Bei dem kurzfristig nervösen Rumgehüpfe der Aktienkurse lohnt es sich einmal etwas zurück zu lehnen und die Perspektive zu wechseln. Was haben die Aktien denn langfristig gebracht und wie tauglich ist das Credo der Finanzbranche, dass Aktien langfristig immer steigen? Ein Blick auf die letzten 10 Jahre der grossen Indexes fällt ernüchternd aus. Die Performance schwankt währungsbereinigt um den Nullpunkt. Erfolgsstories sehen anders aus.
Zugegeben das war nicht immer so. Vorallem die 90er Jahre waren mit steigenden Aktienkursen gesegnet und wer investiert war, konnte mit Kursgewinnen rechnen. Der Hauptgrund dürfte darin liegen, dass breite Bevölkerungsschichten begannen, ihre Altersvorsorge mit Engagements an den Finanzmärkten abzusichern. Da sich die Bevölkerungsstruktur aber zu ändern beginnt und netto keine neuen Einzahler mehr dazu kommen, dürfte dies ein Grund sein, weshalb die Aktienmärkte in den letzten zehn Jahren eine Nullrunde hinlegten.
Dazu kommt noch, dass bei den Investoren noch zahlreiche Kosten von der Performance abgerechnet werden müssen, angefangen bei den Depotgebühren, zu Verwaltungshonoraren, Fondskommissionen und Management-Gebühren. Dennoch glauben die Investoren, dass die Aktienmärkte ihren Reichtum vermehren können. Ob dies wirklich so ist, wird die Zukunft zeigen, Fragezeichen sind aber sicher angebracht.
Weiter erwähnenswert ist, dass in der gleichen Zeitspanne die Schere zwischen Arm und Reich massiv auseinander gegangen ist. Zu den Gewinnern gehören hauptsächlich jene Branchenvertreter die versprechen, andere reich zu machen. So tauchten in den diversen Listen der reichsten Menschen zahlreiche Bankvertreter und Hedgefondsmanager auf. Nicht ganz so erfolgreich waren ihre Kunden und Aktionäre...
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Geschrieben von: Saviano , am 26-03-2008 13:49 "Der Hauptgrund dürfte darin liegen, dass breite Bevölkerungsschichten begannen, ihre Altersvorsorge mit Engagements an den Finanzmärkten abzusichern. Da sich die Bevölkerungsstruktur aber zu ändern beginnt und netto keine neuen Einzahler mehr dazu kommen, dürfte dies ein Grund sein, weshalb die Aktienmärkte in den letzten zehn Jahren eine Nullrunde hinlegten." Dem kann ich nicht zustimmen: Insbesondere der langfristige Wert der Aktien hängt viel weniger von den Altersvorsorge-Plänen der Menschen ab, sondern von den erwirtschafteten (und erwarteten -- Sie wissen schon) Gewinnen der Unternehmen. Dass es in den 90er eine größere Welle hin zu den Aktien gab, ist wahr, erklärt auch Teil des Börsenaufschwungs -- rein demographischer Effekt ist dies jedoch nicht. Geschrieben von: HRR, am 26-03-2008 14:24 Der Preis hängt nicht direkt von den Unternehmensgewinnen ab, sonst müssten die P/E-Ratios stabil bleiben und das ist nicht der Fall. Aktien steigen und fallen im Preis nach Angebot und Nachfrage. Ob nun die Unternehmensgewinne oder der Demographieeffekt einen grösseren Einfluss auf die Kurse haben, darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein. Da die Pensionskassen aber investieren müssen - unabhängig von der Gewinnsituation - bleibe ich bei meiner These  Geschrieben von: egghat , am 26-03-2008 14:51 Die 80er und 90er waren aus drei Gründen so gute Aktienjahrzehnte: a) Der demografische Effekt hat direkt über die private Altersvorsorge und indirekt über die wachsende Arbeitskraft und Nachfrage für steigende Aktienkurse gesorgt. b) Die Gewinne sind gestiegen. Durch Globalisierung, durch Effizienzgewinne (neue Technologien wie PC und Internet) c) Durch die sinkenden Zinsen. Anfang der 80er lagen die Zinsen bei 10%, da hatten die Aktien KGVs von 5, 6 oder 8, genau wie die Dividenden. Heute liegen die Zinsen bei 4%, da machen KGVs von 15 durchaus Sinn. Grund für die sinkenden Zinsen ist die sinkende Inflation. In meiner "ganz-lang-Strategie" sehe ich aus den Punkten a und c KEINEN weiteren Treibstoff mehr für steigende Aktienkurse. Und wenn ich bei c) nicht so skeptisch wäre, würde ich über Aktien gar nicht mehr nachdenken. Aber bei Inflation sind Sachwerte wie Aktien nicht die schlechteste Anlage, auch wenn wir keine inflationsbereinigten 10% pro Jahr mehr bekommen werden. Geschrieben von: HRR, am 26-03-2008 15:30 Die Frage ist welche Sachwerte bei einer Inflation denn steigen können, denn Inflation ist schlecht für den Geldbeutel. Da bleiben dann nur noch die Grundnahrungsmittel und eventuell Gold als Inflationsschutz. Was wiederum schlecht ist, wenn die Spekulation die Grundnahrungsmittel in die Höhe treibt. Aktienmärkte hin oder her, für den Konsumenten sieht es nicht rosig aus. Geschrieben von: Saviano , am 26-03-2008 20:29 Zunächst ist die Betrachtung, die demographische Effekte impliziert, sehr langfristig. Die P/E-Ratios schwanken kruz- bis mittelfristig (vor allem kurzfristig) erheblich aufgrund anderer Faktoren (Unsicherheit über die Gewinnentwicklung, Psychologie, Liquidität etc.). Langfristig schwanken sie auch, aber viel eher im (stabileren) Verhältnis zum Zinsniveau (auch Punkt c.) bei egghat). Ich meinte hier: die Gewinne als Richtgröße, die dann natürlich in Relation zu den sonstigen Konditionen am Kapitalmarkt steht. Der demographische Prozess ist, denke ich, viel zu langsam (außerdem zum Teil durch Wachstum in den Schwellenländern kompensiert, Punkt a) bei egghat würde ich also nicht komplett streichen), so dass er die Gewinnentwicklung und die Wachstumsaussichten für die Aktien überlagern kann. Artikel kommentieren
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