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Babylonische Verwirrung um das Eigenkapital |
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Mittwoch, 7. Oktober 2009 |
Wieviel darf es sein? 4 Prozent, 8 Prozent oder sogar ein bisschen
mehr? An der IWF-Tagung in Istanbul wird wieder einmal die Frage
diskutiert, wieviel Eigenkapital eine Bank eigentlich braucht. Nur eine
Frage wird gemieden wie die Pest, was das Eigenkapital einer Bank
eigentlich ist. Solange dieser Begriff nicht definiert wird, muss jede
Diskussion ins Leere laufen.
Wenn die Bank von einem Hauskäufer ein Eigenkapital von 20 Prozent
verlangt, dann ist jedem klar, was mit diesem Eigenkapital gemeint ist:
CASH.
Bei einer Aktiengesellschaft ist das Eigenkapital das, was
die Aktionäre eingebracht haben - ergo das Aktienkapital. So müsste es
eigentlich sein, ist es aber nicht. Banken mit einem Eigenkapital von
bespielsweise 10 Prozent arbeiten nicht mit einem 10 fachen
Fremdkapitaleinsatz sondern viel mehr. Doch das wissen bis heute die
meisten Beobachter und vermutlich auch die Journalisten nicht. Nur so
ist es zu erklären wie Artikel zu stande kommen, wie der folgende vom
Manager-Magazin "Wieviel Eigenkapital braucht eine Bank? "
Bislang müssen Banken für ihre "risikobehafteten Aktiva", also für die
Summe ihrer Wertpapierpositionen sowie ihre Kreditforderungen,
mindestens 8 Prozent Eigenkapital vorhalten: Das bedeutet für die
Kreditvergabe, dass pro Euro Eigenkapital 12,50 Euro an Krediten auf
dem Spiel stehen.
Das
ist falsch. Die "risikobehafteten Aktiva" entspricht NICHT der Summe
der Wertpapierpositionen sowie Kreditforderungen und somit bedeutet es
eben nicht, dass pro Euro Eigenkapital 12.50 Euro an Krediten auf dem
Spiel steht. Es ist viel mehr. So hatte die UBS im März 2008 einen Hebel von 100 eingesetzt, die Deutsche Bank im 1 Quartal dieses Jahres ein Eigenkapital von 1.65 %.
"In spätestens drei Jahren soll der Staat nicht mehr Mitspieler,
sondern wieder Schiedsrichter in der Finanzbranche sein", meint Walter
Als
grösster Schuldner ist der Staat immer Mitspieler und nicht nur
Schiedsrichter. Das ist die Krux der Geschichte. Man stelle sich das
bildlich bei einem Fussballspiel vor, bei der eine Mannschaft auch noch
den Schiedsrichter stellt.
"Es gibt keinen verlässlichen Maßstab, welche Eigenkapitalhöhe als
Risikopuffer ausreicht. Diese Zahlen sind willkürlich gesetzt", sagt
Stephan Paul, Geschäftsführender Vorstand des Instituts für Kredit- und
Finanzwirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum.
Richtig,
weil das Eigenkapital eben kein Eigenkapital im eigentlichen Sinne ist.
Es gehört nämlich den Aktionären nicht. Den Aktionären gehört nur das
Aktienkapital und das ist viel kleiner Wieso man also von EIGENkapital
schreibt, das wissen inzwischen auch verwirrte Professoren nicht mehr
und ziehen die völlig falschen Schlüsse.
"Wichtiger als die nominale Höhe des Eigenkapitals ist, dass die
Finanzaufsicht sich bei jeder einzelnen Bank anschaut, wie diese mit
ihren Risiken umgeht", sagt Paul.
Das ist alter Wein in neuen Schläuchen. Tausende von Aufsehern
haben bereits in den vergangenen Jahren hingeschaut und dennoch nichts
gesehen.
Eine qualitative Prüfung der Risiken sei von größerer Bedeutung als
eine Entscheidung über eine nominal "ausreichende" Eigenkapitalquote.
Nein,
es ist andersrum. Seit 1988 das "qualitative Eigenkapital" eingeführt
wurde, kann man sich auf die Zahlen nicht mehr verlassen. Paul möchte
diese Intransparenz jetzt noch vergrössern mit der Begründung...
"Je höher das Risiko eines Geschäfts, desto mehr Eigenkapital sollte
das Institut dafür bereitstellen - auch dieses Modell findet sich
bereits in Basel II", erläutert Paul.
Das
hört sich mitunter ganz logisch an, ist aber dennoch falsch wie uns die
Krise gezeigt hat. Hypotheken wurden als Kredite mit sehr tiefem Risiko
eingestuft und daran sind die Banken und Aufseher gescheitert. Durch
komplexe Risikoeinstufungen wird der Oeffentlichkeit verwehrt, sich
selbst ein Bild eines Bankinstituts zu machen. Gerade deshalb muss es
heissen: Zurück zur Einfachheit.
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AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze
Erhalten von: Babylonische Verwirrung • Börsennotizbuch , am 08-10-2009 12:06 (PB) [...] “Babylonische Verwirrung um das Eigenkapital” (Zeitenwende.ch). [...] |