Der Baltikum erlebt das, was Asian Ende der 90er Jahre durchgemacht
hat. Noch vor kurzem wurden sie zum Investorenparadies hochgejubelt und
mit Liquidität geflutet und dann kam die Zeitenwende. Die
Immobilienpreise brechen ein, das BIP taucht und der Staatshaushalt
kommt trotz IWF-Unterstützung nicht auf Touren. Ob das Domino auf
andere Länder gestoppt werden kann, steht noch in den Sternen.
Für eine Auktion von Staatsanleihen über acht Mill. Lats, das sind
umgerechnet etwa 17 Mill. Dollar, am 7. Oktober waren keine Gebote
eingegangen. Die Zentralbank kritisierte in ihrer Verzweiflung die
Regierung unter Ministerpräsident Valdis Dombrovskis und warnte vor
schwerwiegenden Folgen aufgrund der "alles andere als klaren Signale",
was die "Übernahme des Staatsbudgets" anginge.
Tja, da machen
sich die Kritiker das Leben etwas zu einfach. Wie soll die lettische
Politik Kürzungen in einem Land vornehmen, dessen BIP dieses Jahr um
ca. 20 Prozent einbrechen wird? Kritik kommt vorallem aus Schweden und
dies nicht von ungefähr...
Die beiden größten Banken im gesamten
Baltikum sind die schwedischen Institute Swedbank und SEB. Zusammen
haben die beiden Institute umgerechnet knapp 13 Mrd. Euro in den
baltischen Ländern an Krediten vergeben. Mehr als 80 Prozent dieser
Kredite wurden zudem in Euro ausgegeben. Schon jetzt sind die
Kreditverluste beider Finanzkonzerne durch Abschreibungen in den
baltischen Staaten in die Höhe geschnellt. Sollte Lettland , wie von
einigen Ökonomen empfohlen, auch noch seine Währung abwerten, würde das
die Bilanzen beider schwedischer Banken weiter belasten.
Eine
Währungsabwertung wäre zwar für die lettische Wirtschaft ein
Jungbrunnen, würde aber die lettischen Hausbesitzer, welche sich in
Euro verschuldet haben, in den Konkurs treiben. Damit dies nicht
geschieht, hat ...
... die lettische Regierung beschlossen, dass
Gläubiger Kredite maximal nur in Höhe des zugrunde liegenden
Vermögenswertes zurückgefordert werden können. Das steht nicht in
Einklang mit europäischen Gesetzen und richtet sich vor allem gegen
schwedische Banken, die mit ihrem Kreditgeschäft stark in Lettland
engagiert sind. Da die Häuserpreise in Lettland stark gesunken sind,
dürften sie zu hohen Abschreibungen gezwungen werden.
Dafür
folgt nun die Quittung auf den Fuss. Investoren wollen wie oben
beschrieben keine Staatsanleihen von Lettland mehr zeichnen. Es bleibt
somit spannend im Osten, wo die Deflationsspirale fröhlich weiter
wütet, nachdem ...
... die Löhne im öffentlichen Dienst um 35
Prozent gekürzt wurden. Selbst Rentner mussten ihren Beitrag zur
Sanierung der Staatsfinanzen leisten. Steuern wurden erhöht, Schulen
und Kliniken geschlossen. Laut Finanzminister Kampars ist nun die
Grenze des Zumutbaren erreicht: "Wir müssen alles tun, um die
politische und soziale Stabilität im Land zu erhalten", sagte er
angesichts einer Arbeitslosigkeit von rund 17 Prozent.
Wer würde
ihm da nicht zustimmen wollen. Und was in Lettland der Fall ist, macht
auch in der Ukraine Schule, ein weiteres Land, das vom IWF abhängig
ist...
Die Regierung hatte sich im Gegenzug für einen Kredit von
16,4 Mrd. Dollar verpflichtet, die stark subventionierten
Kommunalabgaben im September um 20 Prozent zu erhöhen. Davon nahm
Ministerpräsidentin Julia Timoschenko aber Abstand - im Januar stehen
Wahlen an.
Tja, irgendwann müssen die Gläubiger für ihre
Fehlinvestitionen zur Kasse gebeten werden. Erst dann kann die
Deflationsspirale gestoppt werden, doch da viele Gläubiger eben Banken
sind und unter zu geringen Kapitalpolstern leiden, werden wir schon
bald die Fortsetzung der Krise erleben.
Devisenspezialist zur Währungssituation Sorgen ums Baltikum belasten Krone Lettlands Spar-Unwille verärgert EU Mit dem Währungsanker in die Tiefe (Trackback)
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Geschrieben von: caroline bauer , am 29-10-2009 10:00 ein echtes chaos...die wirtschaftliche lage in lettland ist sehr kompliziert und verwirrt. meiner meinung kann man da in den nächsten monaten mit keiner aufschwung der wirtschaft rechnen... Artikel kommentieren
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze
Erhalten von: Am Rande Europas braut sich etwas zusammen – WIRTSCHAFTSWENDE , am 08-10-2009 18:52 (PB) [...] Lettland hat gerade mal 2,3 Millionen Einwohner (Tendenz fallend) und ist damit einfach zu klein, um im Blickpunkt zu stehen. Die Hiobsbotschaften aus dem Land werden hierzulande kaum beachtet: Das BIP schrumpfte um 18,7 %, die Arbeitslosenquote liegt bei 18 %, die Löhne der im öffentlichen Dienst Beschäftigten mussten um 35 % gekürzt werden, denn der Staat ist faktisch pleite. Lettische Staatsanleihen, wie sauer Bier angeboten, will niemand mehr abnehmen. (Siehe n-tv und zeitenwende.de.) [...] |