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Das Bagger-Loch PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 9. Dezember 2008
Am 27. November kürte die Unternehmensberatung Ernst & Young den Dänen Stein Bagger wegen seinen tollen Bilanzen zum "Entrepreneur of the Year". Der Chef der Softwarefirma IT Factory  konnte aber nicht feiern. Er war gerade auf der Flucht. Seine Firma war ein Luftschloss. Inzwischen hat er sich der Polizei freiwillig gestellt, im Armani-Anzug und mit Rolex am Handgelenk.

Stein Baggers Geschichte ist mehr als ein weiteres Kapitel aus der Serie Nepper, Schlepper, Bauernfänger, - es ist ein Paradebeispiel über das Versagen unserer Informationsgesellschaft. Ausgerechnet eine Treuhandfirma, deren Aufgabe die Ueberprüfung der Geschäftstätigkeit ist, konnte dieses Luftschloss nicht enttarnen.

Es ist das Ende eines atemberaubenden Absturzes. Bis vor zwei Wochen war der 41-Jährige noch Star der dänischen Wirtschaft. Seit 2003 war Bagger Chef und Teilhaber des Softwareunternehmens IT Factory, das rasant expandierte. Zumindest sah es so aus. Tatsächlich hat Bagger den Erfolg mit gefälschten Dokumenten und Scheinfirmen vorgetäuscht. Mit fingierten Leasingverträgen brachte er Banken dazu, ihm große Summen auszubezahlen. Echt war nur das Geld - die Ware und die Kunden gab es dagegen nur auf dem Papier. Ein einfacher Schwindel, aber er funktionierte.

Auch die Medien haben dieses Spiel mitgespielt und ihre Leserschaft mit süffigen und leicht verdaulichen Stories versorgt...

Die führenden dänischen Medien feierten Bagger bis zuletzt und machten bereitwillig Spaltenplatz frei für dessen „Erklärungen“ des eigenen Erfolges: „Ich schlafe höchstens drei bis vier Stunden pro Nacht. Manchmal arbeite ich 100 Stunden die Woche.“

...und nicht zuletzt die Banken. Kredite hat er bereitwillig erhalten und die sind nun futsch.

Medien, Banken, Buchprüfer - jeder hat sich auf den anderen verlassen, nur richtig hingesehen hat keiner - sorry, fast keiner.

Auf die Spur der gigantischen Bluff-Nummer kam die allein und zäh im heimischen Keller recherchierende Journalistin Dorte Toft. Hilfe leisteten meist anonym auftretende Blogger. Einige von ihnen mit Insiderwissen wunderten sich auch, warum die führende dänische Bank den Millionen-Betrüger kurz vor seiner Entlarvung noch mit einem persönlichen Überziehungskredit von 50 Millionen Kronen (6,7 Millionen Euro) beglückte. Wo die nervös gewordenen Banken doch sonst im Zeichen der Finanzkrise kaum noch Kreditwünsche erfüllen.

Wer hinsieht, der kann sich tatsächlich oft wundern über Informationslieferanten egal welcher Couleur. Sie sind so sehr damit beschäftigt, die richtigen Botschaften unters Volk zu bringen, dass sie ganz vergessen haben, die Inhalte zu prüfen. Stein Bagger ist mehr als ein zufälliges Beispiel, seine Geschichte ist exemplarisch für eine desinformierte Gesellschaft.

Mit Rolex, Charme und Rockern

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