Thomas Straubhaar ärgert sich über die eigene Dummheit vergangener
Jahre. In einem Interview mit der Financial Times nennt der bekannte
Oekonom die Theorien, die er selbst an führender Stelle vertreten hat,
für gescheitert.
"Es gibt ökonomische Ideen und Glaubenssätze,
die ich zu lange akzeptiert habe, obwohl sie mit der Empirie nicht
übereinstimmten. Das will ich nicht mehr, sondern kritisieren, was
falsch läuft."
Thomas Straubhaar ist Direktor des Wirtschaftsinstituts HWWI, das Ende
2006 aufgrund der Empfehlung des Leibniz-Instituts wegen schlechter
Evaluationsergebnisse von der öffentlichen Förderung ausgeschlossen
wurde. Seiner Reputation tat dies keinen Abbruch. Von Journalisten wird
er immer noch als Star seiner Branche umworben. An seinen Fähigkeiten
kann das nicht liegen, das stellt er mittlerweile sogar selbst fest.
Kaum etwas, das er prognostiziert hatte, ist auch wirklich eingetreten.
Weshalb erhielt er also dennoch soviel Platz in den führenden
Wirtschaftsblättern der deutschsprachigen Presse? Die Ursache dürfte in
seiner Tätigkeit als Botschafter der Initiative Neue Soziale
Marktwirtschaft INSM liegen.
Der Medienwissenschaftler
Siegfried Weischenberg sagte in der ARD-Sendung Monitor: "Die
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist höchst erfolgreich, weil es
ihr gelungen ist, einen neoliberalen Mainstream in den Medien
durchzusetzen. Und das konnte auch leicht gelingen, weil die Medien
kostengünstig produzieren müssen. Sie sind sehr darauf angewiesen, dass
ihnen zugeliefert wird, hier gibt’s eine Lobby, die sehr wohlhabend
ist. Das ist natürlich eine sehr, sehr problematische Geschichte, weil
die Medien nicht das tun, was sie tun sollen. Die Journalistinnen und
Journalisten fallen sozusagen aus der Rolle, weil sie nicht kritisch
kontrollieren, weil sie die Interessen nicht transparent machen." Laut
einem Beitrag des ARD-Magazins Plusminus seien die INSM-Botschafter
sogar auf sämtlichen Kanälen Dauergäste in den Talkshows, manchmal
säßen gleich drei in einer Sendung.
Somit wird verständlich,
weshalb Straubhaar immer noch an prominenter Stelle berichten darf. An
seiner Leistung liegt es nicht. Sein 2009 erschienes Buch "Die gefühlte
Ungerechtigkeit" wurde von den Amazon-Lesern mit durchschnittlich 1.5
von fünf möglichen Sternen abgestraft. "Da kann ich nicht weiter machen
wie bisher", sagt er im FTD-Interview. Konsequenterweise müsste er sich
dann aber auch vom INSM verabschieden, doch davon ist bislang nichts
bekannt.
Straubhaar ist nicht der einzige, der seine Thesen den Interessen
seiner Auftraggeber anpasst. Das möchte ich ihm auch gar nicht
vorwerfen. Er ist einfach ein ideal typisches Beispiel, wie Wirtschaft
wirklich funktioniert - nach Interessen nämlich.
Apropos Interessen, hier noch ein weiteres Beispiel aus der Medienwelt:
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Geschrieben von: Sven, am 09-03-2012 14:14 Und? Welche Konsequenzen zieht er jetzt daraus? Was empfiehlt er als Regulativ gegen diese Art von Herding? Wie konnte er selbst dieser Lehren aufsitzen? Aber dieses Eingeständnis der Fehlbarkeit der Ökonomen ist die Bohne nicht wert: "Die Globalisierung der Finanzmärkte hat die gängige Lehre überrollt, wonach die Finanzwirtschaft nur dazu dient, die reale Wirtschaft zu bedienen." Quatsch Globalisierung. Es ist nicht die Verteilung der Player rings um die Welt, es ist die Konzentration der Player auf ein paar und immer die gleichen Hanseln. Naja, kommt der Professor vllt dann 2015 drauf. - Und dann noch die Fundamentalerkenntnis: "Die Welt ist zu komplex." Soweit war von-Hayek auch schon. Deswegen ja seine "Anmaßung des Wissens." So gutgemeint diese Selbstkritik vllt gemeint war, so halbherzig ist sie auch. Geschrieben von: HRR, am 09-03-2012 15:56 Die Frage geht doch an die Medien und an das Publikum: "Weshalb hören wir diesen Oekonomen überhaupt noch zu?" Geschrieben von: Sven, am 10-03-2012 14:40 Du hast recht: Wir pfeifen auf die Scharlatane. Aber mich interessiert dennoch: Wie fallen wir (Medien & Publikum) auf die nächsten Scharlatane nicht mehr hinein? Welche Möglichkeiten der Immunisierung gibt es? Wie bekommen wir hin, dass die Medien ihrer Sonderstellung in den Verfassungen & Grundgesetzen dieser Welt auch gerecht werden? Mir geht es nicht um ein "Schwamm drüber" über das was war, aber müssen wir beim nächsten Mal erst wieder "durch"? Geschrieben von: HRR, am 11-03-2012 22:26 Wir fallen solange auf eine Fehlinformation rein, bis wir die Lektion gelernt haben. So ist halt das Leben. Ich glaube nicht, dass man das in Zukunft verhindern könnte, da Probleme immer wieder in einem neuen Gewand auftauchen. Am besten schützt man sich gegen Fehlinfos, wenn man sich die Frage stellt "Cui bono", zu wessen Vorteil ist das ganze. Artikel kommentieren
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