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Das globale Dorf PDF Drucken E-Mail
Montag, 24. September 2007
Image Asset-backed Securities, Subprime-Hypotheken oder CDO’s gehörten bislang nicht zum Standardvokabular eines durchschnittlich informierten Anlegers, was es für die meisten Investoren unmöglich macht, die Zusammenhänge zu verstehen. Viel einfacher zu verstehen ist der Kleidermarkt vom Produzenten zum Konsumenten – die Probleme sind aber simpel ausgedrückt die gleichen. Der Versuch eine Brücke zu schlagen.

 Wer heute in Seattle, Frankfurt oder Florenz ein T-Shirt kauft hat meistens keine Ahnung unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde. Er kann sich nur entscheiden zwischen Preis, Mode und Qualität. Die Verantwortung für die Produktionsbedingungen überträgt der  Käufer den Zwischenhändlern, sofern es den Käufer überhaupt interessiert.

Aehnlich verhält es sich mit Finanzprodukten. Der Anleger vertraut auf den Emittenten, die Rating-Agenturen und/oder seinen persönlichen Anlageberater.

Frei entscheiden kann sich der Käufer in beiden Produktkategorien abgesehen von den Modetrends nur beim Preis respektive der Rendite.
Der Käufer kennt weder beim Kauf eines T-Shirts die Person, welches das T-Shirt hergestellt hat, noch kennt der Käufer einer hypothekarisch gedeckten Anleihe den Hypothekarschuldner, welcher für die Zinszahlung gerade steht.

Damit der Käufer nicht völlig im Regen steht, gibt es für Anleihekäufer Rating-Agenturen. Das Problem der Rating-Agenturen ist, dass sie von den „Zwischenhändlern“ finanziert werden und nicht von den Käufern, welche ein Interesse an der bestmöglichen Qualität haben.

Die Rating-Agenturen haben streng kapitalistisch gesehen ihre Aufgabe erfüllt, denn ihre Auftraggeber waren die Nutzniesser der zu guten Ratings.
Die Käufer von Subprime-Anleihen hingegen sind streng kapitalistisch gesehen zu recht die Verlierer, denn keiner von ihnen hat für eine unabhängige Beratung bezahlt.

Es bleibt die Erkenntnis, dass es keinen „free lunch“ gibt. Tiefere Preise und höhere Renditen haben immer ihre Konsequenzen, unabhängig davon ob wir informiert sind und unabhängig davon, wie lange die Kette zwischen Käufer und Verkäufer wegen der Globalisierung geworden ist.

Je tiefer der Preis beim Kleiderkauf, desto tiefer die Qualität des Produktes oder desto schlechter die Arbeitsbedingungen.
Je höher die Rendite bei Finanzprodukten, desto höher das Risiko.

Anomalien die diesen Grundsätzen nicht entsprechen, regelt der Markt von alleine.

Verantwortlich für die Missstände die heute oft beklagt werden ist nicht die Globalisierung, sondern das Desinteresse an den Menschen (am anderen Ende der Welt), welche für die Leistung aufkommen sollen. Das kann fatal enden im globalen Dorf.

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