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Darfs ein bisschen mehr sein? PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 12. März 2008
Image Wieviel wird die aktuelle Kreditkrise kosten? Vergangenen Juli lauteten die Schätzungen von Fed-Chef Bernanke noch 100 Milliarden $. 600 Milliarden schätzen jetzt die UBS-Analysten. Goldman Sachs geht von 500 Milliarden im Hypotheken-Sektor und weiteren 500 Milliarden in anderen Sektoren aus. 1000 Milliarden meinte auch George Magnus. Alles viel zuwenig, lautet die Antwort von Roubini. 1700-2700 Milliarden werden es wohl sein. Wer bietet mehr?

Das Problem bei der aktuellen Krise ist, dass niemand den Boden erkennen kann und das ist - so schwer es auch zu begreifen ist - normal, denn jede Schuld basiert auf einer anderen Schuld. Will man bis zum Ursprung zurück, dann gibt es keine Wirtschaft mehr. 

Wenn es zu einem Kreditvertrag kommt, dann sind normalerweise beide Parteien optimistisch, dass das Geld inklusive Zinsen auch wieder zurück bezahlt wird. Das Problem bei der aktuellen Krise ist, dass sich die Kreditnehmer oft gar keine Gedanken gemacht haben, ob sie die Kredite irgend eines Tages wieder werden zurück bezahlen können. Sie haben die Kredite genommen, weil es alle so gemacht haben - begonnen mit Autoleasing, Kreditkarten, Studentendarlehen und zu schlechter Letzt auch noch Hypotheken.

Das gleiche gilt für diejenigen, welche die Kreditverträge abgeschlossen hatten. Es waren nicht diejenigen, welche jetzt die Verluste an der Backe haben und somit war eine ordentliche Prüfung nicht in ihrem Interesse. Dass es dennoch jahrelang funktionierte, lag an den steigenden Immobilienpreisen. Die Kreditnehmer brauchten keine höheren Einkommen, um den Zinszahlungen nachkommen zu können. Sie stockten einfach die Hypotheken auf. Wenn aber der ärmstmögliche Amerikaner noch ein Haus gekauft hat, wer soll dann nach ihm noch die Immobilienpreise in die Höhe schrauben? Eben, da kommt keiner mehr und die Spirale beginnt sich im Gegenuhrzeigersinn zu drehen.

Und plötzlich sieht man, wie nackt alle waren, die sich zuvor noch im hellsten Licht präsentierten. Es ist deshalb auch nicht eine Laune des Schicksals, dass jetzt ausgerechnet Hedge-Funds und Privat-Equity Firmen in die Schlagzeilen kommen. Nein, es ist logisch nachvollziehbar, denn die Hohepriester des schnellen Geldes sind nur zu dem geworden, was sie waren, weil sie mit wenig Geld und hohem Hebel zusammen kauften, was es zu kaufen gab. Jetzt wo die Preise sinken, werden Nachschussforderungen (Margin calls) fällig, doch ohne Moos ist nix los und die Hedge Funds sind gezwungen bei den Banken anzuklopfen und um höhere Kredite zu betteln. Ein komisches Bild, wenn man bedenkt, dass die Banken vorher bei den Hedge Funds Schlange standen, um Kredite geben zu können.

Doch die Banken sind selbst schon schwach auf der Brust und unwillig zu helfen. Doch wenn sie nicht helfen, dann verkaufen die Hedge Funds ihre Vermögenswerte, was die Vermögenswerte der Banken zusätzlich belastet usw. usw.

Diese Geschichte liesse sich nun endlos weiter erzählen und so kommen dann auch Schätzungen wie die von Roubini zustande. Etwas anderes fällt mir dazu auch nicht ein, ausser es kommt zu einem Schuldenmoratorium oder zu einem Forderungsverzicht oder der Steuerzahler zahlt die Zeche.

Oder es gibt noch eine andere Möglichkeit, die bis dato keinen Platz in meinen Gehirnzellen gefunden hat. "Man soll sich ja nie zu sicher sein", heisst das oberste Gebot wenn es um Prognosen geht.

UPDATE

Völlig überraschend (Vorsicht Ironie) lief jetzt die folgende Meldung über den Ticker:

IWF fordert Steuergelder zur Eindämmung der Kreditkrise
 
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat sich für den Einsatz von Steuergeldern ausgesprochen, um der Subprime-Krise entgegenzuwirken. Die Empfehlung dürfe aber nicht als Aufforderung verstanden werden, einzelne Banken mit Steuermitteln zu unterstützen. (Quelle)

 

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RSS Kommentare Kommentare (2)

Geschrieben von: Matthias, am 12-03-2008 18:59
Wer bietet mehr? Na: Buffett und Gross! Die sprechen von $ 526 Billionen. Ist das viel oder wenig? Ich meine: Viele Dollars für wenig Gegenwert :zzz Aber auch: Viele Arbeitsplätze weniger, viel Hunger, viel Aufruhr und Leid, und wenige, die davon profitieren. :upset Derivatives the new 'ticking bomb'

Geschrieben von: mylli, am 16-03-2008 08:48
Billions (10^9) von Amerikanern sind nach unserer Sprechweise Milliarden, unserere Billionen wiederum sind im Englischen trillons (10^12).

$ 526 Billlions würde heißen, die ganze Welt ist mehrfach im Eimer und wir müssten in der Steinzeit oder am Mars neustarten.


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