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Donnerstag, 20. August 2009 |
Es kommt selten vor, dass ich beim Lesen von Wirtschaftsberichten
schmunzeln muss, viel eher trifft das Gegenteil zu. Doch bei Mark
Dixon"s Report war es soweit. Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig,
die Kaffeetasse zur Seite zu stellen, bevor es mich schüttelte. Nicht
etwa, dass Dixon ein begabter Komiker wäre, nein, er schreibt nur über
die wahren Begebenheiten chinesischer Buchhaltungskunst und das ist
komisch genug.
Mark Dixon ist der Gründer einer Mergers & Acquisitions Firma,
welche potenziellen Interessenten beim Kauf von chinesischen Firmen
berät. Und das hat so seine Tücken...
Generally Accepted
Accounting Principles, schreibt Dixon, sind in China nicht "generally
accepted". Dies ist so, weil erstens die Chinesen ihre eigenen Regeln
haben und zweitens Regeln dazu da sind, um gebrochen zu werden. Leider
aber geschieht es öfters, dass die Eigentümer beim Versuch, die
Steuerbehörden hinters Licht zu führen, dabei selbst den Ueberblick
verlieren.
Die Verrenkungen, die bei den Buchungsmethoden
gemacht werden, seien so beeindruckend, dass man sie als Sportart bei
den Olympischen Spielen in Peking hätte zulassen müssen, so Dixon
weiter. Doch offensichtlich können sie die Knoten danach selber nicht
mehr lösen. Dixon empfiehlt deshalb in Italien zur Schule zu gehen.
Auch dort gebe es eine gut ausgebildete Schattenwirtschaft, bei der die
Firmen jeweils zwei Buchhaltungen machen, eine für die Steuern und eine
reale, damit sie selbst wissen, was in der Firma läuft. In China
hingegen verzichte man des öfteren auf die zweite Variante, was für den
Durchblick nicht gerade förderlich sei.
Zu den buchhalterischen Problemen kommen dann noch die kulturellen oben drauf...
Dixon
wollte bei der Analyse eines zum Verkauf stehenden Unternehmens wissen,
wie hoch denn nun der normalisierte Gewinn sei. Wobei normalisiert für
effektive steht, also nicht der, welcher den Steuerbehörden angegeben
wird. Doch leider verstand der Uebersetzer das Wort "normalized" nicht.
Dixon entschied sich dann für den Term "true profits". Doch auch das
ging schief, denn allein die Frage impliziert, dass die ausgewiesenen
Gewinne nicht die realen sind - was ja auch tatsächlich so ist - aber
der Chinese in seinem Selbstverständnis nie zugeben könnte. Nach
mehreren Anläufen schaffte es Dixon dann doch noch, seine Frage adequat
zu formulieren. Plötzlich verstanden die Chinesen, was er wollte, aber
nicht weshalb er das wollte. "Wir würden doch nur mehr Steuern zahlen",
erklärten sie.
Tja, ziemlich kompliziert das alles und irgendwie doch sehr vertraut, wenn ich an Bankbilanzen denke...
Another View: Tunneling to True Profit in China (via JMF) (Trackback)
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