Der Aufschwung, der keiner war, geht langsam aber sicher zu Ende und
damit auch der Glaube, mit Milliarden und Billionen an Steuergeldern
der Wirtschaft wieder auf die Füsse zu helfen. Die Gründe dafür sind
einfach und banal und dennoch wurden sie von der Oeffentlichkeit
ignoriert. Die Staatsgelder wurden vorallem dazu benutzt, Schulden der
Banken zu refinanzieren. Das System wurde dadurch gerettet, die Bürger
bleiben aber so klamm wie vor dem staatlichen Geldregen.
Wenn durch neue Schulden des Staates alte Schulden der Banken abgelöst
werden, dann wird im besten Fall der Status Quo erhalten und genau das
ist auch passiert. Nur wenig Geld wurde für neue Projekte, innovative
Ideen und dergleichen verwendet, die tatsächlich der Wirtschaft den
Boden bereitet hätte, einen neuen Aufwärtszyklus in Gang zu setzen.
Dahinter stand allerdings keine böse Absicht, sondern pure Not. Während
der Hochkonjunkturphase hatten die Banken ihre
Verschuldungsmöglichkeiten bis hin zur völligen Verantwortungslosigkeit
ausgedehnt. Eine möglichst hohe Eigenkapitalrendite war die passende
Ideologie, deren Verfechter inzwischen etwas leiter treten. Dabei hätte
ein Blick in die Bilanzen genügt um festzustellen, dass die hohen
Renditen nur durch die relative und absolute Reduktion des
Aktienkapitals im Vergleich zur Bilanzsumme möglich wurden.
Noch
vergangenen Herbst stand das System vor dem Kollaps. Wie überdreht das
Spiel gespielt wurde, machten die nachfolgenden Rettungsmassnahmen
klar. Genau so klar musste es eigentlich jedem Beobachter dieser
Situation sein, dass eine solche Schieflage, die derart hohe
Milliardenmassnahmen nach sich zog, nicht über Nacht entstanden sein
konnte, obwohl dies auch heute noch gerne in die Runde geworfen wird.
Die Lehman-Pleite sei dafür verantwortlich gewesen. Pustekuchen! Solche
Aussagen gehören ins Märchenland der Verblendungskünstler. Die
Lehman-Pleite selbst war eine Folge der übermässigen Verschuldung. Alle
Investmentbanken wurden wie Hedge-Fonds geführt mit einem Leverage über
das 50-fache des eingesetzten Kapitals.
Wer Lust auf Rückschau hat, mag meinen Artikel Grossbanken auf dünnem Eis vom Juni 2008 nochmals lesen.
Die
Milliarden sind bei den Banken angekommen, genügen tun sie aber nicht,
denn das Fundament der Wirtschaft - die Konsumenten und Unternehmen
sind nachwievor überschuldet. Dafür fehlen jetzt die Staatsgelder.
Werden noch mehr Schulden gemacht, dann drohen die Investoren aus Angst
vor Hyperinflation, steigenden Zinsen und Staatsbankrott das Weite zu
suchen. Werden die Schulden nicht gemacht, dann müssen die Konsumenten
den Gürtel auch weiterhin enger schnallen, denn die Kreditfinanzierung
via Verbriefungsindustrie liegt immer noch in den Seilen. Eine
Erhlolung ist dort nach dem vergangenen Debakel nicht so schnell zu
erwarten.
Dazu kommen noch steigende Arbeitslosigkeit, ein
weiter am Boden liegender Immobilienmarkt, steigende Steuern und
schlechtere Kreditkonditionen. Neu ist das alles nicht. Ich schreibe
schon seit Monaten darüber. Die Frage aller Fragen lautet somit: Wer kann noch Schulden machen,
ohne dass seine Bonität gleich in Frage gestellt wird? Bei den Staaten
wird es eng und andere sind nicht in Sicht. Doch letztlich sind Fundamentaldaten für die Börsen nicht
die entscheidende Grösse. Was für die Finanzmärkte wirklich zählt, ist
die Stimmung und diese scheint nun langsam aber sicher zu drehen, weil
die Versprechungen der Politiker bei den Bürgern nicht ankommen. Siehe
auch die Umfragewerte von Barack Obama. Also aufgepasst, ein heisser
Herbst statt der versprochenen süssen Früchte steht uns bevor und
dieses Mal dürfte dies nicht nur für die Realwirtschaft sondern auch
für die Börsianer gelten.
(Trackback)
Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 4232
Geschrieben von: egghat , am 02-09-2009 12:59 Ebenfalls sehr spannender Aspekt: Wir haben (vor allem durch China) in den letzten Jahren weltweit gesehen massiv ausgebaute Produktionskapazitäten. Die weltweite Anpassung des Angebots an die durch die Krise gesunkene Nachfrage hat überhaupt noch nicht stattgefunden. Und erst dann ist die Krise zuende. Dieser Prozess ist genauso schmerzhaft wie das Deleveraging. Geschrieben von: der-Lügenbaron, am 03-09-2009 09:12 Der Abbau der Über-Produktionskapazitäten wird sich nicht friedlich abspielen, kann er auch gar nciht. China udn asien sind auf Turkey, weil sie darauf angewiesen sind, ihre eigene Bevölerung mit Jobs und Zukunftsperspektive zu versorgen. Wer da nun glaubt, die 2 Milliarden Malocher gehen jetzt friedlich wieder auf Ihre Dörfer und drehend as Rad der Zeit zurück, der befindet sich auf dem Holzweg. China und Indien werden produzieren und sie werden nach Europa verkaufen und sie werden das bei Bedarf mit Dumpingpreisen durchziehen bis uns schwindelig wird. Diese Vorgehensweise wird uns treffen mit usneren eigneen Jobs, unserem sozialen Frieden und unserer Zukunft. Das wird so lange gehen, bis der Prozeß der Globalisierung umgedreht wird und ejder mit Vollbremsung auf Schutz der eigene Wirtschaft/Bevölkerung umschaltet. Das hat nix mit Ideologie oder so zu tun, sondern ganz einfach mit dem Zwang des Faktischen. Jeder möge sich bitte selber überlgen, wo seine Position in diesem Dilemma ist und seine eigenen Schlüsse ziehen...  Geschrieben von: eachtradingday , am 03-09-2009 17:33 in schweden müssen ja nun auch die banken geld für ihre anlagen bei der zentralbank leisten. schweden ist oft ein vorreiter in neuerrungen - die trauen sich noch was! die frage wäre, wann kommt dieser schritt nach euroland? Artikel kommentieren
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze
Erhalten von: Zeitenwende.ch verabschiedet sich vom “Aufschwung, der keiner war” • Börsennotizbuch , am 02-09-2009 23:43 (PB) [...] lesen Sie am besten selbst [...] |