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Hinter verschlossenen Türen |
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Dienstag, 2. Oktober 2007 |
Die Schweiz gilt weltweit als Musterbeispiel für gelebte Demokratie. Jeder einzelne Bürger hat die Möglichkeit mit einer mehrheitsfähigen Idee die Entscheide der Machtelite umzustürzen. Doch was ist, wenn sich die führenden Köpfe von Politik und Wirtschaft unter Ausschluss der Oeffentlichkeit über bestimmte Themen geeinigt haben und kein Diskurs die Bevölkerung auf wichtige Aenderungen aufmerksam macht?
Jeden Februar strömen die Spitzen von Politik und Wirtschaft zum Hauptsitz von Nestlé. Zu den Geladenen der letzten Jahre gehören zum Beispiel Marcel Ospel (UBS), Daniel Vasella (Novartis), Franz Humer (Roche), Walter Kielholz (CS) und weitere Spitzenverdiener, Christoph Blocher (SVP), Doris Leuthard (CVP), Hans-Rudolf Merz (FDP), Pascal Couchepin (FDP) und andere Bundesräte und nicht zuletzt Rainer E. Gut (CS-Ehrenpräsident), Gerold Bührer (Economie-Suisse) sowie Jean-Pierre Roth (Nationalbank), ferner Fulvio Pelli (FDP), Hans-Jürg Fehr (SP) und die übrigen Spitzen der Regierungsparteien.
Kaspar Villiger, Alt-Bundesrat und Nestlé-Verwaltungsrat, organisiert diese verschwiegenen Treffen an den Ufern des Genfersees, an denen über langfristige Trends und Probleme, welche die Schweiz und ihre Wirtschaft betreffen, diskutiert wird. Ins Leben rief Nestlé diese Tagungen der Schweizer Elite aus Sorge um Umwelt und Menschheit bereits in den siebziger Jahren. Von Beginn weg dabei war Rainer E. Gut, CS- und Nestlé-Chef. Er verformte das Netzwerk im lauf der Jahre zum persönlichen Machtinstrument, wie Viktor Parma im soeben erschienenen Buch Machtgier. Wer die Schweiz wirklich regiert beschreibt.
Das erstaunliche an diesen Treffen ist, dass Kaspar Villiger auf der vom Konzern vorgegebenen Null-Information besteht.
Unser Gedankenaustausch findet ohne Publizität statt. Kaspar Villiger Erstaunlich deshalb, weil Kaspar Villiger auch Verwaltungsrat bei der Neuen Zürcher Zeitung ist, die NZZ aber ihren Lesern eine umfängliche Berichterstattung verweigert.
Die NZZ gerät dadurch in ein Dilemma, denn für Medienschaffende lautet eine der wichtigsten Standesregeln: „Sie unterschlagen keine wichtigen Elemente von Informationen (Rechte und Pflichten des Schweizer Presserats). Falls dies einem der Teilnehmer auf den Magen schlagen sollte, kann er bei den Geistlichen um Beistand bitten. Die Gottesmänner Abt Martin Werlen vom Kloster Einsiedeln, und Pfarrer Thomas Wipf, Präsident des Evangelischen Kirchenbunds, seien oft auch mit von der Partie.
Radiointerview mit dem Autor Viktor Parma
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