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Blocher sieht Parallele zum Kommunismus PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 3. September 2008
Die freie Marktwirtschaft in der heutigen Ausprägung hat vieles gemeinsam mit dem Kommunismus der ehemaligen Sowjetuntion. Die Ideologie ist grund verschieden, doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. Bei beiden Systemen bestimmt eine kleine Gruppe über das Wohl der Vielen. Zustimmung bei dieser Analyse bekomme ich nun von Christoph Blocher, aber lesen Sie selbst...

"Für börsenkotierte Aktiengesellschaften mit Tausenden oder gar Hunderttausenden von Eigentümern sei die Parallele zum Kommunismus erlaubt: Auch hier gehört das Eigentum einer Vielzahl - nämlich allen. Das heisst aber auch gleichzeitig: niemandem wirklich. Es bildet sich so eine Nomenklatura, die das Eigentum verwaltet, aber dieses gleichzeitig auch zum eigenen Nutzen ungestraft für sich entfremden kann", schreibt Christoph Blocher in der Weltwoche.

Dieser Satz könnte wohl auch von Lafontaine stammen. Das mag überraschen, zeigt aber letzlich nur, dass die Waagschale aus dem Gleichgewicht geraten ist. Aber weshalb? Ein Erklärungsversuch:

Nach dem Grundsatz "Eigentum verpflichtet" der sogar im deutschen Grundgesetz steht, steht der Aktionär gegenüber dem Unternehmen in der Verantwortung. Es ist ihm überlassen, Fehlentwicklungen zu korrigieren, wie es analog dazu in einer Demokratie Sache des Bürgers ist, staatliche Fehlentwicklungen zu korrigieren. Soweit die Theorie.

In der Praxis werden die meisten Staaten, auch solche die sich demokratisch nennen, von den Politikern regiert. Der Bürger wird um der Illusion einer Demokratie gerecht zu werden, alle paar Jahre an die Wahlurne gebeten, wo er jeweils über verschiedene Köpfe mit identischen Programmen wählen kann. Anders verhält sich die Situation in der Schweiz, wo Theorie und Praxis zu einem grossen Teil identisch sind ausser bei den Aktionärsrechten.

Von Aktionärsdemokratie kann in der Schweiz (und nicht nur hier) nicht die Rede sein. Deshalb hatte Christoph Blocher während seiner Zeit als Bundesrat ein neues Aktienrecht heraus gearbeitet - sicher auch, um der "Abzocker-Initiative" zuvor zu kommen. Doch jetzt laufen die Wirtschaftsverbände Sturm. Blocher dazu:

In diesem Fall vertreten die Wirtschaftsverbände aber nicht in erster Linie die Interessen der Wirtschaft, sondern die persönlichen Interessen der Manager. Darum wollen sie wieder zurückbuchstabieren. Bekämpft wird insbesondere, dass die Bezüge bei Publikumsgesellschaften neu lückenlos im Geschäftsbericht aufzuführen sind. Bekämpft werden auch die tieferen Schwellenwerte für die Ausübung verschiedener Aktionärsrechte.

Dass Wirtschaftsverbände nicht die Wirtschaft vertreten - wer soll das denn sein - sondern die Interessen ihrer eigenen Mitglieder, welche meistens Managerposten inne haben, kann nicht wirklich überraschen. Deshalb zeigte sich, so Blocher, dass sich - mangels eigentumschützender Regeln das Management der Aktiengesellschaft selbst nach Belieben entlöhnte. So entstanden exorbitante Bezüge, Boni mit falschen Anreizen und Abgangsentschädigungen, über die niemand Bescheid wusste. Dies selbst bei ungenügenden Leistungen. Dadurch wurden ganze Firmen in den Abgrund geführt...

Und genau so führen manche Politiker in Scheindemokratien Staaten in den Abgrund. Aber das wäre wieder ein ganz anderes Thema.

Christoph Blocher: Die AG als Selbstbedienungsladen? 

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RSS Kommentare Kommentare (5)

Geschrieben von: kosh, am 05-09-2008 09:50
Vielleicht findest Du eines Tages Gefallen an meiner Wortkreation "Kapitalapparatschiks". Wer mit welchen politischen Grundeinstellungen auch immer im VIP-Himmel angekommen ist, dient seinem Jobprofil entsprechend dem Kapitalapparat. Dass diese Parallelen bislang öffentlich nicht diskutiert werden, versteht sich in verzweifelter Abgrenzung des globalisierten Bünzlidiktats von allem Linken von selbst. Warum in den Osten schweifen, wenn das Phöse ist so nah?

Grüsse
kosh

Geschrieben von: HRR, am 05-09-2008 10:37
Die Wortkreation werde ich mir merken :)

Geschrieben von: kosh, am 05-09-2008 11:59
Westliches Demokratieverständnis nicht nur global, sondern auch lokal angekommen. Exemplarisch und aktuell ...

... aus http://www.jungewelt.de/2008/09-04/033.php
- "Die einfachen Stadträte erhalten häufig nicht einmal die Anträge und Vorlagen, über die sie später abstimmen sollen! Ein Verwaltungsmann begründete das so: Es sei vorgekommen, daß Dinge an die Öffentlichkeit gekommen seien, die der Stadt geschadet hätten. Darum sei man schon seit Jahren dazu übergegangen, nur noch den Fraktionsvorsitzenden brisante Unterlagen auszuhändigen. Der Clou dabei: Die Linke stellt zwei Stadträte, hat also weder Fraktionsstärke noch einen Fraktionsvorsitzenden. Es gibt also auch keine Unterlagen.
... Ich wurde schon gefragt, ob ich denn kein Vertrauen in die Verwaltung der Stadt habe. In der Gemeindeordnung steht aber explizit, die Aufgabe eines Stadtrats sei es, die Verwaltung zu kontrollieren.
... Ich habe mich zum Beispiel bemüht herauszufinden, für was die städtischen GmbH Geld ausgeben. Das ist aus den Geschäftsberichten nicht ersichtlich. Eine originäre Aufgabe des Stadtrats ist es aber, das Verhalten der im Besitz der Stadt stehenden GmbH kritisch zu begleiten. Das kann er aber nicht, weil in diesen privatrechtlichen Firmen für einen Stadtrat völlig undurchsichtig gehandelt wird.
... Was da stattfindet, ist ein Akt der Entdemokratisierung. Der eigentliche Besitzer all dieser Firmen, der Bürger, hat keinerlei Einflußmöglichkeit mehr auf sein Eigentum. Er weiß nicht einmal, was die Geschäftsführer seiner Unternehmen verdienen."

Patriot Act und Demokratie auf dem Dorfe - pampaströse Liebeserklärung der Kapitalapparatschiks an sich selbst und Ihresgleichen.

Die Amis auf Kurs
kosh

Geschrieben von: HRR, am 05-09-2008 13:20
Die alten Griechen sollen ja die Demokratie erfunden haben und ich dachte immer es sei ein Marketing-Begriff aus dem Pentagon. Wie man sich doch täuschen kann :roll

Geschrieben von: LD, am 09-09-2008 00:25
Scharf beobachtet! Die hochgelobte und viel gepriesene Demokratie ist bis auf ganz wenige Ausnahmen auf den Hund gekommen und bis zur blassen Illusion und Unkenntlichkeit verkommen. Als nächster Schritt zur gänzlichen Versklavung hat bereits der Überwachungssaat seinen Fuss in der Türe.

Fragt der Obernarr das närrische Volk: "Wolle mer ne reinlasse?". Und dieses schreit lauf: "Hellau!"


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