Derivate- und
Wertpapierfinanzierungsgeschäfte und erfordert die Genehmigung
durch die BaFin vor dessen Anwendung. Im Rahmen dieses Ansatzes basiert
die Berechnung des Positionswerts
auf einer Monte Carlo-Simulation zukünftiger Marktwerte der
jeweiligen Risikopositionen. Innerhalb
solch einer Simulation werden zunächst mithilfe stochastischer
Prozesse Zins- und Wechselkurssätze, Credit
Spreads sowie Aktien- und Warenpreise modelliert, um
anschließend jedes Derivate- und
Wertpapierfinanzierungsgeschäft
zu jedem Zeitpunkt einer vordefinierten Zeitskala durch die intern
genehmigten Bewertungsverfahren
neu zu bewerten. Als Ergebnis dieses Prozesses entsteht eine Verteilung
zukünftiger Marktwerte
für jede Transaktion zu jedem Punkt der Zeitskala. Von diesen
Verteilungen werden unter Berücksichtigung
geeigneter Netting- und Sicherheitenvereinbarungen die
Positionswertmessgrößen Potential Future
Exposure („PFE“), Average Expected Exposure
(„AEE“) und Expected Positive Exposure
(„EPE“), wie im Kapitel
5.6 „Adressenausfallrisiko aus Derivaten“
erwähnt, abgeleitet. Die Messgröße EPE
bestimmt unter Anwendung
aufsichtsrechtlich anerkannter Nettingvereinbarungen den
IRBA-Positionswert für Derivate- und
Wertpapierfinanzierungsgeschäfte
innerhalb der Berechnung der aufsichtsrechtlichen
Eigenkapitalanforderungen des Konzerns
für den Großteil dieser Geschäfte.
Für die kleine Anzahl an Transaktionen, bei der eine
Simulation nicht durchgeführt
werden kann, wird der Positionswert innerhalb der IMM von der
Marktbewertungsmethode abgeleitet.
(Trackback)
Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 3104
Geschrieben von: Time Traveller, am 27-05-2009 05:34 Danke für die "Aufheiterung". Im Rahmen dieses Ansatzes basiert die Berechnung des Positionswerts auf einer Monte Carlo-Simulation zukünftiger Marktwerte der jeweiligen Risikopositionen. = Spielcasino oder Formel 1? Geschrieben von: HRR, am 27-05-2009 08:18 Beides. Wenn falsch gewürfelt wird, kommts zum Totalschaden  Geschrieben von: geri , am 27-05-2009 12:12 hir die DB charttechnischnull Geschrieben von: Bernhard (aus Frankfurt) , am 27-05-2009 21:11 1,95% Eigenkapital. Bei den Schwankungen auf die Bilanzsumme mit einer Ungenauigkeit von vielleicht 2% würde ich meinen, dass die Deutsche Bank zwischendurch öfters mal ohne Eigenkapital dasteht oder ein negatives EK aufweist. Reale Unternehmer ohne EK, ohne Sicherheiten, müssen Insolvenz anmelden. Nicht aber... Meine Meinung: Zockerbude. Weil man das weiß, wird die Postbank absorbiert. Grund: Mehr Kunden bedeutet eine viel bessere Staatserpressungsmöglichkeit für den Fall der Fälle. Das für die Um-die-Ecke-Denker. Gruß Bernhard Ackermann ist ein Cleverle. Geschrieben von: Daniel , am 15-06-2009 11:53 Das Problem der Banken liegt ganz woanders.....das Vertrauen ist weg. Viele legen sich nun das Geld lieber unters Kopfkissen anstatt es zur Bank zu bringen. Auffällig ist, dass selbst nach neun Monaten heißer Finanz- und mittlerweile Wirtschaftskrise die öffentliche Darstellung der Banken mit ganz wenigen Ausnahmen weiter im Nebel verharrt. Eine echte Neupositionierung traditioneller Institute und Geschäftsfelder bleibt entweder einer breiteren Öffentlichkeit verborgen oder findet gar nicht statt. Immerhin wird in Fachkreisen intensiver über eine Neuausrichtung diskutiert. Aber aus Gesprächen mit Bankern höre ich weiterhin eine relativ große Zurückhaltung, neue Wege zu gehen. Vielfach ist man mit der Stabilisierung gegenwärtiger Geschäftsmodelle beschäftigt. Zu den ständig wiederholten Vorschlägen aus Politik und Banksektor gehört die Anforderung, das Vertrauen wieder herzustellen und dies durch mehr Transparenz zu erreichen. Dabei bleibt es meist bei dieser gut klingenden Forderung, die mittlerweile zu einer inhaltsleeren Floskel verkommen ist, weil sie nicht einmal in Ansätzen erfüllt wird. Hier noch mehr: Vertrauenskrise XXL Geschrieben von: HRR, am 15-06-2009 13:38 Viele legen sich nun das Geld lieber unters Kopfkissen anstatt es zur Bank zu bringen. Meinst du das wirklich ernst?  Artikel kommentieren
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze
Erhalten von: Margenwahnsinn der Banken - Erfahrungsberichte, Tipps und Tricks, Probleme , am 27-05-2009 14:50 (TB) Margenwahnsinn der Banken
Nachdem Ackermann gerade auf der HV eine Marge von 25% fr das laufende Geschftsjahr avisiert hat, mchte die auf Staatskrcken humpelnde Commerzbank sogar 30% erreichen... Erhalten von: mentalnet news » Ich-lass-Euch-nicht-im Stich-Rhetorik , am 02-06-2009 15:17 (PB) [...] Auf Seite 26 des Berichts taucht unter Marktwert der Derivate das nette Sümmchen von 1′224′492′000′000 auf. Nach “Netting und Sicherungsvereinbarungen” werden dann daraus 114′018′000′000….” (von Zeitenwende.ch) [...] Erhalten von: Deutschland fest im Griff der Weltwirtschaftskrise - blog von mattin , am 03-06-2009 12:31 (PB) [...] den hochgerechneten Jahresrückgang des Bruttoinlandsproduktes um 15,2 Prozent, während die Zeitenwende noch einmal deutlich macht, dass die Deutsche Bank ihre Gewinne nur durch Leverage, also [...] Erhalten von: Deutschland fest im Griff der Weltwirtschaftskrise >> Quellenachweis, Bildnachweis, Prozent, Deutsche, Bank, Deutschland, Milliarden, Natürlich >> Womblog [Worte oder mehr] , am 04-06-2009 09:44 (PB) [...] hochgerechneten Jahresrückgang des Bruttoinlandsproduktes um 15,2 Prozent, während die Zeitenwende noch einmal deutlich macht, dass die Deutsche Bank ihre Gewinne nur durch Leverage, also [...] Erhalten von: Mehr Schulden, mehr Risiko: wie Politik die Krise verschiebt — CARTA , am 13-12-2009 14:20 (PB) [...] genau zu den Bankern, die es laut Hanoun “nicht kapieren”: die ihren Kunden weiterhin mehr als 20% Rendite versprechen und vor keinem Risiko zurückschrecken. vor keinem Risiko zurück schrecken, Artikel [...] Erhalten von: Die Blicke in die Wirtschaft am 28. Mai 2009 « Blick Log , am 25-01-2010 10:33 (PB) [...] ZW: Das Deutsche-Bank-Modell heisst Leverage [...] |