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Bekenntnisse eines Hypotheken-Vermittlers |
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Donnerstag, 26. Juni 2008 |
Es war im Jahr 2005 als Richard Bitner, Mitbesitzer einer kleinen Hypothekenbank in Dallas, seine Firma verkaufte. Im Gegensatz zu den Wall Street Firmen, welche auf ihre mathematischen Formeln vertrauten und stolz auf ihre "innovativen" Finanzierungsmöglichkeiten waren, stand Mr. Bitner dem Immobiliengeschäft weniger euphorisch gegenüber. Weshalb er damals schon nicht mehr an den American Dream glaubte, schrieb er im Buch Confessions of a Subprime Lender nieder.
Der Gedanke, dass im Subprime irgendetwas furchtbar falsch lief, kam ihm, als er Johnny begegnete.
Johnny, Tankstellenwart und seine Frau Patty, Kassiererin, konnten dank Bitners' Firma ihren Traum vom Eigenheim wahr machen. Angespart hatten sie 5'000 Dollar, das Einkommen war minimal, die monatlichen Hypothekenzahlungen frassen die Hälfte ihrer Einkommen auf und finanzielle Reserven hatten sie nicht. Doch diese minimalen finanziellen Verhältnisse von Johnny und Patty genügten, um ein Haus kaufen zu können.
Kurze Zeit später musste Patty wegen Krankheit in den Spital. Sie verlor darauf ihre Arbeitsstelle. Eine Krankenversicherung hatte das Paar nicht, dafür jetzt Spitalrechnungen von 25'000 $. Die Hypothekenzahlungen blieben aus und das Dossier landete auf dem Chefpult - bei Richard Bitner. Fehler können vorkommen, dachte er zuerst, als er das Dossier zur Hand nahm. Doch es war kein Fehler. Seine Mitarbeiter hatten den Kredit innerhalb der gängigen Regeln der Branche vergeben; Regeln, welche ermöglichten, die Kredite an die Wall Street-Firmen weiter zu verkaufen.
Doch wenn so kurz nach der Kreditgewährung die Hypothekenraten nicht bezahlt werden, dann haftet dafür der Hypothekenvermittler gegenüber der Wall Street. Es war nun an Bitner, die Kosten bei Johnny einzutreiben - ein Ding der Unmöglichkeit.
Geschichten wie die von Johnny und Patty begannen sich langsam zu häufen. Der Konkurrenzdruck führte zu laxeren Bedingungen, die Liegenschaftenhändler betrogen im grossen Stil, die Käufer schönten ihre Einkommen und die Wall Street war gierig nach neuen Krediten, welche sie verpackten und an die Investoren verkaufen konnten solange die Ratingagenturen ihren Stempel "top quality" drauf drückten.
Richard Bitner hat die absurdesten Blüten des Immobilienbooms nicht mehr aktiv miterlebt. 2005 verkaufte er seine Firma und schreibt nun im Rückblick über Gier, Ignoranz und Betrug aus seiner ganz persönlichen Erfahrung als Hypotheken-Vermittler.
Das erste Kapitel des Buches zum Nachlesen (engl.)
Confessions of a Subprime Lender: An Insider's Tale of Greed, Fraud, and Ignorance
Interview mit dem Autor Richard Bitner steht hier zum Download bereit (engl)
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