Machen Nachrichten Kurse oder Kurse Nachrichten? Es ist die berühmte Frage nach dem Huhn und dem Ei. Was war zuerst? Eine Frage, die ich mir früher oft stellte, bis ich begann, selbst Berichte ins Internet zu stellen. Seit diesem Moment konnte ich bei mir selbst beobachten, dass eine innere Zensur mich manchmal zögern liess, negative Nachrichten zu publizieren, wenn die Aktienkurse gerade in die Höhe schossen oder vice versa.
Manche Börsenkommentatoren und Bankanalysten gehen damit etwas lockerer um. Sie machen sich solche Gedanken gar nicht erst. Die Nachrichten müssen einfach zu den Kursen passen - basta! Ein Beispiel gefällig?
"Die Entscheidung von S&P, dem größten Bondversicherer der USA, MBIA, sein Rating zu belassen, beflügelt heute schon wieder die Aktien von Banken und Versicherern." lese ich auf einer Finanz-Website.
Ich weiss nicht, was die Aktienkurse in diesen Tagen beflügelt, die Nachrichten können es auf jeden Fall nicht sein, wie dies bereits Axel Retz und Ronald Gehrt in ihrem unnachahmlich humoristischen Stil gerade beschrieben haben.
Aber zurück zu MBIA. Was war geschehen? Die Financial Times Deutschland:
Die Ratingagentur Standard & Poor's lässt dem Anleiheversicherer MBIA sein Top-Rating. Der neue Chef Jay Brown macht außerdem seine Ankündigung wahr, das Unternehmen aufzuspalten. Das ist der gesamten Wall Street einen Euphoriesturm wert. Sollte tatsächlich das AAA-Rating für die Euphorie zuständig sein, dann wird die Euphorie nicht sehr lange anhalten, denn das AAA-Rating ist in etwa so stabil wie ich beim Einradfahren, eine sehr wacklige Angelegenheit. Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, braucht man kein Einstein zu sein, sonst wäre ich nicht zu dieser Erkenntnis gekommen. Nein, es ist viel einfacher. Schauen Sie mal :
Um die eigene Kreditwürdigkeit auf Top-Niveau zu halten, hat MBIA die Dividende gestrichen. Dadurch könnten jährlich etwa 174 Mio. $ eingespart werden, teilte das Unternehmen mit. MBIA-Chef Brown kündigte zudem an, weitere "vernünftige und umsichtige Schritte" zu unternehmen, um das Rating zu bewahren.
Wenn 174 Mio $ einen Einfluss auf das Rating von MBIA haben, dann kann es sich definitiv NICHT um ein Unternehmen handeln, das einen Einfluss auf die Finanzmärkte haben kann. Schliesslich geht es hier um ganz andere Grössenordnungen, wie der Bericht von gestern 1000 Milliarden Verluste eindrücklich zeigte.
Weiter ist aber auch überraschend, dass die Prognosen der Ratingagenturen überhaupt noch einen Einfluss auf die Börsen haben. Ihre Fähigkeit Entwicklungen vorauszusehen war in der Vergangenheit nicht gerade von Erfolg gekrönt und wird es auch in Zukunft nicht sein. Das sage nicht nur ich, sondern auch Michael Shedlock. In seinem Blog stellt er die Unternehmenszahlen von MBIA (AAA-Rating) und Pfizer (vormals AAA, wurde zurückgestuft) gegenüber und fragt seine Leser: Gibt es einen anderen Weg, diese Ratings zu interpretieren, als mit Inkompetenz oder Korruption? (MBIA Maintains Highest Rating, Pfizer Cut)
Lieber Michael, antworte ich ihm an dieser Stelle, ja man kann. Die Ratingagenturen sind nicht von irgendwelchen niederen Motiven angetrieben, Gott bewahre, nein sie setzen sich einfach für übergeordnete Ziele ein. Es geht um Patriotismus. Es geht um die Zukunft der USA und des Finanzsystems. Da darf man schon mal die Massenvernichtungswaffen in den eigenen Bilanzen übersehen, die man weit weg von der Heimat schon vor Jahren gefunden zu haben geglaubt hatte.
UPDATE: Eine Meldung von Bloomberg
Moody's chose to retain the ratings even though it said MBIA likely faces $4 billion in losses. In a worst-case scenario, the company, which has claims-paying resources of $16.1 billion, could lose as much as $13.7 billion, Moody's said.
Moody's and S&P Say MBIA Is AAA; Debt Investors Aren't So Sure
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Erhalten von: Warum der Druck auf die Obrigkeit nicht nachlassen darf! « DirkGrund - über Suboptimales , am 20-04-2008 17:44 (PB) [...] Korruption bei wirtschaftlichen-, wie politischen Entscheidern allenthalben, der Shareholder Value, die Hedge-Fonds, die gewissenlose Ausbeutung wie von China derzeit in den ehemaligen afrikanischen Kolonien des Westens praktiziert wird - und gewiß nicht nur von China - aber auch die menschenverachtende Entlohnung für geleistete Arbeit hier bei uns Deutschland ( Niedrig lohnsektor und 1€-Jobs ) , auch in anderen europäischen Ländern; all das zieht sich wie ein roter Faden durch eine Agenda für Hegemonie und Unterwerfung, die Leitlinie im Sinne einer neoliberalen wie marktradikalen “500er-Elite”, wie ich sie einmal nennen möchte. [...] |