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Chaos in Lettland PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 8. Oktober 2009
Der Baltikum erlebt das, was Asian Ende der 90er Jahre durchgemacht hat. Noch vor kurzem wurden sie zum Investorenparadies hochgejubelt und mit Liquidität geflutet und dann kam die Zeitenwende. Die Immobilienpreise brechen ein, das BIP taucht und der Staatshaushalt kommt trotz IWF-Unterstützung nicht auf Touren. Ob das Domino auf andere Länder gestoppt werden kann, steht noch in den Sternen.

Für eine Auktion von Staatsanleihen über acht Mill. Lats, das sind umgerechnet etwa 17 Mill. Dollar, am 7. Oktober waren keine Gebote eingegangen. Die Zentralbank kritisierte in ihrer Verzweiflung die Regierung unter Ministerpräsident Valdis Dombrovskis und warnte vor schwerwiegenden Folgen aufgrund der "alles andere als klaren Signale", was die "Übernahme des Staatsbudgets" anginge.

Tja, da machen sich die Kritiker das Leben etwas zu einfach. Wie soll die lettische Politik Kürzungen in einem Land vornehmen, dessen BIP dieses Jahr um ca. 20 Prozent einbrechen wird? Kritik kommt vorallem aus Schweden und dies nicht von ungefähr...

Die beiden größten Banken im gesamten Baltikum sind die schwedischen Institute Swedbank und SEB. Zusammen haben die beiden Institute umgerechnet knapp 13 Mrd. Euro in den baltischen Ländern an Krediten vergeben. Mehr als 80 Prozent dieser Kredite wurden zudem in Euro ausgegeben. Schon jetzt sind die Kreditverluste beider Finanzkonzerne durch Abschreibungen in den baltischen Staaten in die Höhe geschnellt. Sollte Lettland , wie von einigen Ökonomen empfohlen, auch noch seine Währung abwerten, würde das die Bilanzen beider schwedischer Banken weiter belasten.

Eine Währungsabwertung wäre zwar für die lettische Wirtschaft ein Jungbrunnen, würde aber die lettischen Hausbesitzer, welche sich in Euro verschuldet haben, in den Konkurs treiben. Damit dies nicht geschieht, hat ...

... die lettische Regierung beschlossen, dass Gläubiger Kredite maximal nur in Höhe des zugrunde liegenden Vermögenswertes zurückgefordert werden können. Das steht nicht in Einklang mit europäischen Gesetzen und richtet sich vor allem gegen schwedische Banken, die mit ihrem Kreditgeschäft stark in Lettland engagiert sind. Da die Häuserpreise in Lettland stark gesunken sind, dürften sie zu hohen Abschreibungen gezwungen werden.


Dafür folgt nun die Quittung auf den Fuss. Investoren wollen wie oben beschrieben keine Staatsanleihen von Lettland mehr zeichnen. Es bleibt somit spannend im Osten, wo die Deflationsspirale fröhlich weiter wütet, nachdem ...

... die Löhne im öffentlichen Dienst um 35 Prozent gekürzt wurden. Selbst Rentner mussten ihren Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen leisten. Steuern wurden erhöht, Schulen und Kliniken geschlossen. Laut Finanzminister Kampars ist nun die Grenze des Zumutbaren erreicht: "Wir müssen alles tun, um die politische und soziale Stabilität im Land zu erhalten", sagte er angesichts einer Arbeitslosigkeit von rund 17 Prozent.

Wer würde ihm da nicht zustimmen wollen. Und was in Lettland der Fall ist, macht auch in der Ukraine Schule, ein weiteres Land, das vom IWF abhängig ist...

Die Regierung hatte sich im Gegenzug für einen Kredit von 16,4 Mrd. Dollar verpflichtet, die stark subventionierten Kommunalabgaben im September um 20 Prozent zu erhöhen. Davon nahm Ministerpräsidentin Julia Timoschenko aber Abstand - im Januar stehen Wahlen an.

Tja, irgendwann müssen die Gläubiger für ihre Fehlinvestitionen zur Kasse gebeten werden. Erst dann kann die Deflationsspirale gestoppt werden, doch da viele Gläubiger eben Banken sind und unter zu geringen Kapitalpolstern leiden, werden wir schon bald die Fortsetzung der Krise erleben.

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RSS Kommentare Kommentare (1)

Geschrieben von: caroline bauer website, am 29-10-2009 10:00
ein echtes chaos...die wirtschaftliche lage in lettland ist sehr kompliziert und verwirrt. meiner meinung kann man da in den nächsten monaten mit keiner aufschwung der wirtschaft rechnen...


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[...] Lettland hat gerade mal 2,3 Millionen Einwohner (Tendenz fallend) und ist damit einfach zu klein, um im Blickpunkt zu stehen. Die Hiobsbotschaften aus dem Land werden hierzulande kaum beachtet: Das BIP schrumpfte um 18,7 %, die Arbeitslosenquote liegt bei 18 %, die Löhne der im öffentlichen Dienst Beschäftigten mussten um 35 % gekürzt werden, denn der Staat ist faktisch pleite. Lettische Staatsanleihen, wie sauer Bier angeboten, will niemand mehr abnehmen. (Siehe n-tv und zeitenwende.de.) [...]

 
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